Photovoltaik nur für den Eigenverbrauch – ohne Einspeisung ins Netz

Ja, du darfst deine PV-Anlage so betreiben, dass kein Strom ins Netz fließt – das nennt sich Nulleinspeisung oder Überschuss-Null. Du brauchst dafür einen Wechselrichter mit Einspeisebegrenzung, ein Messgerät am Netzanschlusspunkt und trotzdem die Anmeldung beim Netzbetreiber und im Marktstammdatenregister.
Technisch regelst du die Einspeiseleistung auf 0 kW. Dafür sitzt ein Energiezähler oder Stromwandler direkt am Netzanschlusspunkt und meldet dem Wechselrichter im Sekundentakt, wie viel Leistung gerade Richtung Netz fließen würde. Der Wechselrichter drosselt seine Ausgangsleistung genau so weit, dass der Wert bei Null bleibt. Kurze Überschüsse von wenigen Sekunden lassen sich nie ganz vermeiden – Netzbetreiber akzeptieren das in der Praxis, weil die Regelung technisch bedingt eine Reaktionszeit hat.

1. Wechselrichter wählen, der Nulleinspeisung/Zero-Export unterstützt – nicht jedes Gerät kann das, und nachrüsten geht meist nur mit dem passenden Zubehör des Herstellers. 2. Messgerät am Netzanschlusspunkt setzen, nicht am Wechselrichter – nur dort siehst du die echte Bilanz aus Erzeugung und Verbrauch. 3. Anmeldung beim Netzbetreiber vor Inbetriebnahme, mit dem Hinweis, dass keine Einspeisung erfolgt. 4. Eintrag im Marktstammdatenregister innerhalb eines Monats nach Inbetriebnahme – diese Pflicht entfällt bei Nulleinspeisung nicht.

Das ist der häufigste Irrtum. Die Anmeldepflicht beim Netzbetreiber hängt am Netzanschluss, nicht an der Einspeisung. Deine Anlage ist parallel zum Netz betrieben, also muss der Netzbetreiber wissen, dass sie da ist – wegen Netzsicherheit und Schutztechnik. Das Gleiche gilt fürs Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur. Wer den Eintrag versäumt, riskiert Ärger, unabhängig davon, wie viel eingespeist wird. Frag beim Netzbetreiber konkret nach, welches Formular für den Betrieb ohne Einspeisung vorgesehen ist – das unterscheidet sich regional.

Der ehrliche Vergleich: Eingespeister Strom bringt dir die EEG-Vergütung, selbst genutzter Strom spart dir den vollen Arbeitspreis deines Stromvertrags. Der Eigenverbrauch ist also fast immer der wertvollere Weg – aber das gilt genauso für eine normale Anlage mit Einspeisung. Nulleinspeisung lohnt sich vor allem dann, wenn der Netzbetreiber keinen oder nur einen aufwendigen Einspeisepunkt anbietet, wenn der Anschluss technisch begrenzt ist oder wenn du dir Messkonzept, Abrechnung und steuerliche Behandlung der Einspeisung sparen willst. Rechne beides durch, bevor du dich festlegst.

Seit dem Solarspitzengesetz gilt nach §51 EEG: Fällt der Börsenpreis ins Negative, gibt es ab der ersten Viertelstunde 0 Euro EEG-Vergütung für den eingespeisten Strom. Für dich als Eigenverbraucher ändert das nichts – dein selbst genutzter Strom behält seinen vollen Wert, weil du ihn gegen deinen Einkaufspreis rechnest. Genau deshalb verschiebt diese Regel die Wirtschaftlichkeit generell Richtung Eigenverbrauch und Speicher. Wer viel einspeist, verliert an diesen Stunden Erlös; wer den Strom selbst nutzt, nicht.
Ohne Einspeisung wird jede nicht genutzte Kilowattstunde einfach abgeregelt, also verschenkt. Der Hebel liegt deshalb im Verschieben von Lasten in die Mittagsstunden: Wärmepumpe, Heizstab im Pufferspeicher, Warmwasserbereitung, Waschmaschine, E-Auto-Ladung. Ein Batteriespeicher hebt die Quote weiter, ist aber die teuerste Variante – prüf zuerst die günstigen Lastverschiebungen. Wichtig für die Auslegung: Eine Anlage im Nulleinspeise-Betrieb sollte nicht deutlich größer sein als das, was dein Lastprofil im Tagesverlauf tatsächlich aufnehmen kann.