Loxone Batteriespeicher an der Strombörse: Was geht wirklich?

Kurz gesagt: Ja, ein Loxone Miniserver kann deinen Batteriespeicher nach Börsenpreisen steuern — aber nicht out of the box. Du brauchst eine Preisquelle, eine Logik im Loxone-Programm und einen Speicher bzw. Wechselrichter, der sich per Modbus oder Hersteller-Schnittstelle wirklich ansteuern lässt.
Loxone selbst liefert dir keine Börsenpreise und keine fertige Arbitrage-Funktion. Was Loxone kann: Es holt sich per HTTP oder MQTT externe Daten (z. B. Day-Ahead-Preise), rechnet damit in der Loxone Config und schickt einen Sollwert an ein angebundenes Gerät. Die Intelligenz — wann laden, wann entladen — musst du selbst bauen oder von außen zuliefern lassen.

Erstens: einen dynamischen Stromtarif, sonst bringt dir der Börsenpreis nichts, weil du ihn gar nicht bezahlst. Zweitens: eine Preisquelle, die stündliche Day-Ahead-Preise liefert und die Loxone per HTTP-Baustein abrufen kann. Drittens: einen Speicher oder Wechselrichter mit offener Schnittstelle — Modbus TCP/RTU oder eine dokumentierte API. Viertens: eine Messung, die dir zeigt, was tatsächlich passiert. Ohne den vierten Punkt optimierst du blind.

Wir sehen das immer wieder in Kundenanlagen: Der Slider im Loxone-Programm lässt sich bewegen, die HTTP-Anfrage kommt mit Status 200 zurück — und das Gerät macht trotzdem nichts. Grund: Die Variable im Loxone-Programm existiert, aber es ist kein Modbus-Ausgang dahinter verdrahtet. Der Sollwert ist dann nur eine interne Spiegelung deiner Handeingabe, keine echte Ansteuerung. Prüfe deshalb immer am Gerät selbst nach, nicht in der Loxone-Visualisierung, ob dein Befehl angekommen ist.

Der Spread über den Tag ist das, wovon du lebst — nicht der Durchschnittspreis. Wie stark der ausschlägt, zeigen die negativen Preisstunden: In Deutschland zählen wir für 2026 bis jetzt 409 Stunden mit negativem Day-Ahead-Preis, der Tiefstwert lag bei -500 EUR/MWh (eigene ENTSO-E-Auswertung). In solchen Stunden bekommst du Strom bezahlt, statt ihn zu bezahlen. Genau dann sollte dein Speicher laden — und genau das schafft eine starre Zeitschaltuhr nicht.

Weg A — alles in Loxone: Du baust HTTP-Abruf, Preis-Ranking und Sollwert-Ausgabe direkt in die Loxone Config. Machbar, aber die Logik wird schnell unübersichtlich, und du musst jede Änderung am Miniserver nachziehen. Weg B — kleiner Edge-Rechner daneben: Ein Raspberry Pi holt die Preise, rechnet den Fahrplan und spricht direkt per Modbus mit dem Wechselrichter. Loxone bleibt für Visualisierung und Hausautomation zuständig. Wir setzen Weg B in Kundenanlagen ein, weil er den halb verdrahteten Loxone-Schreibpfad umgeht und du die Logik ändern kannst, ohne die Haussteuerung anzufassen.
Erst messen, dann steuern. Häng eine saubere Wirkleistungsmessung an den Zählpunkt und lass sie ein paar Wochen laufen. Dann weißt du, wie viel Energie du überhaupt verschieben kannst und ob sich der Aufwand rechnet. Danach die Schnittstelle testen: einen einzigen Ladebefehl schicken und am Gerät nachsehen, ob er wirkt. Erst wenn beides steht, baust du die Preislogik. Andersherum baust du eine schöne Automatik über einer Steuerung, die gar nicht durchgreift.