Edwards & Sanborn — ist das der größte Stromspeicher der Welt?

Edwards & Sanborn in Kern County, Kalifornien, ist ein kombiniertes Solar- und Batterieprojekt mit rund 875 MW Photovoltaik und rund 3.287 MWh Batteriespeicher, seit Anfang 2024 im Vollbetrieb. Bei Inbetriebnahme war es die größte Solar-plus-Speicher-Anlage der Welt — beim reinen Speicher-Rekord musst du aber genauer hinschauen, weil die Ranglisten je nach Kennzahl und Baujahr wechseln.
Edwards & Sanborn hält den Rekord als größte kombinierte Solar-plus-Speicher-Anlage der Welt. Als reiner Batteriespeicher betrachtet ist der Titel dagegen nicht dauerhaft gesichert: in China sind seit 2024 Speicherprojekte in ähnlicher und größerer Dimension ans Netz gegangen. Wenn dir jemand pauschal „der größte Stromspeicher der Welt" sagt, frag immer nach: größte Leistung (MW) oder größte Kapazität (MWh)? Und Stand wann? Beide Zahlen führen zu unterschiedlichen Siegern.

Standort: Mojave-Wüste in Kern County, Kalifornien, in der Nachbarschaft der Edwards Air Force Base. PV-Leistung: rund 875 MW. Speicherkapazität: rund 3.287 MWh in mehr als 100.000 Batteriemodulen. Fläche: rund 4.600 Acres, also etwa 1.860 Hektar. Entwickler ist Terra-Gen, gebaut hat Mortenson, die Batterien kommen von mehreren Herstellern. Der Vollbetrieb wurde Anfang 2024 gemeldet.

MW sagt, wie schnell der Speicher laden und entladen kann. MWh sagt, wie viel Energie insgesamt drinsteckt. Ein 100-MW-Speicher mit 400 MWh ist ein 4-Stunden-System: volle Leistung für vier Stunden, dann ist er leer. Edwards & Sanborn liegt mit rund 3.287 MWh im Bereich mehrerer Stunden Volllast. Für dich als Betreiber ist das die entscheidende Auslegungsfrage: Kurze, hohe Leistung verdient an Regelleistung, viele Stunden Kapazität verdienen an Preisspreizung über den Tag.

Kalifornien hat mittags massiv PV-Überschuss und abends eine Nachfragespitze — die berühmte Entenkurve. Der Speicher schiebt Solarstrom vom Mittag in den Abend. Genau dieselbe Mechanik entsteht in Deutschland gerade: negative Börsenpreise zur Mittagszeit, hohe Preise morgens und abends. Der Unterschied ist nur die Größenordnung, nicht das Prinzip.

Der Rekord ist eine Schlagzeile, dein Business Case ist Rechenarbeit. Entscheidend sind drei Dinge: die tatsächliche Preisspreizung an deinem Netzverknüpfungspunkt, deine Abregelungsverluste bei negativen Preisen, und ob dein Netzanschluss die Ladeleistung überhaupt hergibt. Ein Speicher, der nur wenige Stunden am Tag sinnvoll arbeitet, rechnet sich anders als einer, der jeden Tag zwei Zyklen fährt. Rechne mit deinen echten Lastgangdaten, nicht mit Katalogwerten.
Deutsche Großbatteriespeicher liegen aktuell deutlich unter dieser Dimension — der Ausbau nimmt aber zu, weil die Marktsignale eindeutig sind. Für Betreiber von PV-Anlagen und BHKW ist die relevante Frage nicht, wer den Weltrekord hält, sondern ob sich ein Speicher am eigenen Standort rechnet. Das hängt vom konkreten Erzeugungsprofil ab, nicht von kalifornischen Rekorden.