Negative Strompreise und Netztransparenz.de: Wo du die Daten findest

Du suchst wahrscheinlich netztransparenz.de – die gemeinsame Informationsplattform der vier Übertragungsnetzbetreiber (50Hertz, Amprion, TenneT, TransnetBW). Dort werden die EEG-relevanten Zeitreihen veröffentlicht, aus denen sich ergibt, wann der Strompreis negativ war und ob deine Marktprämie in diesen Zeiten entfällt.
Der Preis selbst entsteht nicht dort, sondern in der Day-Ahead-Auktion an der Strombörse EPEX SPOT. Netztransparenz.de ist die Stelle, an der die Übertragungsnetzbetreiber die daraus abgeleiteten EEG-Daten gebündelt bereitstellen – unter anderem die Zeiten mit negativen Preisen, die für die Marktprämie nach § 51 EEG maßgeblich sind. Wenn du einen Nachweis für deinen Direktvermarkter oder deine Abrechnung brauchst, ist das die Adresse, auf die sich beide Seiten berufen können.

1. Öffne netztransparenz.de und gehe in den EEG-Bereich (Marktprämie bzw. Veröffentlichungspflichten nach EEG). 2. Wähle den Zeitraum, der zu deinem Abrechnungsmonat passt. 3. Lade die Zeitreihe als Datei herunter, statt sie am Bildschirm abzulesen – für einen Abgleich brauchst du jede Viertelstunde bzw. Stunde einzeln. 4. Gleiche die negativen Zeitfenster mit deiner Gutschrift des Direktvermarkters ab: Für jede von der Regel erfasste Phase muss die Marktprämie auf null stehen. Für manche Bereiche der Plattform ist eine kostenlose Registrierung nötig.

Fällt der Börsenpreis unter null, entfällt die Marktprämie – und zwar nicht nur für die Stunden über der Schwelle, sondern für die gesamte zusammenhängende Negativphase. Wie lang diese Phase sein muss, damit die Regel greift, hängt vom Inbetriebnahmejahr deiner Anlage ab: Die Schwelle sinkt stufenweise von vier auf drei auf zwei Stunden; für Anlagen, die ab dem 25.02.2025 in Betrieb gegangen sind, greift sie bereits ab einer einzelnen negativen Viertelstunde. Prüfe also zuerst, welches Inbetriebnahmedatum im Marktstammdatenregister steht – daraus folgt deine Schwelle.

Unsere eigene Auswertung der ENTSO-E-Daten für Deutschland zählt im Jahr 2026 bis zum 28.07.2026 445 Stunden mit negativem Day-Ahead-Preis; der tiefste Wert lag bei −500 EUR/MWh, also am Preisboden der Auktion. Das ist keine Prognose und keine Hochrechnung aufs Gesamtjahr, sondern der Stand bis heute. Für deine Abrechnung zählt aber nicht die Jahressumme, sondern welche dieser Stunden in zusammenhängende Blöcke oberhalb deiner Schwelle fallen.

Drei Hebel, die unabhängig voneinander wirken: Erstens die Abregelung nach § 9 EEG – speist du in einem tiefen Negativblock null ein, vermeidest du den Verlust, ohne dass du dafür einen Speicher brauchst. Zweitens Lasten aktiv in das Negativfenster schieben, etwa Wärmepumpe, Pufferspeicher oder Eigenbedarf; billiger Strom ist dann ein Vorteil statt eines Schadens. Drittens ein Batteriespeicher, der in der Negativphase lädt – der deckt in der Praxis aber nur einen Teil der betroffenen Stunden ab, weil Kapazität und Ladeleistung begrenzt sind.
Achte darauf, ob eine Spalte oder Auswertung die negativen Stunden zählt oder umgekehrt die förderfähigen. Wir haben in eigenen Auswertungen erlebt, dass eine vermeintliche Negativ-Kennzeichnung invertiert war – das Ergebnis lag dann bei rund 90 Prozent statt bei einem plausiblen einstelligen Anteil. Faustregel: Wenn dein Ergebnis unrealistisch hoch aussieht, ist fast immer die Zählrichtung falsch, nicht der Markt.