Strompreis an der Börse in Österreich — wie er entsteht und wo du ihn siehst

Der österreichische Börsenstrompreis wird an der EPEX SPOT für die Gebotszone Österreich gebildet — stündlich, in Euro pro Megawattstunde (MWh), für jeden Tag im Voraus. Du findest ihn kostenlos auf der ENTSO-E Transparency Platform und bei der APG unter der Gebotszone AT.
Es ist der Großhandelspreis, zu dem Strom für die Gebotszone Österreich gehandelt wird — nicht das, was du als Haushalt zahlst. Gehandelt wird überwiegend am Day-Ahead-Markt der EPEX SPOT: Bis 12 Uhr geben Käufer und Verkäufer ihre Gebote für jede Stunde des Folgetages ab, dann wird für jede Stunde ein einziger Preis ermittelt. Angegeben wird er in EUR/MWh — teile durch 10, dann hast du Cent/kWh. 100 EUR/MWh sind also 10 Cent/kWh.

Drei verlässliche, kostenlose Quellen: die ENTSO-E Transparency Platform (transparency.entsoe.eu, Rubrik Day-ahead Prices, Gebotszone Austria) — das ist die offizielle europäische Datenbasis, aus der auch wir unsere Auswertungen ziehen. Dazu die Marktdaten der APG (Austrian Power Grid) als österreichischer Übertragungsnetzbetreiber und die EPEX-SPOT-Marktdatenseite selbst. Die Preise für den Folgetag stehen üblicherweise ab dem frühen Nachmittag fest.

Seit der Trennung der gemeinsamen Gebotszone im Oktober 2018 sind AT und DE zwei eigene Preiszonen. In der Praxis liegen die Stundenpreise trotzdem oft sehr nah beieinander, weil die Kuppelkapazität zwischen beiden Ländern groß genug ist, um Preisunterschiede weitgehend auszugleichen. Auseinander laufen sie in Stunden, in denen die Grenzkapazität knapp wird — dann siehst du echte Spreads zwischen den Zonen.

Wenn viel Wind- und Solarstrom auf wenig Nachfrage trifft, kann der Börsenpreis unter null fallen: Wer Strom abnimmt, bekommt Geld dafür. Zur Einordnung aus unserer eigenen ENTSO-E-Auswertung für Deutschland: 2026 zählen wir bis jetzt 409 Negativstunden, der Tiefstwert lag bei -500 EUR/MWh — das ist die technische Preisuntergrenze am Day-Ahead-Markt. Weil AT und DE preislich eng gekoppelt sind, treten Negativstunden in Österreich meist in denselben Zeitfenstern auf, allerdings nicht zwingend in gleicher Zahl.

Dein Endpreis besteht nur zum Teil aus dem Börsenpreis. Dazu kommen Netzentgelte, Abgaben, Steuern und die Marge deines Lieferanten. Wenn du einen Fixpreistarif hast, ändert eine billige Börsenstunde für dich gar nichts. Nur mit einem dynamischen bzw. spotgekoppelten Tarif und einem Smart Meter schlägt der stündliche Börsenpreis direkt auf deine Rechnung durch — dann lohnt es sich, Wärmepumpe, E-Auto oder Speicher in die günstigen Stunden zu legen.
Wenn du PV, ein BHKW oder einen Batteriespeicher betreibst, ist die Stundenkurve die Grundlage jeder Fahrplan-Entscheidung: laden in den Tiefpreis- und Negativstunden, einspeisen oder entladen im Abendpeak. Der Wert steckt in der Spreizung zwischen billigster und teuerster Stunde eines Tages, nicht im Tagesdurchschnitt. Wer das ohne Automatik macht, verschenkt die Stunden, in denen es zählt.