Börsenstrompreise live – wo du sie siehst und wie du sie liest

Der aktuelle Börsenstrompreis für Deutschland steht kostenlos auf SMARD.de der Bundesnetzagentur sowie bei der Strombörse EPEX SPOT – dort siehst du den Day-Ahead-Preis für jede Stunde des heutigen und morgigen Tages. Angegeben wird er in EUR/MWh; teile durch 10, dann hast du Cent pro Kilowattstunde.
Geh auf smard.de (Bundesnetzagentur, Rubrik Großhandelspreise) – das ist die amtliche, kostenlose Quelle für den deutschen Marktgebiets-Preis. Die Börse selbst (EPEX SPOT) veröffentlicht die Auktionsergebnisse ebenfalls. Anbieter dynamischer Tarife zeigen dir die Preise zusätzlich in ihrer App, dort aber meist schon inklusive ihrer Aufschläge. Wichtig: „Live" heißt beim Day-Ahead-Preis nicht sekundenaktuell, sondern: die Preise für alle Zeitscheiben von morgen stehen seit der Auktion am Vormittag fest.

Die Börse notiert in Euro je Megawattstunde. Eine Megawattstunde sind 1.000 Kilowattstunden, ein Euro sind 100 Cent – unterm Strich teilst du den Börsenwert schlicht durch 10 und hast Cent pro Kilowattstunde. Aus 80 EUR/MWh werden also 8 ct/kWh. Rechne das immer einmal selbst nach, bevor du einen Börsenwert mit deinem Tarif vergleichst: Wer die Einheiten verwechselt, liegt um den Faktor 1.000 daneben.

Der Börsenpreis ist nur der Beschaffungsanteil. Auf deiner Rechnung kommen Netzentgelte, Messstellenbetrieb, Konzessionsabgabe, Stromsteuer, gegebenenfalls weitere Umlagen und am Ende die Mehrwertsteuer dazu, plus die Marge deines Anbieters. Wie hoch diese Bestandteile bei dir konkret sind, steht in deiner Rechnung und im Preisblatt deines Versorgers – sie unterscheiden sich je nach Netzgebiet und Jahr, also übernimm keine Faustzahlen aus dem Netz, sondern lies deine eigenen Werte ab.

Am Day-Ahead-Markt wird in einer Auktion am Vortag ein Preis je Zeitscheibe für den ganzen Folgetag ermittelt – das ist der Preis, den dynamische Haushaltstarife üblicherweise abbilden. Am Intraday-Markt wird danach fortlaufend weitergehandelt, bis kurz vor der Lieferung; dieser Preis bewegt sich tatsächlich minütlich, spielt für Privatkunden aber praktisch keine Rolle. Wenn du also zwei unterschiedliche „aktuelle" Börsenpreise siehst, schaust du meist auf diese zwei verschiedenen Märkte.

Bei viel Wind- und Solareinspeisung und gleichzeitig niedriger Last kann der Börsenpreis negativ werden – dann bekommt Strom abnehmen theoretisch Geld. Für Verbraucher ist das nur in einem dynamischen Tarif relevant, und auch dort bleiben Netzentgelte, Steuern und Abgaben bestehen, sodass dein Endpreis in der Regel positiv bleibt. Für Anlagenbetreiber ist die Sache umgekehrt ernst: Negative Stunden greifen in die Vergütung ein, hier lohnt der Blick ins konkrete Regelwerk statt in die Live-Kurve.
Mit klassischem Festpreistarif ist der Börsenpreis für dich reine Information – dein Preis ändert sich dadurch nicht. Nutzen hat die Live-Kurve, wenn du einen dynamischen Tarif hast oder über einen nachdenkst: Dann verschiebst du Wärmepumpe, Wallbox, Wasch- oder Spülmaschine in die günstigen Stunden. Schau dir dazu über mehrere Wochen an, wann die Preise bei dir typischerweise fallen und ob dein Verbrauch überhaupt verschiebbar ist – ohne verschiebbare Last bringt dir der beste Live-Preis nichts.
Wenn du heute nach dem Börsenstrompreis suchst, siehst du in aller Regel nicht einen einzigen Tagespreis, sondern eine Kurve: den Day-Ahead-Preis für die Gebotszone Deutschland/Luxemburg, aufgelöst je Zeitscheibe des Tages (je nach Portal Stunden- oder Viertelstundenwerte). Dieser Preis für heute ist bereits gestern zustande gekommen — die Day-Ahead-Auktion an der EPEX SPOT schließt mittags und ermittelt für jede Zeitscheibe des Folgetags den Preis, bei dem sich Angebot und Nachfrage schneiden. Was heute noch in Bewegung ist, ist der Intraday-Handel: dort wird bis kurz vor der Lieferstunde weitergehandelt, und diese Preise weichen vom Day-Ahead-Wert ab. "Der" Strompreis heute ist also immer eine Frage: Day-Ahead oder Intraday, und für welche Stunde. Angegeben wird er in Euro pro Megawattstunde (EUR/MWh); geteilt durch 10 hast du Cent pro Kilowattstunde. Und er kann negativ werden — in unserer eigenen ENTSO-E-Auswertung zählen wir für Deutschland 2026 bis jetzt 445 Stunden mit negativem Day-Ahead-Preis, der tiefste Wert lag bei -500 EUR/MWh.
So kommst du an den Wert für heute: Erstens SMARD.de, die Marktdaten-Plattform der Bundesnetzagentur — dort wählst du "Großhandelspreise", Marktgebiet Deutschland/Luxemburg und den heutigen Tag; die Stundenwerte sind kostenlos und lassen sich als CSV herunterladen. Zweitens die ENTSO-E Transparency Platform als europäische Rohquelle, wenn du Nachbarzonen vergleichen oder Zeitreihen ziehen willst. Drittens EPEX SPOT selbst für die Auktionsergebnisse. Achte dabei auf drei Dinge: die Gebotszone (Preise für Frankreich oder Österreich sind andere Zahlen), die Zeitzone der Anzeige, und ob du gerade Day-Ahead oder Intraday liest. Zweite wichtige Einordnung: Der Börsenpreis ist nicht dein Preis. Auf ihn kommen Netzentgelte, Messstellenbetrieb, Steuern, Abgaben und Umlagen sowie der Aufschlag deines Lieferanten obendrauf — beim Haushaltskunden macht der Börsenanteil nur einen Teil des Endpreises aus. Direkt weitergereicht bekommst du die Stundenwerte nur in einem dynamischen Tarif, und dafür brauchst du ein intelligentes Messsystem. Ohne dynamischen Tarif ist der heutige Börsenpreis für dich eine Marktinformation, kein Abrechnungswert.