evcc: Kann ich die Batteriestrategie für zwei Ladepunkte unterschiedlich definieren?

Kurz: teilweise ja. Die Akku-Schwellwerte (bufferSoc, bufferStartSoc, prioritySoc) gelten in evcc global für die gesamte Anlage – aber Lademodus, Priorität und Batterie-Boost stellst du pro Ladepunkt getrennt ein. Damit lässt sich für Auto und Wärmepumpe faktisch eine unterschiedliche Akku-Strategie umsetzen.
Eigene SoC-Schwellen (z. B. "Auto darf Akku bis 30 % nutzen, Wärmepumpe erst ab 60 %") kannst du in Standard-evcc nicht direkt pro Ladepunkt setzen – diese Schwellen (bufferSoc, bufferStartSoc, prioritySoc) sind eine Anlagen-Einstellung und wirken auf alle Ladepunkte gleich. Getrennt einstellbar sind dagegen: der Lademodus (Aus/Schnell/Min+PV/PV), die Priorität (priority) und der Batterie-Boost. Über diese drei Hebel trennst du die Strategie der beiden Ladepunkte.

Typisches Ziel: Das Auto soll bei Bedarf auch den Hausakku anzapfen, die Wärmepumpe dagegen nur echten PV-Überschuss bekommen. Lösung: Am Auto-Ladepunkt aktivierst du den Batterie-Boost (nutzt vorübergehend den Hausakku zum Laden), am Wärmepumpen-Ladepunkt lässt du ihn aus und stellst Modus "PV" ein. So lädt die Wärmepumpe nur aus Sonnenüberschuss, während das Auto zusätzlich Akku-Reserve ziehen darf – oder umgekehrt, je nach deiner Wunsch-Reihenfolge.

Über das Feld priority je Ladepunkt legst du fest, wer PV-Überschuss (und damit indirekt Akku-Energie) zuerst erhält – höherer Wert = zuerst bedient. Willst du, dass die Wärmepumpe Vorrang hat und das Auto nur den Rest bekommt, gibst du dem Wärmepumpen-Ladepunkt die höhere Priorität. Der nachrangige Ladepunkt startet erst, wenn der bevorzugte gedeckt ist. Das ersetzt zwar keine getrennten Akku-Schwellen, steuert aber sauber die Reihenfolge.

Diese Werte gelten für die ganze Anlage: prioritySoc = bis zu diesem Ladestand wird der Hausakku bevorzugt geladen, bevor Fahrzeuge Überschuss bekommen. bufferSoc = ab diesem Ladestand darf der Akku PV-Laden unterstützen. bufferStartSoc = ab diesem (hohen) Ladestand startet PV-Laden auch ohne ausreichenden Live-Überschuss. Stelle diese drei Werte so ein, dass sie zu deinem gemeinsamen Grundverhalten passen – die Feinunterscheidung zwischen den Ladepunkten machst du dann über Modus, Priorität und Boost.

Wenn du wirklich pro Ladepunkt eigene Akku-SoC-Grenzen brauchst, stößt Standard-evcc an eine Grenze, weil die Akku-Schwellen global sind. Praktikabler Workaround: Betreibe den nachrangigen Verbraucher konsequent im reinen PV-Modus ohne Boost (dann fasst er den Akku nie an), und erlaube nur dem bevorzugten Ladepunkt Boost/Min-Laden. Für zeitabhängiges Umschalten kannst du zusätzlich mit Automatisierungen (z. B. Home Assistant über die evcc-Schnittstelle) den Modus je Ladepunkt nach Uhrzeit oder Akkustand umstellen.
Bewährt für "Auto + Wärmepumpe an einem Hausakku": beide Ladepunkte im Modus PV; Wärmepumpe mit höherer priority, damit Wärme Vorrang hat; Batterie-Boost nur am Auto-Ladepunkt, damit abends noch Akku ins E-Auto fließen darf; prioritySoc so wählen, dass dein Hausakku eine Mindestreserve behält, bevor überhaupt geladen wird. Prüfe das Verhalten dann ein bis zwei Tage im Ladeprotokoll und justiere nach.