Was sind Strompreise am Spotmarkt?

Der Spotmarkt ist die Strombörse für die kurzfristige Lieferung – hier wird der Preis für jede einzelne Stunde des nächsten Tages neu ausgehandelt. Angebot und Nachfrage bestimmen ihn direkt, deshalb schwankt er zwischen mehreren hundert Euro und sogar negativen Werten.
Am Spotmarkt (in Europa die EPEX Spot) kaufen und verkaufen Versorger und Händler Strom, der schon am nächsten Tag oder in wenigen Stunden fließt. Es gibt zwei Bereiche: den Day-Ahead-Handel (Strom für den ganzen Folgetag) und den Intraday-Handel (kurzfristig bis kurz vor der Lieferung). Der Preis gilt jeweils pro Stunde und wird in Euro pro Megawattstunde (EUR/MWh) angegeben.

Im Day-Ahead-Markt geben alle Teilnehmer bis 12 Uhr ihre Gebote für den nächsten Tag ab. Eine Auktion sortiert alle Kraftwerke nach ihren Kosten (Merit-Order): Das teuerste noch benötigte Kraftwerk setzt den Preis für alle. Viel Wind und Sonne drücken den Preis, knappe Erzeugung am Abend treibt ihn hoch. Zum Umrechnen: 100 EUR/MWh entsprechen 10 Cent pro Kilowattstunde – aber ohne Netzentgelte, Steuern und Abgaben, die im Haushaltstarif noch dazukommen.

Wenn sehr viel Solar- und Windstrom einspeist und gleichzeitig wenig verbraucht wird, kann der Börsenpreis unter null fallen – der Verkäufer zahlt dann fürs Abnehmen. In Deutschland gab es 2026 bis jetzt rund 423 Stunden mit negativen Börsenpreisen (eigene ENTSO-E-Auswertung), im Tief bis -500 EUR/MWh. Das ist kein Fehler, sondern ein Signal: In diesen Stunden gibt es mehr Strom als Bedarf.

Die aktuellen und die für morgen ermittelten Stundenpreise findest du kostenlos bei SMARD.de (Bundesnetzagentur) und direkt bei der Börse EPEX Spot. Die Day-Ahead-Preise für den Folgetag stehen dort in der Regel ab dem frühen Nachmittag fest, sobald die Auktion um 12 Uhr abgeschlossen und ausgewertet ist.

Mit einem klassischen Festpreistarif merkst du von den Schwankungen nichts – du zahlst einen gemittelten Preis. Bei einem dynamischen Stromtarif dagegen orientiert sich dein Arbeitspreis stündlich am Spotmarkt: In günstigen Stunden (viel Sonne/Wind, teils negativ) wird Strom billig, in teuren Abendstunden teurer. Wer flexible Verbraucher wie Wärmepumpe, Speicher oder Wallbox in die günstigen Stunden verschiebt, kann davon profitieren.