Frankreich Strompreis: Was zahlst du dort für Strom?

Der Strompreis in Frankreich liegt für Haushalte meist unter dem deutschen Niveau — vor allem, weil rund zwei Drittel des Stroms aus Atomkraft stammen und der Staat einen regulierten Tarif (Tarif Bleu) vorgibt. Hier bekommst du die konkreten Preistreiber, den Vergleich zu Deutschland und was sich 2026 ändert.
Für Privathaushalte liegt der Preis grob in der Größenordnung von 20 bis 25 ct/kWh — je nach Tarif, Verbrauch und Vertrag. Basis für die meisten Haushalte ist der staatlich regulierte Tarif Bleu des Anbieters EDF, den die Regulierungsbehörde CRE festlegt. Genaue Zahlen schwanken über das Jahr, deshalb gilt: Der Tarif Bleu ist der Referenzpreis, an dem sich fast alle anderen Angebote orientieren.

Der Hauptgrund ist der Strommix: Frankreich deckt einen sehr großen Teil seines Bedarfs mit Kernkraft und Wasserkraft, hat also wenig teuren Gas- und CO2-Anteil im Großhandel. Das drückt die Erzeugungskosten und macht Frankreich häufig zum Netto-Exporteur von Strom nach Deutschland. Wichtig: Das betrifft vor allem den Börsenpreis — auf der Rechnung kommen in beiden Ländern noch Netzentgelte, Abgaben und Steuern dazu.

Frankreich hat — anders als Deutschland — noch einen staatlich regulierten Endkundentarif, den Tarif réglementé de vente (TRV), bekannt als Tarif Bleu. EDF muss ihn anbieten, die Behörde CRE schlägt die Höhe vor, die Regierung setzt sie um. In Krisenjahren hat der Staat die Preise zusätzlich per Preisdeckel (bouclier tarifaire) gebremst. Für dich heißt das: Der französische Haushaltspreis ist stärker politisch gesteuert als der deutsche.

Der französische Großhandelspreis entsteht an der Strombörse (EPEX/Day-Ahead) und ist über das europäische Market Coupling eng mit dem deutschen Preis verbunden. Bei genug Grenzkapazität gleichen sich die Preise an; wenn französische Kernkraftwerke in Wartung sind oder eine Kältewelle den Bedarf hochtreibt, kann Frankreich zeitweise sogar teurer werden als Deutschland. Der Preis ist also nicht dauerhaft niedrig, sondern hängt stark an der Verfügbarkeit der Reaktoren.

Wie in Deutschland gibt es auch in Frankreich zunehmend Stunden mit negativen Börsenpreisen — dann, wenn viel unflexible Erzeugung auf wenig Nachfrage trifft. Zum Einordnen: In Deutschland haben wir 2026 bis jetzt 409 Negativstunden gezählt, mit einem Tiefstwert von −500 EUR/MWh (eigene ENTSO-E-Auswertung). Frankreich sieht dieses Muster ebenfalls, wenn auch der atomlastige Mix anders reagiert als der wind- und solargeprägte deutsche.
Der größte Hebel ist die Verfügbarkeit der Kernkraftwerke: Fallen viele gleichzeitig aus, steigt der Preis spürbar. Zudem ist das alte Mechanismus-System ARENH (regulierter Zugang zu Atomstrom) Ende 2025 ausgelaufen und wird ab 2026 durch eine neue Preisvereinbarung zwischen EDF und dem Staat ersetzt (geplant, als Referenz genannt wird eine Größenordnung von rund 70 EUR/MWh). Behandle solche Zukunftswerte als geplant, nicht als feste Rechnung.