Shelly Pro + ENTSO-E: Lasten nach Börsenstrompreis schalten

Kurz gesagt: Ja, ein Shelly Pro kann Verbraucher automatisch schalten, wenn der Strom an der Börse gerade günstig (oder negativ) ist. Der Trick ist das eingebaute Skript-System der Pro-Reihe, das sich die ENTSO-E-Day-Ahead-Preise holt und beim Erreichen deiner Preisschwelle das Relais schaltet.
Ja. Die Shelly-Pro-Geräte (Gen2/Gen3) haben eine JavaScript-Skript-Engine an Bord, die per HTTP Daten aus dem Netz abrufen kann. Damit fragst du die Day-Ahead-Börsenpreise (für Deutschland Gebotszone DE-LU) ab und lässt das Relais je nach Preis ein- oder ausschalten – z. B. Warmwasser, Wallbox-Freigabe oder Pumpe nur in den günstigen Stunden. Wichtig: Der Shelly braucht dafür eine dauerhafte Internet-/LAN-Verbindung.

1) Auf der ENTSO-E Transparency Platform kostenlos registrieren und einen persönlichen Web-API-Token freischalten lassen. 2) Eine kleine Vermittlungsstelle (z. B. Home Assistant, ein Raspberry Pi oder ein Mini-Server) holt die Preise und stellt sie als kompaktes JSON bereit. 3) Im Shelly unter „Scripts“ ein Skript anlegen, das dieses JSON per HTTP.GET abruft. 4) Regel definieren: Preis unter Schwelle X → Relais AN, sonst AUS. Fertig.

Die Preisdaten der ENTSO-E Transparency Platform sind frei nutzbar. Für den API-Zugang brauchst du aber ein Konto und musst den Web-API-Zugang (Security-Token) separat anfordern – das läuft üblicherweise per Support-Anfrage und dauert etwas. Ohne Token kommst du nur an die Web-Oberfläche, nicht an die automatisierte Abfrage. Die Antwort liefert die Preise pro Gebotszone in EUR/MWh.

Die ENTSO-E-API antwortet mit umfangreichem XML. Der Shelly hat wenig Arbeitsspeicher – dieses XML direkt auf dem Gerät zu zerlegen ist unzuverlässig. Besser: Ein Zwischendienst holt das XML, filtert die Preise deiner Zone und deines Tages heraus und gibt dem Shelly nur eine schlanke JSON-Liste zurück. Das Skript auf dem Shelly bleibt dadurch klein und stabil.

Wenn dir der Token-Prozess zu umständlich ist: Anbieter wie aWATTar oder Tibber liefern dieselben Börsenpreise (Basis EPEX/Day-Ahead) direkt als JSON – das lässt sich leichter im Shelly-Skript verarbeiten. Alternativ übernimmt Home Assistant die ENTSO-E-Abfrage über eine fertige Integration und steuert den Shelly dann per Automation. Welcher Weg besser passt, hängt davon ab, ob du eine eigene Cloud-Anmeldung meiden willst.
Zum Schalten brauchst du ein Pro-Modell mit Relais, etwa Shelly Pro 1, Pro 2 oder Pro 4PM. Der Shelly Pro 3EM dagegen ist ein reiner Drehstrom-Energiezähler – er misst Verbrauch und Einspeisung, kann aber selbst keine Last schalten. Für preisgesteuertes Schalten kombinierst du also idealerweise einen Pro-Zähler (Messung) mit einem schaltenden Pro-Relais.
Kurz gesagt: „Shelly Pro + ENTSO-E" heißt, ein Shelly-Pro-Schaltrelais (z. B. Pro 1/1PM, Pro 2/2PM oder Pro 3/4PM auf Hutschiene) mit den Day-Ahead-Börsenstrompreisen aus der ENTSO-E Transparency Platform zu koppeln. ENTSO-E veröffentlicht für die Gebotszone DE-LU die stündlichen Day-Ahead-Preise – also den Großhandelspreis je Stunde für den Folgetag. Der Shelly Pro ist das Schaltgerät, das einen Verbraucher (Wärmepumpe, Boiler, Wallbox, Poolpumpe) ein- oder ausschaltet. „Nach Börsenstrompreis schalten" bedeutet: In den günstigen Stunden schaltet der Shelly die Last EIN, in den teuren AUS. Wichtig zur Einordnung: Der reine Börsenpreis ist nicht dein Endpreis – Netzentgelte, Umlagen, Steuern und der Marge deines Anbieters kommen obendrauf. Einen echten Vorteil hast du nur, wenn du einen dynamischen/stündlichen Stromtarif hast, der die Börsenpreise an dich weitergibt.
Konkret gehst du so vor: 1) Preisdaten holen – entweder direkt über die ENTSO-E Transparency Platform (kostenloses API-Token nötig) oder bequemer über einen Aggregator wie aWATTar/Tibber/Awattar-API, der die Day-Ahead-Preise als JSON liefert. 2) Günstige Stunden bestimmen: Du legst eine Regel fest, z. B. „schalte in den X günstigsten Stunden des Tages" oder „schalte nur unter einem Preis-Schwellwert". 3) Den Shelly Pro schalten: Der Shelly Pro kann das nicht von allein aus ENTSO-E lesen – du brauchst eine Logik-Schicht, die die Preise auswertet und den Schaltbefehl gibt. Üblich sind (a) das Shelly-eigene Scripting (mJS) direkt auf dem Gerät, das die Preis-API abruft und danach den Ausgang schaltet, oder (b) eine Smarthome-Zentrale wie Home Assistant/Node-RED, die die Preise auswertet und den Shelly per lokalem HTTP-/MQTT-Befehl steuert. Also: Ja, Shelly Pro + ENTSO-E funktioniert – aber nur mit einer Steuer-Logik dazwischen und nur wirtschaftlich sinnvoll bei einem dynamischen Stromtarif und einer Last, die sich zeitlich verschieben lässt, ohne dass es dich stört.
→ Vertiefung: MQTT-Energiemessung mit Shelly EM3, Pro & Emonio – so geht's