Börsenstrompreis aktuell — wo du ihn siehst und was er dir sagt

Der aktuelle Börsenstrompreis ist der Preis, zu dem Strom für die deutsch-luxemburgische Gebotszone an der Strombörse gehandelt wird — stundengenau, in Euro pro Megawattstunde. Du findest ihn kostenlos und in Echtzeit auf SMARD.de der Bundesnetzagentur, bei EPEX SPOT und auf der ENTSO-E Transparency Platform.
Geh auf smard.de (Bundesnetzagentur, kostenlos, ohne Anmeldung) und wähle unter „Marktdaten" den Großhandelspreis für die Marktgebiet Deutschland/Luxemburg. Du siehst dort die Day-Ahead-Preise für jede einzelne Stunde des heutigen und — nach der Mittagsauktion — auch des morgigen Tages. Alternativen: die Preisseite von EPEX SPOT (der Börse selbst) oder die ENTSO-E Transparency Platform, wenn du die Rohdaten für eigene Auswertungen brauchst.

Börsenpreise werden in Euro pro Megawattstunde (EUR/MWh) angegeben, dein Stromvertrag rechnet in Cent pro Kilowattstunde (ct/kWh). Die Umrechnung ist simpel: EUR/MWh geteilt durch 10 ergibt ct/kWh. 80 EUR/MWh sind also 8 ct/kWh, 250 EUR/MWh sind 25 ct/kWh, und -30 EUR/MWh sind -3 ct/kWh. Wenn dir eine Zahl auf den ersten Blick lächerlich niedrig vorkommt, prüfe zuerst die Einheit — das ist der häufigste Lesefehler.

Der Day-Ahead-Preis entsteht in einer Auktion am Vortag: Alle Gebote werden gesammelt und für jede Stunde des Folgetags ein einziger Preis ermittelt. Das ist der Preis, den die meisten Portale meinen, wenn sie „Börsenstrompreis" schreiben, und die Basis fast aller dynamischen Tarife. Der Intraday-Handel läuft dagegen fortlaufend bis kurz vor der Lieferung und gleicht kurzfristige Abweichungen aus — etwa wenn der Wind stärker weht als prognostiziert. Beide Preise können für dieselbe Stunde deutlich auseinanderliegen.

Wenn viel Wind- und Solarstrom auf wenig Verbrauch trifft, rutscht der Preis unter null: Erzeuger zahlen dann dafür, dass ihr Strom abgenommen wird. In Deutschland zählen wir in unserer eigenen ENTSO-E-Auswertung für 2026 bislang 409 Negativstunden, der tiefste Wert lag bei -500 EUR/MWh (also -50 ct/kWh). Das ist kein Ausreißer-Phänomen mehr, sondern ein regelmäßiges Muster — typischerweise mittags an sonnigen Wochenenden und Feiertagen sowie in windstarken Nächten.

Was du zahlst, liegt deutlich über dem Börsenwert. Auf den Beschaffungspreis kommen Netzentgelte, Messstellenbetrieb, Konzessionsabgabe, Stromsteuer, Umlagen und die Marge deines Lieferanten — dann die Mehrwertsteuer auf alles zusammen. Selbst bei einem Börsenpreis von 0 ct/kWh zahlst du also noch. Nur mit einem dynamischen Tarif wird der stündliche Börsenpreis überhaupt an dich durchgereicht, und auch dann nur als eine Komponente von mehreren.
Sinnvoll wird der Blick auf die Kurve erst, wenn du Verbrauch verschieben oder Erzeugung steuern kannst: Wärmepumpe, Wallbox, Batteriespeicher oder eine PV-Anlage in der Direktvermarktung. Dann ist die entscheidende Information nicht der Preis „jetzt", sondern die Preiskurve für morgen, die nach der Mittagsauktion feststeht — daraus planst du die günstigsten Ladefenster oder entscheidest, ob sich Einspeisen in einer Stunde überhaupt rechnet. Ohne steuerbare Last oder Erzeugung ist der aktuelle Börsenpreis für dich reine Information.