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Riesenbatterie Schweiz — was ist damit gemeint?

Stromfee Redaktion · 5. Juli 2026
Riesenbatterie Schweiz — was ist damit gemeint?
Energie — Stromfee (KI-Bild)

Wenn Medien von der „Riesenbatterie der Schweiz" schreiben, meinen sie fast immer das Pumpspeicherkraftwerk Nant de Drance im Wallis — keinen Akku, sondern Wasser zwischen zwei Stauseen. Daneben entstehen in der Schweiz auch echte Lithium-Grossspeicher, die aber eine ganz andere Aufgabe haben.

Die kurze Antwort: Nant de Drance

Nant de Drance ist ein Pumpspeicherkraftwerk in einer Felskaverne im Wallis, zwischen den Stauseen Emosson und Vieux Emosson. Es ist seit 2022 in Betrieb, leistet rund 900 MW und kann rund 20 GWh (also etwa 20 Millionen kWh) speichern. Genau diese Kombination — sehr viel Leistung plus sehr viel Energieinhalt — bringt ihm den Spitznamen „Riesenbatterie" ein.

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Energie — Stromfee (KI-Bild)
Warum das keine Batterie im engeren Sinn ist

Es steckt kein einziger Akku drin. Bei Überschussstrom pumpen die Maschinen Wasser vom unteren in den oberen See; wird Strom gebraucht, läuft das Wasser zurück durch dieselben Pump-Turbinen. Gespeichert wird also Lageenergie, nicht Chemie. Praktisch heisst das: sehr hohe Zyklenzahl ohne Alterung wie bei Zellen, dafür standortgebunden — du brauchst zwei Seen mit Höhenunterschied.

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Energie — Stromfee (KI-Bild)
Was der Speicher im Netz tatsächlich tut

Er verschiebt Energie über Stunden bis Tage: billiger oder überschüssiger Strom rein, teurer Strom raus. Zusätzlich liefert er Regelleistung und stabilisiert die Frequenz, weil er in Minuten von Pumpen auf Turbinieren wechseln kann. Er ist damit ein Ausgleichsinstrument für schwankende Wind- und Solarerzeugung in Europa — nicht eine Stromquelle, die netto Energie erzeugt.

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Energie — Stromfee (KI-Bild)
Echte Grossakkus in der Schweiz

Parallel dazu gehen in der Schweiz Batteriespeicher auf Lithium-Ionen-Basis ans Netz, meist im ein- bis zweistelligen MW-Bereich an Umspannwerken oder bei Industriebetrieben. Ihre Domäne sind Sekunden bis wenige Stunden: Primärregelleistung, Lastspitzen kappen, kurzfristiger Handel. Für den Tages- und Wochenausgleich bleibt Wasserkraft in der Schweiz die grössere Nummer.

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Energie — Stromfee (KI-Bild)
Was du daraus für dein eigenes Projekt mitnimmst

Die Logik ist bei 900 MW dieselbe wie bei 900 kW: Der Wert eines Speichers entsteht aus Preisspreizung, vermiedenen Lastspitzen und Regelleistung — nicht aus der reinen Kapazität. Wer über einen eigenen Speicher nachdenkt, rechnet zuerst den Lastgang und die Preisspreads, dann die Grösse. Die Reihenfolge umzudrehen ist der häufigste Fehler.

Wo die Grenzen liegen

Auch ein Riesenspeicher deckt keine Dunkelflaute über Wochen. 20 GWh klingen gewaltig, entsprechen aber nur einem Bruchteil des Schweizer Wochenverbrauchs — der Speicher glättet, er ersetzt keine Erzeugung. Und jeder Zyklus kostet Wirkungsgrad: Ein Teil der eingespeicherten Energie kommt nie zurück, bei Pumpspeichern typischerweise rund ein Viertel.

🎬 BESS — Der Film

→ Passend dazu: salzbatterien schweiz

Riesenbatterie Schweiz: Was ist damit konkret gemeint?

Mit "Riesenbatterie Schweiz" sind zwei ganz verschiedene Dinge gemeint — und du musst zuerst klären, welches davon du suchst. Erstens: die Alpen-Pumpspeicherkraftwerke. Die werden in Medien gern "Riesenbatterie" oder "Wasserbatterie" genannt, weil sie bei Stromüberschuss Wasser in den oberen See pumpen und es bei Bedarf wieder über Turbinen abarbeiten. Das ist ein Bild, keine Batterie: gespeichert wird Lageenergie, nicht Ladung. Zweitens: echte Lithium-Ionen-Großspeicher (BESS), also Container-Anlagen am Netzanschluss, wie sie inzwischen auch in der Schweiz gebaut werden. Woran du beide auseinanderhältst und richtig einordnest: Es braucht immer ZWEI Zahlen — die Leistung in MW (wie schnell rein und raus geht) und die Kapazität in MWh (wie viel drin ist). MWh ÷ MW ergibt die Speicherdauer. Eine Anlage, die nur mit einer der beiden Zahlen beworben wird, ist nicht bewertbar; "grösste Batterie der Schweiz" ohne beide Angaben sagt dir schlicht nichts.

Der zweite Teil der Antwort ist der wirtschaftliche — und der ist in der Schweiz anders als in Deutschland. Es gibt keine eigene Bundesförderung für netzgekoppelte Grossbatterien; ein Schweizer Speicherprojekt muss sich also aus dem Markt rechnen, nicht aus einem Fördertopf. Die zentrale Erlösquelle sind die Systemdienstleistungen, die Swissgrid ausschreibt: FCR (Primärregelung, Aktivierung binnen rund 30 Sekunden), aFRR (Sekundärregelung, im Minutenbereich) und mFRR. Genau dieses Profil — Sekunden bis Minuten, häufige Lade-/Entladewechsel, wenig Energie pro Abruf — passt zu einer Batterie und schlecht zu einem Pumpspeicher, der seine Stärke bei stundenlanger Verschiebung hat. Wenn du also eine konkrete "Riesenbatterie" in der Schweiz beurteilen willst, frag in dieser Reihenfolge: MW und MWh? Batterie oder Pumpspeicher? Und aus welchem Markt kommt der Erlös — Regelleistung, Eigenverbrauch/Lastspitzen oder Handel? Ohne diese drei Angaben ist jede Aussage über Grösse oder Wirtschaftlichkeit reine Behauptung.

Dazu von Stromfee
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