Probleme mit Solaranlagen: Woran es liegt und was du tun kannst

Die meisten Störungen einer PV-Anlage haben nur eine Handvoll Ursachen: Wechselrichter, Verschattung, Verschmutzung, lockere Steckverbinder oder eine falsche Abrechnung. Hier findest du die häufigsten Probleme, eine schnelle Selbstdiagnose und den Punkt, ab dem du einen Fachmann brauchst.
1) Weniger Ertrag als erwartet – meist durch verschmutzte oder verschattete Module, Alterung oder eine schwächelnde Zelle. 2) Wechselrichter-Fehler – die mit Abstand häufigste echte Ausfallquelle, oft mit Fehlercode oder Isolationswarnung. 3) Lockere oder feuchte Steckverbinder (MC4) – können Lichtbögen und im Extremfall Brandgefahr verursachen. 4) Anlage speist zeitweise nicht ein – häufig gewollte Abregelung bei negativen Strompreisen oder eine Netz-/Zählerstörung. 5) Falsche Abrechnung der Einspeisung. Prüfe diese Punkte in genau dieser Reihenfolge.

Schau zuerst auf das Display oder die App des Wechselrichters: Steht dort ein Fehlercode oder eine rote Leuchte, notiere ihn – das grenzt die Ursache sofort ein. Vergleiche dann den heutigen Ertrag mit einem sonnigen Vergleichstag: Fehlt Leistung nur morgens oder abends, spricht das für Verschattung; fehlt sie ganztägig, eher für ein Modul-, Strang- oder Wechselrichterproblem. Prüfe, ob ein einzelner String (Strang) komplett fehlt – dann liegt es meist am Strang selbst, nicht an einzelnen Modulen. Kontrolliere zum Schluss, ob die Anlage überhaupt ans Netz gekoppelt ist (Netzspannung vorhanden, Sicherung/FI drin).

Der Wechselrichter ist das kurzlebigste Bauteil einer Anlage und Auslöser der meisten Störungen. Ein Neustart (Anlage AC- und DC-seitig kurz spannungsfrei schalten, dann wieder einschalten) behebt viele Sprungfehler. Meldet er dauerhaft einen Isolations- oder Erdungsfehler (oft „Iso“), deutet das auf eindringende Feuchtigkeit in Steckern oder Modulen hin – hier nicht selbst öffnen, sondern den Installateur rufen. Überhitzt er im Sommer und drosselt, prüfe Lüftungsschlitze und Standort (nicht in praller Sonne, nicht zugestellt).

Ein leichter Rückgang über die Jahre ist normal – Module verlieren im Schnitt rund ein halbes Prozent Leistung pro Jahr. Deutlich mehr deutet auf ein Problem hin: Laub, Staub, Pollen oder Vogelkot mindern den Ertrag, ebenso ein neuer Baum, Schornstein oder Nachbaraufbau, der ab einer bestimmten Tageszeit Schatten wirft. Schon eine verschattete Zelle kann über die Reihenschaltung einen ganzen String ausbremsen. Reinigen lohnt oft; bei plötzlichem Einbruch eines einzelnen Strings können eine defekte Bypass-Diode oder ein Kontaktproblem dahinterstecken – das gehört gemessen.

Wenn deine Anlage bei sonnigem Wetter kurzzeitig heruntergeregelt wird, ist das nicht immer ein Defekt: Bei negativen Strompreisen oder auf Anweisung des Netzbetreibers (Redispatch) wird die Einspeisung bewusst begrenzt. Das kostet echtes Geld, ist aber technisch gewollt. Ein zweites, oft übersehenes Problem ist die Abrechnung selbst: Falsch angesetzte Trafo-/Netzverluste, ein fehlerhaftes Messkonzept oder eine zu niedrig angesetzte Vergütung führen dazu, dass du über Jahre zu wenig ausgezahlt bekommst. Vergleiche die gutgeschriebenen kWh mit der real gemessenen Einspeisung.
Selbst erledigen kannst du: Sichtkontrolle, Module von außen reinigen, App/Fehlercode ablesen, Ertrag vergleichen, Wechselrichter neu starten. Finger weg solltest du lassen von: geöffneten Modulsteckern, DC-Verkabelung, Isolationsfehlern und allem unter Spannung – hier drohen Lichtbögen mit hunderten Volt Gleichspannung. Ruf den Fachbetrieb, wenn ein Fehlercode bleibt, ein ganzer String ausfällt, es nach Verschmoren riecht oder ein Iso-/Erdungsfehler gemeldet wird.