Riesenbatterie Schweiz — was ist damit gemeint?

Wenn Medien von der „Riesenbatterie der Schweiz" schreiben, meinen sie fast immer das Pumpspeicherkraftwerk Nant de Drance im Wallis — keinen Akku, sondern Wasser zwischen zwei Stauseen. Daneben entstehen in der Schweiz auch echte Lithium-Grossspeicher, die aber eine ganz andere Aufgabe haben.
Nant de Drance ist ein Pumpspeicherkraftwerk in einer Felskaverne im Wallis, zwischen den Stauseen Emosson und Vieux Emosson. Es ist seit 2022 in Betrieb, leistet rund 900 MW und kann rund 20 GWh (also etwa 20 Millionen kWh) speichern. Genau diese Kombination — sehr viel Leistung plus sehr viel Energieinhalt — bringt ihm den Spitznamen „Riesenbatterie" ein.

Es steckt kein einziger Akku drin. Bei Überschussstrom pumpen die Maschinen Wasser vom unteren in den oberen See; wird Strom gebraucht, läuft das Wasser zurück durch dieselben Pump-Turbinen. Gespeichert wird also Lageenergie, nicht Chemie. Praktisch heisst das: sehr hohe Zyklenzahl ohne Alterung wie bei Zellen, dafür standortgebunden — du brauchst zwei Seen mit Höhenunterschied.

Er verschiebt Energie über Stunden bis Tage: billiger oder überschüssiger Strom rein, teurer Strom raus. Zusätzlich liefert er Regelleistung und stabilisiert die Frequenz, weil er in Minuten von Pumpen auf Turbinieren wechseln kann. Er ist damit ein Ausgleichsinstrument für schwankende Wind- und Solarerzeugung in Europa — nicht eine Stromquelle, die netto Energie erzeugt.

Parallel dazu gehen in der Schweiz Batteriespeicher auf Lithium-Ionen-Basis ans Netz, meist im ein- bis zweistelligen MW-Bereich an Umspannwerken oder bei Industriebetrieben. Ihre Domäne sind Sekunden bis wenige Stunden: Primärregelleistung, Lastspitzen kappen, kurzfristiger Handel. Für den Tages- und Wochenausgleich bleibt Wasserkraft in der Schweiz die grössere Nummer.

Die Logik ist bei 900 MW dieselbe wie bei 900 kW: Der Wert eines Speichers entsteht aus Preisspreizung, vermiedenen Lastspitzen und Regelleistung — nicht aus der reinen Kapazität. Wer über einen eigenen Speicher nachdenkt, rechnet zuerst den Lastgang und die Preisspreads, dann die Grösse. Die Reihenfolge umzudrehen ist der häufigste Fehler.
Auch ein Riesenspeicher deckt keine Dunkelflaute über Wochen. 20 GWh klingen gewaltig, entsprechen aber nur einem Bruchteil des Schweizer Wochenverbrauchs — der Speicher glättet, er ersetzt keine Erzeugung. Und jeder Zyklus kostet Wirkungsgrad: Ein Teil der eingespeicherten Energie kommt nie zurück, bei Pumpspeichern typischerweise rund ein Viertel.