Darf der Netzbetreiber meine Solaranlage abschalten?

Ja, unter bestimmten Bedingungen darf dein Netzbetreiber die Einspeisung deiner Anlage drosseln oder ganz stoppen. Wir erklären dir hier die zwei Gründe dahinter – und wann du dafür Geld bekommst.
Dein Netzbetreiber darf deine Anlage in zwei Situationen herunterregeln. Erstens zur Netzsicherheit, wenn das Netz überlastet ist (Redispatch 2.0 bzw. früher Einspeisemanagement). Zweitens bei negativen Strompreisen an der Börse. In beiden Fällen wird die Anlage meist nicht komplett ausgeschaltet, sondern in der Leistung gedrosselt – oft ferngesteuert über eine technische Einrichtung an deiner Anlage.

Ist ein Netzabschnitt überlastet, kann der Netzbetreiber deine Einspeisung vorübergehend reduzieren. Wichtig: Für die dabei nicht eingespeiste Energie (die sogenannte Ausfallarbeit) steht dir in der Regel eine Entschädigung zu. Du erleidest also keinen dauerhaften finanziellen Nachteil – die abgeregelte Menge wird dir vom Netzbetreiber vergütet. Prüfe die entsprechenden Abrechnungen genau, denn hier passieren erfahrungsgemäß Fehler.

Fällt der Börsenstrompreis ins Negative, entfällt für viele Anlagen in diesen Stunden die Einspeisevergütung. Neuere Anlagen speisen in solchen Zeiten teils gar nicht ein. Deine Anlage nimmt dadurch keinen Schaden – sobald der Preis wieder steigt, läuft sie normal weiter. Betroffen bist du je nach Inbetriebnahmedatum und Vergütungsmodell deiner Anlage unterschiedlich stark.

Größere Anlagen müssen technisch fernsteuerbar sein, damit der Netzbetreiber im Notfall regeln kann. Bei neueren Anlagen ohne intelligentes Messsystem (Smart Meter) kann die Einspeiseleistung am Netzanschlusspunkt zudem begrenzt sein, bis die passende Steuerungstechnik verbaut ist. Ob und wie stark dich das betrifft, hängt von Anlagengröße und Inbetriebnahme ab.

Du kannst eine Abregelung meist nicht verhindern, aber deine Ansprüche sichern: Dokumentiere Abregelungs-Zeiträume, kontrolliere die Entschädigung für die Ausfallarbeit und prüfe die Netzbetreiber-Abrechnungen auf Fehler. Ein Batteriespeicher kann helfen, überschüssigen Strom in kritischen Stunden zu speichern statt ihn ungenutzt zu verlieren.