Spotmarkt-Strompreis: Was ist das und wie entsteht er?

Der Spotmarkt-Strompreis ist der Börsenpreis für Strom, der kurzfristig für die nächsten Stunden oder den nächsten Tag gehandelt wird — er gilt je Stunde bzw. Viertelstunde und ändert sich ständig. Gehandelt wird an der Strombörse EPEX SPOT, getrennt in Day-Ahead (Handel für morgen) und Intraday (Handel für heute).
Spotmarkt heißt: kurzfristiger Handel für sofortige bzw. baldige Lieferung — im Gegensatz zu Terminmärkten, wo Strom für Monate oder Jahre im Voraus gekauft wird. Der Preis wird in EUR pro Megawattstunde (EUR/MWh) angegeben; 100 EUR/MWh entsprechen 10 Cent pro kWh. Wichtig: Das ist der reine Energiepreis an der Börse — auf deiner Rechnung kommen Netzentgelte, Umlagen, Stromsteuer und Mehrwertsteuer obendrauf. Der Börsenpreis ist also nur ein Teil deines Endpreises, aber der Teil, der schwankt.

Day-Ahead ist die Auktion für den Folgetag: Bis zum Mittag geben Käufer und Verkäufer ihre Gebote für jede Stunde des nächsten Tages ab, danach steht für jede Stunde ein Preis fest. Das ist der Preis, den du in Preisübersichten und dynamischen Tarifen meistens siehst. Intraday läuft danach: Hier wird bis kurz vor der Lieferung fortlaufend nachgehandelt — dort korrigieren Händler Prognosefehler, etwa wenn weniger Wind weht als gedacht. Für dich als Verbraucher ist normalerweise der Day-Ahead-Preis der relevante.

Der Preis entsteht aus Angebot und Nachfrage je Zeitscheibe. Läuft viel Wind- und Solarstrom bei geringer Nachfrage, fällt der Preis — diese Anlagen haben praktisch keine Brennstoffkosten. Ist wenig Erneuerbaren-Einspeisung bei hoher Last (typisch früher Abend, Winter), setzen teure Gaskraftwerke den Preis. Deshalb ist Mittag im Sommer oft billig und der Abend teuer. Das ist keine Anomalie, sondern die normale Funktionsweise des Marktes.

Wenn mehr Strom im Netz ist, als gebraucht wird, kann der Spotpreis unter null fallen — dann zahlt der Verkäufer fürs Loswerden. Das ist real und kein Randphänomen: In unserer eigenen Auswertung der ENTSO-E-Daten zählen wir für Deutschland 2026 bis jetzt 409 Negativstunden, der Tiefstwert lag bei -500 EUR/MWh. Ursache sind meist sonnige, windige Stunden mit schwacher Nachfrage, in denen unflexible Erzeugung nicht schnell genug heruntergefahren wird.

Wenn du einen dynamischen Tarif hast, wird der Day-Ahead-Preis stundenweise an dich durchgereicht — Verbrauch verschieben (Wärmepumpe, E-Auto, Speicher, Produktionslast) senkt dann direkt die Kosten. Bei einem Festpreistarif merkst du den Spotmarkt nicht direkt, sondern erst zeitversetzt bei der nächsten Vertragsverlängerung. Als Einspeiser mit Direktvermarktung betrifft dich der Spotpreis auf der Erlösseite: Deine Vergütung hängt daran, und negative Preise können deine Einnahmen belasten.
Die Day-Ahead-Preise für Deutschland sind öffentlich einsehbar — über die SMARD-Plattform der Bundesnetzagentur, die ENTSO-E-Transparenzplattform oder die Seite der EPEX SPOT. Achte dabei auf die Zeitzone: Börsendaten werden je nach Quelle in UTC oder in deutscher Lokalzeit ausgewiesen, und wer das verwechselt, verschiebt seine ganze Preiskurve um ein bis zwei Stunden. Prüfe immer, ob die angezeigte Stunde wirklich die Stunde ist, die du meinst.