Degradation beim Batteriespeicher — was das ist und was du dagegen tun kannst

Degradation ist der dauerhafte Verlust an nutzbarer Kapazität und Leistung deines Batteriespeichers — der Akku speichert nach Jahren weniger kWh als am Tag der Inbetriebnahme. Sie läuft immer, auch wenn der Speicher nur herumsteht, und du kannst sie nicht stoppen, sondern nur verlangsamen.
Dein Speicher hat eine Nennkapazität (z. B. 10 kWh auf dem Typenschild). Degradation heißt: Nach einigen Jahren gehen davon nur noch, sagen wir, 8,5 kWh rein und raus. Fachleute nennen den Restwert 'State of Health' (SoH) — 100 % bei Neuware, darunter mit jedem Jahr. Zusätzlich steigt der Innenwiderstand: Der Speicher wird beim Laden und Entladen etwas träger und verliert mehr Energie als Wärme. Beides ist normal und kein Defekt. Ein Defekt ist es erst, wenn der Verlust deutlich schneller läuft, als der Hersteller in seinem Datenblatt zusichert.

Kalendarische Alterung passiert durch reine Zeit — chemische Nebenreaktionen in der Zelle laufen auch bei stehendem Speicher weiter. Sie wird stark beschleunigt durch hohe Temperatur und durch dauerhaft hohen Ladestand: Ein Akku, der monatelang randvoll bei 30 °C steht, altert schneller als einer bei mittlerem Ladestand und 15–20 °C. Zyklische Alterung passiert durch Laden und Entladen — jeder Vollzyklus kostet ein bisschen Kapazität. Beides addiert sich; in einem Hausspeicher mit wenigen Zyklen pro Jahr ist oft die kalendarische Alterung der größere Anteil, bei intensiv gehandelten Großspeichern die zyklische.

Temperatur ist dein größter Hebel: Stell den Speicher nicht in den heißen Dachboden oder die ungedämmte Südwand, sondern in einen kühlen, frostfreien Raum. Zweitens der Ladestand: Wenn dein System eine einstellbare Lade-Obergrenze oder eine Entlade-Untergrenze hat, schont ein etwas engeres Fenster die Zellen — es kostet dich aber nutzbare kWh, also ist das ein echter Zielkonflikt. Drittens die Belastung: sehr hohe Lade- und Entladeleistungen im Verhältnis zur Kapazität (hohe C-Rate) altern die Zelle stärker als gemächliches Laden. Was du nicht beeinflussen kannst, ist die Zellchemie — die entscheidest du beim Kauf.

Die meisten heutigen Heim- und Gewerbespeicher nutzen Lithium-Eisenphosphat (LFP) oder Nickel-Mangan-Cobalt (NMC). LFP gilt als das zyklenfestere und thermisch robustere von beiden und ist deshalb bei stationären Speichern der Standard geworden; NMC hat mehr Energie pro Kilogramm, was im Keller aber kaum jemanden interessiert. Wenn dir Zyklenfestigkeit wichtig ist — etwa weil der Speicher täglich durchgeladen wird oder Arbitrage fahren soll —, schau als Erstes, welche Chemie drin steckt. Verlass dich dabei aufs Datenblatt, nicht auf den Prospekt.

Hersteller geben typischerweise eine Zeitgarantie und eine Restkapazitäts-Zusage: nach X Jahren oder Y Zyklen oder Z durchgesetzten MWh noch mindestens ein bestimmter Prozentsatz der Anfangskapazität — was zuerst eintritt. Genau dieses 'was zuerst eintritt' ist der Punkt, den die meisten überlesen: Wenn du den Speicher intensiv nutzt, ist das Energie- oder Zyklenlimit lange vor dem Jahreslimit erreicht, und die Garantie ist weg. Lies vor dem Kauf immer die konkreten Zahlen deines Modells im Garantiedokument — sie unterscheiden sich zwischen Herstellern erheblich, und pauschale Faustwerte aus dem Internet helfen dir im Streitfall nicht.
Die Anzeige im Hersteller-Portal ist eine Schätzung des Batteriemanagementsystems, keine Messung — sie kann driften und wird nach Firmware-Updates manchmal neu kalibriert. Belastbar wird es erst, wenn du über längere Zeit misst, wie viele kWh tatsächlich hinein- und wieder herausgehen, und daraus die real nutzbare Kapazität und den Round-Trip-Wirkungsgrad ableitest. Genau dafür brauchst du eine eigene, herstellerunabhängige Messung mit langer Historie — sonst hast du gegenüber dem Hersteller im Garantiefall nichts in der Hand außer dessen eigener Zahl.