Ist der Bundestag klimatisiert?

Ja, das Reichstagsgebäude wird temperiert – aber nicht mit einer herkömmlichen Klimaanlage. Kühlung und Heizung laufen über ein Energiekonzept mit unterirdischen Wärme- und Kältespeichern, einem Blockheizkraftwerk und natürlicher Lüftung über die Glaskuppel.
Der Bundestag im Berliner Reichstagsgebäude ist klimatisiert im Sinne von "das Raumklima wird geregelt". Es gibt jedoch keine typische Kompressor-Klimaanlage, die überall Kühlluft einbläst. Bei der Sanierung durch Norman Foster (wiedereröffnet 1999) wurde bewusst ein energiesparendes Konzept eingebaut, das Wärme und Kälte speichert und wiederverwendet, statt sie mit hohem Stromeinsatz laufend neu zu erzeugen.

Kern des Konzepts sind zwei unterirdische Wasserspeicher (Aquifere). In einer tieferen, warmen Schicht wird im Sommer überschüssige Wärme eingelagert und im Winter zum Heizen zurückgeholt. In einer höher gelegenen, kalten Schicht wird im Winter Kälte gespeichert, die im Sommer zum Kühlen genutzt wird. So verschiebt das Gebäude Wärme und Kälte saisonal – ein Prinzip, das du auch von modernen thermischen Speichern kennst.

Die begehbare Glaskuppel ist nicht nur Aussichtspunkt, sondern Teil des Lüftungssystems. Über den verspiegelten Trichter in der Mitte fällt Tageslicht in den Plenarsaal, und verbrauchte, warme Luft steigt nach oben und wird über die Kuppel abgeführt. Frische Luft strömt langsam von unten in den Saal nach. Das reduziert den Bedarf an aktiver, energieintensiver Klimatechnik.

Zur Grundversorgung gehört ein Blockheizkraftwerk (BHKW), das gleichzeitig Strom und Wärme liefert und ursprünglich mit Pflanzenöl bzw. Biokraftstoff betrieben wurde. Die Abwärme wird für Heizung und – über die Speicher – indirekt für die Temperierung genutzt. Ziel war von Anfang an, den Primärenergieverbrauch und die CO₂-Emissionen deutlich zu senken.

Eine konventionelle Klimaanlage für ein so großes Gebäude würde viel Strom ziehen und dauerhaft laufen. Das Reichstags-Konzept setzt stattdessen auf Speichern und Wiederverwenden von Wärme und Kälte. Der Grundgedanke – Energie dann speichern, wenn sie im Überschuss da ist, und dann nutzen, wenn du sie brauchst – ist derselbe, der auch hinter modernen Strom- und Wärmespeichern in Gebäuden und Industrie steht.