Degradation der PV-Anlage: Wie stark altert deine Solaranlage wirklich?

Jede PV-Anlage verliert mit den Jahren etwas Leistung – das nennt man Degradation und ist völlig normal. Bei modernen Modulen liegt der Verlust typischerweise bei etwa 0,5 % pro Jahr, sodass die Anlage auch nach 25 Jahren noch rund 80–87 % ihrer Anfangsleistung bringt.
Degradation ist der langsame, schleichende Leistungsverlust deiner Solarmodule über die Jahre. Das Halbleitermaterial und die Materialschichten altern durch Sonnenlicht, Wärme und Witterung – die Module produzieren dadurch mit der Zeit etwas weniger Strom bei gleicher Sonneneinstrahlung. Wichtig: Das ist kein Defekt, sondern ein normaler, eingeplanter Prozess. Hersteller kalkulieren ihn von Anfang an ein und geben deshalb eine Leistungsgarantie über meist 25 Jahre.

Als Faustwert gilt: rund 0,5 % Leistungsverlust pro Jahr bei modernen Modulen, hochwertige Module garantieren teils nur 0,25–0,4 %. Eine Besonderheit ist das erste Jahr: Durch die sogenannte lichtinduzierte Degradation (LID) verlieren Module direkt nach der Installation oft einmalig etwas mehr, häufig 1–2 %. Danach flacht der Verlust auf den konstanten Jahreswert ab. Liegt dein Verlust deutlich darüber, lohnt ein genauerer Blick.

Rechne einfach mit dem Jahreswert: Bei 0,5 % pro Jahr bringt deine Anlage nach 10 Jahren noch etwa 95 %, nach 20 Jahren rund 90 % und nach 25 Jahren ungefähr 87 % der Anfangsleistung. Genau darauf zielen die üblichen Leistungsgarantien der Hersteller ab, die meist 80–87 % der Nennleistung nach 25 Jahren zusichern. Fällt deine Anlage unter diese garantierte Kurve, kannst du den Hersteller in die Pflicht nehmen.

Die häufigsten Ursachen sind: LID (lichtinduzierte Degradation im ersten Jahr), thermische Belastung durch tägliche Aufheiz- und Abkühlzyklen, UV-Strahlung, sowie Feuchtigkeit, die zu Delamination (Ablösen der Schichten) führen kann. Ein Sonderfall ist PID (potenzialinduzierte Degradation), bei der Spannungsunterschiede die Zellen schwächen – oft durch minderwertige Montage begünstigt. Vereinzelte Hotspots oder Mikrorisse in den Zellen können den Verlust an einzelnen Modulen zusätzlich beschleunigen.

Vergleiche den tatsächlichen Jahresertrag über mehrere Jahre – am besten wetterbereinigt, denn ein schlechtes Sonnenjahr ist keine Degradation. Sinkt der Ertrag gleichmäßig um etwa 0,5 % pro Jahr, ist alles im grünen Bereich. Warnsignale für einen echten Defekt sind: plötzliche Ertragseinbrüche, einzelne Strings oder Module, die stark abfallen, sowie sichtbare Schäden wie Verfärbungen, Blasen oder Braunfärbung (Delamination). Eine Thermografie- oder Kennlinienmessung deckt betroffene Module gezielt auf.
Regelmäßiges Monitoring ist der wichtigste Hebel: Nur wer die Erträge kontinuierlich auswertet, erkennt eine überdurchschnittliche Degradation frühzeitig – bevor Garantieansprüche verjähren. Halte die Module sauber, sorge für gute Hinterlüftung gegen Hitzestau und lass die Anlage bei Auffälligkeiten fachlich prüfen. Und bewahre deine Kaufunterlagen und Garantiezusagen auf: Nur damit kannst du bei Unterschreitung der garantierten Leistungskurve Ansprüche gegenüber dem Hersteller durchsetzen.