E-Auto mit PV-Überschuss laden: evcc selbst einrichten

evcc ist eine kostenlose Open-Source-Software, die deine Wallbox, deinen Wechselrichter und dein Auto zusammenbringt und nur dann lädt, wenn deine PV-Anlage Überschuss liefert. Du installierst sie auf einem kleinen Rechner im Heimnetz (Raspberry Pi, NAS oder Linux-Server), legst eine Konfigurationsdatei an und steuerst alles über die Weboberfläche im Browser.
1. Rechner vorbereiten: Raspberry Pi, NAS oder Linux-Server dauerhaft im Heimnetz, am besten per LAN. 2. evcc installieren – über das Paket für Debian/Ubuntu, als Docker-Container oder als fertiges Paket für dein NAS. 3. Konfiguration erzeugen: Der eingebaute Assistent (`evcc configure`) fragt dich nach Wallbox, Zähler/Wechselrichter und Fahrzeug und schreibt daraus die Datei evcc.yaml. 4. Dienst starten und die Weboberfläche im Browser aufrufen – standardmäßig unter Port 7070, also http://<IP-des-Rechners>:7070. 5. Werte prüfen: Stimmen Bezug, Einspeisung, PV-Leistung und Ladeleistung mit deinem Wechselrichter-Portal überein? 6. Erst danach den PV-Modus scharf schalten.

Drei Dinge müssen zusammenkommen: eine steuerbare Wallbox (viele gängige Modelle sprechen Modbus TCP oder eine eigene lokale API), eine Messstelle, die dir Netzbezug bzw. Einspeisung liefert (Wechselrichter mit Smart Meter, ein eigener Modbus-Zähler oder ein Energiemanager), und ein Netzwerk, in dem beide Geräte per IP erreichbar sind. Nicht steuerbar sind reine 'dumme' Ladeboxen ohne Datenschnittstelle und Schuko-Notladeziegel – hier kann evcc bestenfalls über eine schaltbare Steckdose grob an/aus, aber nicht stufenlos regeln. Das Fahrzeug selbst ist optional: Ohne Auto-Anbindung regelt evcc trotzdem den Überschuss, du siehst nur keinen Ladestand und kannst nicht auf eine Ziel-Ladung planen.

evcc kennt pro Ladepunkt vier Modi: 'Aus' lädt nie. 'Sofort' lädt mit voller Leistung aus dem Netz, egal ob Sonne da ist. 'Min+PV' hält eine Mindestladung aufrecht und schiebt darüber hinaus jeden Überschuss ins Auto – der Modus für 'morgen früh muss ich sicher losfahren'. 'PV' lädt ausschließlich aus Überschuss und pausiert, sobald du Netzstrom ziehen würdest. Für den Alltag ist PV der Standard, Min+PV die Absicherung vor wichtigen Fahrten.

Der Ladestandard schreibt einen Mindeststrom von 6 A pro Phase vor. Einphasig sind das rund 1,4 kW, dreiphasig rund 4,1 kW – darunter kann keine Wallbox regeln, sie kann nur abschalten. Genau deshalb ist die automatische Phasenumschaltung so wertvoll: Wallboxen, die zwischen 1- und 3-phasig umschalten können, nutzen auch kleine Überschüsse ab etwa 1,4 kW. Hat deine Box das nicht, stell sie fest auf einphasig, wenn deine Anlage klein ist, und auf dreiphasig, wenn du regelmäßig über 4 kW Überschuss hast.

Ohne Puffer schaltet die Ladung bei jeder Wolke an und aus. In evcc stellst du dafür zwei Zeiten ein: eine Einschaltverzögerung (der Überschuss muss z. B. 1–5 Minuten stabil anliegen, bevor gestartet wird) und eine Ausschaltverzögerung (erst nach mehreren Minuten Unterdeckung wird pausiert). Zusätzlich kannst du einen Regelpuffer definieren, damit evcc einen Rest Einspeisung stehen lässt und nicht knapp in den Netzbezug rutscht. Fang mit moderaten Werten an und beobachte einen sonnigen und einen wechselhaften Tag, bevor du nachjustierst.
Vorzeichen-Fehler beim Zähler: Zeigt evcc Bezug, wo du einspeist, dreh die Skalierung des Zählers in der Konfiguration um. Falsche Messstelle: Der Zähler muss den Netzanschluss messen, nicht nur die PV – sonst regelt evcc ins Leere. Wallbox nicht erreichbar: feste IP oder DHCP-Reservierung vergeben, sonst ist die Box nach dem nächsten Router-Neustart weg. Doppelte Regelung: Wenn dein Wechselrichter- oder Wallbox-Hersteller ein eigenes Überschussladen anbietet, schalte es ab – zwei Regler, die dasselbe steuern, schaukeln sich auf. Und: Der Kern von evcc ist kostenlos, einzelne Integrationen sind Unterstützern vorbehalten und brauchen einen Sponsor-Token – prüf das vorab für deine Wallbox und dein Fahrzeug.