Lastprofil an der Trafostation mit Batteriespeicher – so misst und liest du es richtig

Das Lastprofil an deiner Trafostation ist der Verlauf deiner Wirk- und Blindleistung in 15-Minuten-Werten am Übergabepunkt zum Netzbetreiber. Kommt ein Batteriespeicher dazu, misst dieser eine Zähler nur noch die Summe aus Verbrauch, Erzeugung und Speicher – du brauchst deshalb zusätzliche Messpunkte, sonst siehst du nicht mehr, wer welchen Ausschlag verursacht hat.
Am Mittelspannungs-Übergabepunkt läuft in der Regel eine registrierende Leistungsmessung (RLM), die 15-Minuten-Mittelwerte aufzeichnet. Diese Zeitreihe ist dein amtliches Lastprofil – sie ist abrechnungsrelevant und du bekommst sie vom Messstellenbetreiber. Sobald ein Batteriespeicher am selben Anschluss hängt, ist dieser Wert aber ein Saldo: Eine flache Kurve kann heißen, dass wenig verbraucht wurde – oder dass der Speicher eine Spitze weggedrückt hat. Für jede Bewertung brauchst du daher mindestens vier getrennte Zeitreihen: Übergabepunkt (Netz), Erzeugung (PV/BHKW), Speicher (Laden und Entladen getrennt vorzeichenrichtig) und Verbrauch der Anlage.

Setze eigene Messtechnik hinter dem Trafo auf die Abgänge: einen Punkt je Erzeuger, einen am Speicher-Wechselrichter, einen auf die Hauptverteilung. Wichtig ist, dass alle Punkte dieselbe Zeitbasis haben – am besten UTC-Zeitstempel und danach erst in Ortszeit umgerechnet, sonst verschieben sich Sommer-/Winterzeit-Sprünge die Kurven gegeneinander und du rechnest Spitzen falsch zu. Für Abrechnungsfragen zählt das 15-Minuten-Raster des Netzbetreibers, für die Speicher-Auslegung willst du feiner (1 Sekunde bis 1 Minute), weil kurze Anlaufspitzen im 15-Minuten-Mittel komplett verschwinden. Erfasse pro Punkt Wirkleistung, Blindleistung und Leistungsfaktor: Ein plötzlich abfallender cos φ ist oft kein Anlagenproblem, sondern ein Messfehler – das prüfst du, indem du am selben Tag einen zweiten, unveränderten Messpunkt gegenliest.

Arbeite drei Größen heraus. Erstens die Jahreshöchstlast: Sie entsteht typischerweise in einer einzigen Viertelstunde im ganzen Jahr – such sie gezielt, statt Monatsmittel anzusehen. Zweitens die Dauerlinie: Sortiere alle Viertelstunden absteigend nach Leistung. Ist die Kurve am linken Rand steil und fällt schnell ab, sind es wenige seltene Spitzen – genau der Fall, den ein Speicher wirtschaftlich kappen kann. Läuft sie flach hoch, ist es Grundlast, und dagegen hilft ein Speicher kaum. Drittens die Wiederkehr: Wie oft im Jahr wird ein bestimmter Schwellwert überschritten? Daraus folgt, wie viele Kilowattstunden der Speicher pro Einsatz halten muss.

Wenn du eine eigene Trafostation betreibst, misst der Netzbetreiber häufig auf der Mittelspannungsseite, während deine eigene Technik auf der Niederspannungsseite zählt. Die Differenz sind die Umspannverluste, die dir als Anschlussnehmer mit eigener Station zugerechnet werden – in Abrechnungen taucht dafür oft ein pauschaler Faktor in der Größenordnung von rund zwei Prozent auf. Prüfe in deinen Abrechnungen, ob so ein Faktor angesetzt ist und auf welche Menge er wirkt, und rechne ihn heraus, bevor du deine eigenen Messwerte mit denen des Netzbetreibers vergleichst. Sonst suchst du eine Abweichung, die gar keine ist.

Leg im Lastgang eine Kappungslinie fest und rechne für jede Viertelstunde darüber die Energie über der Linie aus. Die höchste zusammenhängende Fläche über der Linie ist die nötige nutzbare Kapazität in Kilowattstunden, der größte Einzelausschlag über der Linie die nötige Entladeleistung in Kilowatt. Danach prüfst du die Gegenrichtung: Zwischen zwei Spitzen muss genug Zeit und genug freie Leistung sein, um den Speicher wieder zu laden – liegen zwei Spitzentage direkt hintereinander, hilft dir eine auf den Einzelfall gerechnete Auslegung nicht. Rechne die Bewertung immer mit den echten eigenen Zeitreihen, nicht mit Standardlastprofilen: Standardlastprofile sind synthetisch geglättet und zeigen genau die Spitzen nicht, um die es hier geht.
Erstens die Registrierung: Ein Batteriespeicher ist im Marktstammdatenregister eintragungspflichtig, die Meldung ist binnen eines Monats nach Inbetriebnahme fällig. Zweitens die Ladequelle: Ein Speicher, der sowohl aus der PV-Anlage als auch aus dem Netz geladen wird (Mischladung), verändert die vergütungsrechtliche Einordnung der Erzeugung – eine klassische Volleinspeisung lässt sich damit nicht ohne Weiteres aufrechterhalten. Das ist keine reine Formalie, sondern muss über ein sauberes Messkonzept abgebildet werden, das Netzladung und Eigenladung getrennt ausweist. Kläre das Messkonzept mit Netzbetreiber und Messstellenbetreiber, bevor der Speicher steht, nicht danach.