Rechenzentrum-Klimatechnik steuern: So funktioniert die Regelung

Du willst wissen, wie die Kühlung im Rechenzentrum geregelt wird und wo du Strom sparen kannst? Hier bekommst du zuerst die Antwort – die Steuerung hält die Server-Zulufttemperatur im sicheren Fenster und fährt die Kälteleistung dem tatsächlichen IT-Wärmeeintrag nach.
Server erzeugen praktisch ihre gesamte aufgenommene elektrische Leistung wieder als Wärme. Die Klimasteuerung sorgt dafür, dass die angesaugte Luft am Server-Einlass in einem definierten Fenster bleibt. ASHRAE (Technisches Komitee 9.9) empfiehlt für den Standard-Betrieb einen Zuluftbereich von rund 18–27 °C. Die Steuerung misst diese Temperatur (und meist auch die Luftfeuchte), vergleicht sie mit dem Sollwert und regelt Kälteleistung, Ventilatordrehzahl und Luftmenge entsprechend nach.

1) Sensoren im Kalt-/Warmgang und an den Rack-Fronten liefern Ist-Werte für Temperatur, Feuchte und Differenzdruck. 2) Die Regelung (BMS/DCIM oder Klimageräte-Controller) vergleicht mit dem Sollwert. 3) Stellglieder reagieren: Verdichter- bzw. Kaltwasserventil, drehzahlgeregelte EC-Ventilatoren, Umluftmenge. 4) Bei Kaltgang-Einhausung wird der Differenzdruck geregelt, damit exakt so viel Luft strömt, wie die Server ansaugen – nicht mehr. So vermeidest du Über-Kühlung und unnötigen Ventilatorstrom.

Die wirksamste Grundlage jeder Steuerung ist die saubere Trennung von kalter Zuluft und warmer Abluft (Cold/Hot Aisle Containment). Wenn sich beide Luftströme nicht mischen, kannst du den Sollwert anheben, ohne Server-Einlasstemperaturen zu gefährden. Jedes zusätzliche Grad zulässige Zulufttemperatur erweitert das Zeitfenster, in dem du ohne mechanische Kälte auskommst.

Ist es draußen kühl genug, kann die Steuerung von mechanischer Kühlung auf freie Kühlung (direkt über Außenluft oder indirekt über Kaltwasser/Wärmetauscher) umschalten. Die Regelung entscheidet das anhand von Außentemperatur und Kaltwasser-Vorlauf. Free Cooling ist der größte Effizienzhebel, weil in diesen Zeiten nur Ventilatoren und Pumpen laufen statt der Kältemaschine – deshalb sind Betreiber an möglichst hohen zulässigen Zulufttemperaturen interessiert.

PUE (Power Usage Effectiveness) ist das Verhältnis aus Gesamtstromaufnahme des Rechenzentrums zur reinen IT-Stromaufnahme. Der ideale Wert ist 1,0; alles darüber ist Overhead – vor allem für Kühlung. Eine gut abgestimmte Klimasteuerung senkt den PUE, indem sie Über-Kühlung, ungeregelte Ventilatoren und Luft-Kurzschlüsse vermeidet. Miss den PUE vor und nach Optimierungen, sonst ist ‚spart Strom‘ nur eine Behauptung.
Klimasteuerungen in Rechenzentren sind auf Ausfallsicherheit ausgelegt (z. B. N+1-Redundanz der Klimageräte, USV-gestützte Regelung, Alarmierung bei Sollwert-Überschreitung). Effizienz wird immer innerhalb dieser Sicherheitsgrenzen optimiert – die Steuerung darf sparen, aber nie die zulässige Server-Einlasstemperatur riskieren.