Last zu Batterie: Wie dimensionierst du deinen Speicher richtig?

Du dimensionierst eine Batterie über zwei getrennte Größen: die Leistung in kW (was die Batterie gleichzeitig aufnehmen oder abgeben kann) und die Kapazität in kWh (wie lange sie das durchhält). Beide leitest du nicht aus der Anschlussleistung ab, sondern aus deinem echten 15-Minuten-Lastgang.
Leistung (kW): Nimm aus dem Lastgang die Differenz zwischen deiner Lastspitze und der Schwelle, auf die du kappen willst. Willst du eine Spitze von 480 kW auf 400 kW drücken, brauchst du 80 kW Batterieleistung. Kapazität (kWh): Nimm die Fläche über dieser Schwelle — also alle 15-Minuten-Werte oberhalb, mal 0,25 h, aufsummiert über das längste zusammenhängende Überschreitungsereignis des Jahres. Das ist die Energie, die die Batterie am Stück liefern muss. Rechne 10-20 % Puffer für Wirkungsgrad und Reserve drauf. Beispiel aus einem realen Projekt: zwei Speicher mit je rund 80 kW / 500 kWh — die Ladelast liegt damit bei ~80 kW, weit unterhalb der BHKW-Leistung von 1.850 kW. Die Batterie muss eben NICHT so groß sein wie die Erzeugung.

Sehr viele Auslegungen scheitern daran, dass Leistung und Kapazität in einen Topf geworfen werden. Eine 500-kWh-Batterie mit 80 kW Wechselrichter kann deine 200-kW-Spitze nicht kappen — egal wie viel Energie drinsteckt. Umgekehrt bringt dir ein 200-kW-Wechselrichter mit 50 kWh nichts, wenn deine Spitze 90 Minuten dauert. Das Verhältnis kW zu kWh nennt man C-Rate: 80 kW / 500 kWh = 0,16C, also etwa 6 Stunden Volllast-Entladung — typisch für Eigenverbrauch und Lastverschiebung. Für reine Lastspitzenkappung brauchst du eher 0,5C bis 1C, also kurze, harte Entladungen.

Du brauchst 15-Minuten-Werte über mindestens ein volles Jahr — ideal getrennt nach Bezug und Einspeisung. Bei RLM-Zählern liegt der Lastgang beim Messstellenbetreiber oder im Netzbetreiber-Portal; der Netzbetreiber muss ihn dir zugänglich machen. Bei SLP-Zählern (Standardlastprofil) existiert kein echter Lastgang — dort musst du erst messen, bevor du auslegst. Rechne nie mit Jahresverbrauch geteilt durch 8760: das glättet genau die Spitzen weg, für die du die Batterie kaufst.

Frag dich vor jeder Rechnung, wofür die Batterie da ist. Lastspitzenkappung: hohe kW, wenig kWh, dimensioniert aus dem schlimmsten Ereignis des Jahres. Eigenverbrauch aus PV oder BHKW: mittlere kW, viel kWh, dimensioniert aus dem typischen Tagesüberschuss — nicht aus dem besten Sommertag, sonst steht der Speicher acht Monate halb leer. Vermeidung von Einspeisung bei negativen Preisen: dimensioniert aus der Dauer der Negativpreisfenster. Jedes Ziel führt zu einer anderen Batterie. Eine Batterie, die alle drei kann, ist meist die teuerste und schlechteste Lösung.

Wenn deine Lasten oder Erzeuger räumlich getrennt liegen, sind mehrere kleine Speicher am jeweiligen Punkt oft besser als ein großer zentraler. Grund: Du sparst Kabelwege, entlastest die jeweilige Unterverteilung lokal und vermeidest, dass Energie zweimal durchs Haus wandert. In einem Biogas-Projekt wurde genau deshalb von einer zentralen auf zwei dezentrale Batterien umgeplant — je eine direkt am BHKW. Der Preis dafür: doppelte Peripherie und ein Steuerungskonzept, das beide Einheiten koordiniert.
Simuliere die geplante Batterie rückwirkend gegen deinen echten Lastgang, Viertelstunde für Viertelstunde. Dabei kommt regelmäßig heraus, dass eine kleinere Batterie 90 % des Nutzens bringt und die letzten 10 % unbezahlbar sind. Achte dabei auch auf Widersprüche in den Daten selbst: In einem Bad zeigte der Lastgang ab August plötzlich höheren Mittags- als Nachtbezug — die PV entlastete den Mittag nicht mehr. Hättest du auf dieser Basis dimensioniert, hättest du eine Batterie für einen PV-Defekt gekauft. Erst die Daten verstehen, dann auslegen.