Statistisches Bundesamt und negative Strompreise: Wo findest du die Zahlen?

Wenn du beim Statistischen Bundesamt (Destatis) nach negativen Strompreisen suchst, findest du sie dort in der Regel nicht direkt. Destatis veröffentlicht Strompreis- und Erzeugungsstatistiken, aber die stündlichen Börsenpreise, in denen der Preis negativ wird, kommen aus einer anderen Quelle.
Das Statistische Bundesamt erhebt Strompreise für Haushalte und Industrie sowie Daten zur Stromerzeugung – also Durchschnitts- und Endkundenpreise. Negative Strompreise entstehen dagegen am kurzfristigen Großhandelsmarkt (Day-Ahead-Auktion an der Strombörse). Diese stündlichen Werte stehen nicht in den Destatis-Preisstatistiken. Wenn du konkret negative Stunden zählen willst, brauchst du die Börsen- bzw. Netzdaten, nicht Destatis.

Die verlässlichen Quellen für negative Strompreise sind: SMARD, das Datenportal der Bundesnetzagentur (zeigt Day-Ahead-Großhandelspreise stundengenau), die EPEX Spot (Strombörse, an der die Preise entstehen) und ENTSO-E (europäische Plattform der Übertragungsnetzbetreiber mit den Marktpreisen). Dort siehst du für jede Stunde, ob der Preis positiv oder negativ war – das kann Destatis so nicht liefern.

Ein negativer Strompreis bedeutet: Am Großhandelsmarkt gibt es mehr Angebot als Nachfrage – meist wenn viel Wind- und Solarstrom bei geringem Verbrauch einspeist. Erzeuger zahlen dann dafür, dass sie ihren Strom loswerden, statt Geld dafür zu bekommen. Die technische Preis-Untergrenze der Day-Ahead-Auktion liegt bei -500 EUR/MWh. Das ist ein Marktsignal, kein Rechenfehler.

Nach unserer eigenen Auswertung der ENTSO-E-Marktdaten gab es in Deutschland 2026 bislang 416 Stunden mit negativem Day-Ahead-Preis; der Tiefstwert lag bei -500 EUR/MWh. Wichtig zur Einordnung: Das ist eine laufende Auszählung des aktuellen Jahres, kein Destatis-Wert und keine abgeschlossene Jahresstatistik – die Stundenzahl wächst über das Jahr weiter.

Für offizielle Preis-Statistiken ist das Statistische Bundesamt trotzdem die richtige Adresse: Es veröffentlicht durchschnittliche Strompreise für Haushalte und Industriekunden sowie Zahlen zur Stromerzeugung nach Energieträgern. Für stündliche Marktpreise und negative Stunden nutzt du SMARD/Bundesnetzagentur – beides ergänzt sich, misst aber Unterschiedliches (Endkundenpreis gegenüber Börsen-Großhandelspreis).
Betreibst du eine PV- oder Biogas-Anlage, sind negative Stunden mehr als eine Statistik: In vielen negativen Phasen entfällt die Vergütung, und für neuere Anlagen kann es sich lohnen, in diesen Stunden gezielt weniger einzuspeisen oder Strom zu speichern. Wer die Stundenpreise aus SMARD/ENTSO-E kennt, erkennt diese Phasen und kann reagieren – die Destatis-Jahresdurchschnitte reichen dafür nicht aus.