Welche Stromtarif-Anbieter bieten eine API?

Wenn du Strompreise programmatisch abrufen willst, sind vor allem die Anbieter dynamischer Tarife interessant: Tibber, aWATTar und Ostrom stellen Entwickler-Schnittstellen bereit. Reicht dir der reine Börsenpreis, brauchst du gar keinen Anbieter – dafür gibt es öffentliche Markt-APIs.
Tibber bietet eine öffentliche GraphQL-API (developer.tibber.com), über die du Tarifpreise pro Stunde, deinen Verbrauch und – mit dem Tibber Pulse – Echtzeitdaten abrufst. aWATTar stellt eine schlanke REST-API bereit, die die stündlichen Preise für den Folgetag liefert. Ostrom bewirbt ebenfalls eine Entwickler-Schnittstelle für seinen dynamischen Tarif. Diese drei sind die üblichen Anlaufstellen, weil ihr Tarifmodell direkt am Börsenpreis hängt.

1) Anbieter wählen und dort einen API-Zugang/Token anfordern (bei Tibber im Developer-Portal, meist an einen bestehenden Vertrag gekoppelt). 2) Endpoint abfragen: Tibber per GraphQL-Query auf priceInfo (today/tomorrow), aWATTar per GET auf den marketdata-Endpoint. 3) Antwort ist JSON mit Zeitstempel und Preis je Stunde – daraus baust du Automationen, z. B. Verbraucher in günstige Fenster verschieben. Die Folgetagspreise stehen üblicherweise am Nachmittag zur Verfügung.

Wichtig ist der Unterschied: Eine Anbieter-API (Tibber, aWATTar, Ostrom) liefert deinen konkreten Tarifpreis inklusive Aufschlägen und oft auch deinen Verbrauch. Willst du nur den nackten Börsenpreis (Day-Ahead) ohne Vertrag, nutzt du die ENTSO-E Transparency Platform, die die Day-Ahead-Preise per API bereitstellt – die Grundlage, auf die sich alle dynamischen Tarife beziehen. aWATTars Marktdaten-Endpoint ist ebenfalls ohne Login nutzbar.

Dynamische Tarife koppeln den Preis pro kWh an die Strombörse – er ändert sich stündlich (teils viertelstündlich) mit dem aktuellen Marktpreis. Damit sich das lohnt, musst du Preise auslesen und darauf reagieren können; genau dafür existieren die APIs. Laut unserem Kontext müssen ab 2025 alle Stromanbieter in Deutschland einen dynamischen Tarif anbieten – die Verfügbarkeit einer offenen API ist damit aber nicht automatisch verbunden und bleibt je Anbieter unterschiedlich.

Prüfe drei Dinge: Braucht die API einen aktiven Vertrag (meist ja) oder sind Marktdaten frei abrufbar? Liefert sie nur Preise oder auch Verbrauch/Echtzeitwerte (Tibber Pulse)? Und welche Zeitauflösung bekommst du – stündlich oder viertelstündlich? Für reine Steuerungslogik nach Börsenpreis reicht oft eine offene Marktdaten-Quelle; für abrechnungsgenaue Werte brauchst du die API deines eigenen Anbieters.
Typische Anwendungen: Wärmepumpe, E-Auto-Wallbox oder Batteriespeicher (BESS) in die günstigsten Stunden legen, Lasten bei Negativpreisen hochfahren und teure Spitzen meiden. Die API liefert die Preiskurve, deine Logik entscheidet über das Schalten. Ohne belastbare Verbrauchs- und Preisdaten bleibt jede Ersparnis eine Schätzung – deshalb ist der API-Zugang der eigentliche Hebel, nicht der Tarif allein.