Batterie am Tagesverlauf auslegen — so bestimmst du Kapazität und Leistung

Die richtige Batteriegröße ergibt sich nicht aus dem Bauchgefühl, sondern aus deinem Tages-Lastgang: Wann entsteht Überschuss, wann Bedarf? Aus der Fläche zwischen beiden Kurven liest du die nötige Kapazität (kWh), aus der größten Differenz die nötige Leistung (kW) ab.
Ein Speicher wird über zwei Werte ausgelegt. Kapazität (kWh) = wie viel Energie du über den Tag verschieben willst (z. B. PV-Überschuss mittags in den Abend). Leistung (kW) = wie schnell er laden/entladen muss, also die größte Leistungsspitze im Tagesverlauf. Beide liest du direkt aus dem Verlauf ab: die Kapazität aus der Fläche unter der Überschuss-Kurve, die Leistung aus dem höchsten Punkt der Lade- bzw. Entladeanforderung.

1) Besorge dir den Lastgang in 15-Minuten-Werten (kW) — Verbrauch und, bei PV, die Erzeugung. 2) Bilde für jedes Intervall die Differenz Erzeugung minus Verbrauch: positiv = Überschuss (laden), negativ = Bedarf (entladen). 3) Summiere die Überschuss-Energie eines typischen Tages → das ist die maximal speicherbare Energiemenge. 4) Lege fest, wie viel davon du abends/nachts wirklich nutzen willst — das ist deine Ziel-Kapazität. 5) Der betragsmäßig größte 15-Minuten-Wert bestimmt die nötige Lade-/Entladeleistung.

Nutzbare Kapazität ≈ tägliche Verschiebe-Energie ÷ nutzbarer Entladetiefe (DoD). Beispielrechnung ohne feste Herstellerangabe: willst du 10 kWh pro Tag verschieben und rechnest mit rund 90 % nutzbarer Tiefe, brauchst du grob 10 ÷ 0,9 ≈ 11 kWh Bruttokapazität. Wichtig: Nutze mehrere Tage (Sommer/Winter, Wochentag/Wochenende), nicht einen Einzeltag — sonst legst du auf einen Ausreißer aus. Überdimensionierung kostet, ohne dass die zusätzlichen kWh voll zyklieren.

Die Leistung richtet sich nach der steilsten Anforderung, nicht nach der Energie. Findet der Überschuss in wenigen Stunden mittags statt, muss der Speicher entsprechend schnell laden — sonst geht Energie ungenutzt ins Netz. Prüfe die C-Rate: Kapazität und Leistung müssen zusammenpassen (z. B. 10 kWh mit 5 kW = 0,5C). Zu wenig Leistung kappt die Spitzen, zu viel Leistung zahlst du unnötig mit.

Nur nach der PV-Anlagengröße statt nach dem echten Verlauf auslegen; einen einzigen Schönwettertag als Maßstab nehmen; Kapazität hoch, Leistung aber zu niedrig wählen; Wirkungsgradverluste (Lade-/Entladeverluste) ignorieren; Degradation über die Jahre nicht einplanen. Faustregel: erst messen (echter Lastgang), dann rechnen — nicht umgekehrt.
Der Tagesverlauf zeigt nicht nur die Größe, sondern auch den Betriebszweck. Für maximalen Eigenverbrauch lädst du den Mittags-Überschuss und entlädst am Abend. Für Arbitrage nutzt du die täglichen Preisschwankungen: günstig laden (z. B. nachts oder bei Negativpreisen), teuer nutzen oder verkaufen. Beides liest sich aus demselben Verlauf ab — die Frage ist nur, ob du auf Autarkie oder auf Preis-Spread optimierst.