Lastspitzen berechnen – so geht's Schritt für Schritt

Deine Lastspitze ist der höchste Leistungswert, den dein Betrieb in einem 15-Minuten-Intervall zieht. Hier bekommst du die Formel, ein Rechenbeispiel und siehst, warum ein einziger Ausreißer dein Netzentgelt für ein ganzes Jahr bestimmt.
In Deutschland wird deine Leistung bei registrierender Leistungsmessung (RLM) in 15-Minuten-Intervallen erfasst. Die Leistung eines Intervalls berechnest du so: Lastspitze (kW) = verbrauchte Energie im Viertelstunden-Intervall (kWh) × 4. Der Faktor 4 kommt daher, dass 15 Minuten eine Viertelstunde sind – aus kWh wird durch die Umrechnung auf eine volle Stunde die Leistung in kW.

1. Nimm deinen Lastgang (die 15-Minuten-Werte deines Zählers, bekommst du vom Netzbetreiber oder Messstellenbetreiber). 2. Such den höchsten Einzelwert – sagen wir 60 kWh in einem Viertelstunden-Intervall. 3. Rechne: 60 kWh × 4 = 240 kW. Das ist deine Lastspitze in diesem Intervall. Die höchste dieser Spitzen über das ganze Jahr ist deine Jahreshöchstlast – und die zählt fürs Netzentgelt.

Als RLM-Kunde zahlst du ein zweiteiliges Netzentgelt: einen Arbeitspreis (ct/kWh) für die Menge und einen Leistungspreis (€ pro kW und Jahr) für deine Jahreshöchstlast. Der Leistungspreis wird mit deiner höchsten Viertelstunde multipliziert – ein einziger 15-Minuten-Ausreißer bestimmt also die Kosten für 12 Monate. Die genaue Höhe des Leistungspreises legt jeder Netzbetreiber selbst fest, du findest sie im Preisblatt deines VNB.

Exportiere deinen Lastgang als Datei (meist CSV mit einer Zeile je 15 Minuten). Sortiere die Verbrauchswerte absteigend – der oberste Wert × 4 ist deine Höchstlast. Schau dir an, wann sie auftritt: oft ist es ein gleichzeitiges Anlaufen mehrerer Verbraucher (Kompressoren, Kälte, Beleuchtung). Genau diese Gleichzeitigkeit ist der Hebel, an dem du ansetzt.

Hast du die Spitze identifiziert, kannst du sie kappen (Peak-Shaving): Lasten zeitlich entzerren, Prozesse staffeln oder einen Batteriespeicher die Spitze abfangen lassen. Ein Speicher liefert genau in den kritischen Viertelstunden zusätzliche Leistung, sodass deine Bezugsspitze aus dem Netz sinkt – und mit ihr der Leistungspreis. Schon wenige gekappte Kilowatt können sich über den Jahres-Leistungspreis spürbar rechnen.
Die Leistungsmessung mit Jahreshöchstlast betrifft in der Regel Betriebe mit registrierender Leistungsmessung – üblicherweise ab einem Jahresverbrauch von rund 100.000 kWh. Kleinere Verbraucher mit Standardlastprofil zahlen meist kein separates Leistungsentgelt. Ob du RLM-Kunde bist, steht auf deiner Netz- bzw. Stromrechnung.