Negative Strompreise in der Schweiz – gibt es die?

Ja, auch an der Schweizer Strombörse können die Preise ins Minus rutschen, meist an sonnigen, windigen Feiertagen mit wenig Verbrauch. Weil der Schweizer Grosshandel eng mit dem europäischen Markt (EPEX SPOT) gekoppelt ist, schlagen Überschüsse aus Deutschland und Frankreich direkt auf die Preise durch.
Negative Strompreise entstehen im Day-Ahead-Handel, wenn die Erzeugung (viel Solar, Wind, Wasser) den Verbrauch übersteigt und Kraftwerke lieber draufzahlen als abzuschalten. Die Schweiz erlebt das ebenfalls, aber deutlich seltener als Deutschland: Ihre grossen, flexiblen Speicher- und Pumpspeicherkraftwerke saugen Überschüsse auf und drücken die Stunden im Minus. Zum Vergleich – in Deutschland zählten wir 2026 bis jetzt 409 Negativstunden mit einem Tiefstwert von −500 €/MWh (eigene ENTSO-E-Auswertung).

Typisch sind sonnige Frühlings- und Sommer-Mittage an Wochenenden und Feiertagen: Die Solaranlagen liefern Maximum, Industrie und Büros stehen still, der Verbrauch ist am Boden. An solchen Stunden kann der Börsenpreis für eine oder mehrere Viertelstunden negativ werden. Nachts, im Winter und werktags zur Mittags-/Abendspitze passiert das praktisch nie.

Negative Preise gelten am Grosshandelsmarkt (Börse), nicht auf deiner Rechnung. Schweizer Haushalte in der Grundversorgung zahlen einen regulierten, im Voraus festgelegten Tarif – der bleibt auch dann positiv, wenn die Börse ins Minus dreht. Nur mit einem dynamischen, börsengekoppelten Vertrag oder als Betrieb im freien Markt (Verbrauch über 100 MWh/Jahr) würdest du tiefe oder negative Stunden direkt spüren.

Profitieren können Verbraucher mit steuerbaren Lasten und börsennahen Tarifen: Wärmepumpe, Boiler, E-Auto oder Batteriespeicher gezielt in die günstigsten (teils negativen) Stunden verschieben. Wer einen Batteriespeicher hat, lädt im Preistief und nutzt den Strom später – so wird aus einem Marktsignal ein echter Kostenvorteil.

Die Schweiz ist zwar nicht im EU-Binnenmarkt, ihr Grosshandel läuft aber über EPEX SPOT und ist physisch stark mit den Nachbarn verbunden. Deshalb wandern Preissignale – auch negative – über die Grenze. Fällt in Deutschland an einem Sonntagmittag der Preis, zieht das die Schweizer Notierung tendenziell mit nach unten.