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1 GW auf Atomstrom: Meta Prometheus Ohio — Kernkraft trifft künstliche Intelligenz in Columbus

Stromfee Redaktion · 15. Juni 2026
Meta Prometheus Ohio Supercluster – 1-GW-KI-Rechenzentrum in Columbus, kernkraftbetrieben
Konzept-Illustration (KI, FLUX·2): Meta Prometheus Supercluster in Columbus, Ohio — 1 GW KI-Zielleistung, teilweise durch Atomstrom gespeist.

Columbus, Ohio. Mitte der 1970er Jahre ging hier einer der umstrittensten US-Reaktorblöcke ans Netz — in einer Region, die schon damals die Spannung zwischen Industriehunger und Energiepolitik kannte. Heute speist Atomstrom einen der größten KI-Supercluster der Welt. Was damals Turbinen antrieb, treibt heute Nvidia-GPUs an, die Milliarden Facebook- und Instagram-Feeds kuratieren, Llama-Sprachmodelle trainieren und Metas KI-Assistenten in Echtzeit antworten lassen. Prometheus heißt der Campus — und der Name ist Programm.

1.000 MW
Betriebsziel (Ende 2026)
500+ MW
bereits aktiv (Terakraft 2026, Branchen-Schätzung)
Rang 10
der größten KI-Rechenzentren weltweit
Kernkraft
Teils atomstromgespeist

Warum Atomstrom?

Ein Gigawatt-Rechenzentrum ist kein gelegentlicher Verbraucher — es zieht Strom mit nahezu konstanter Last, 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr. Wind und Solar liefern schwankende Energie, die Netzspeicher oder Backup-Gas erfordert. Kernkraft dagegen liefert genau das, was ein Supercluster braucht: planbare Grundlast, CO₂-arm, ohne stündliche Schwankungen. Meta hat das erkannt und den Prometheus-Campus gezielt an nuklearer Stromversorgung ausgerichtet.

Meta ist nicht der einzige Hyperscaler, der diese Rechnung aufmacht. Microsoft hat in Pennsylvania ein Abkommen zur Reaktivierung des Three-Mile-Island-Reaktors geschlossen. Google und Amazon untersuchen eigene Kernenergie-PPAs (Power Purchase Agreements). Doch während diese Projekte teils noch in der Planung stecken, ist der Atomstrom-Anteil bei Prometheus bereits Bestandteil der Dauerversorgung — kein Pilot, sondern operative Realität.

High-Density-KI-Racks in einem modernen KI-Rechenzentrum
Konzept-Illustration (KI, FLUX·2): High-Density-KI-Racks im Prometheus-Supercluster — GPU-Mix aus Legacy- und neueren High-Density-Einheiten, offiziell nicht kommuniziert.

Der Prometheus-Supercluster: was wir wissen

Laut DataCenter Knowledge (DCK, 2026) ist das 1-GW-Ziel der strategische Anker für Metas Ohio-Präsenz. Terakraft zufolge sind bereits mehr als 500 MW in Betrieb — der verbleibende Ausbau auf 1 GW ist für Ende 2026 geplant. Zum Vergleich: 1.000 Megawatt Dauerleistung entspricht dem Strombedarf von rund 800.000 US-Haushalten (Industry Estimate).

Die GPU-Ausstattung ist nicht öffentlich bekannt. Meta hat keine konkreten Zahlen veröffentlicht. Verbaut ist laut Branchenberichten ein Mix aus Legacy- und High-Density-KI-Racks — vermutlich NVIDIA H100, H200 sowie neuere Einheiten und Metas eigene MTIA-Chips (Meta Training and Inference Accelerator). Die genaue GPU-Anzahl bleibt Unternehmensgeheimnis. In Betrieb genommen wurde der Campus schrittweise von 2024 bis 2026.

Prometheus vs. Hyperion: Metas zweigleisige Strategie

Meta betreibt parallel zwei Supercluster-Projekte in unterschiedlichen US-Bundesstaaten. Der Louisiana-Campus unter dem Namen „Hyperion" ist der noch größere, teilweise gasbetriebene Mega-Campus. Prometheus in Ohio ist davon vollständig getrennt — eigene Infrastruktur, eigene Energieversorgung, eigene Netzanbindung. Zusammen demonstrieren beide Standorte, dass Meta nicht auf eine Energiequelle setzen will: Atom für Ohio, Gas für Louisiana.

Diese Doppelstrategie ist strategisch sinnvoll: Kernkraft bietet planbare Grundlast und CO₂-Freiheit, Gas bietet Flexibilität und schnelle Skalierbarkeit. Beide Ansätze decken unterschiedliche Risikoprofile ab und sichern Metas Gesamtversorgung gegen Engpässe einer einzelnen Technologie oder Region.

Energieinfrastruktur eines KI-Rechenzentrums — Kühlung und Trafo-Stationen
Konzept-Illustration (KI, FLUX·2): Kühlung, Trafo-Stationen und Netzanbindung eines Gigawatt-Clusters — die unsichtbare Infrastruktur hinter dem GPU-Hunger.
Der KI-Rechenzentren-Film — alle 25 Standorte im Überblick.

Kühlung bei 1 GW: die unterschätzte Aufgabe

Ein Gigawatt-Cluster erzeugt eine entsprechende thermische Last, die rund um die Uhr abgeführt werden muss. Moderne High-Density-KI-Racks mit NVIDIA H100 oder neueren Einheiten erreichen bis zu 120 kW thermische Leistung pro Rack. Bei tausenden solcher Einheiten ist konventionelle Luftkühlung nicht mehr wirtschaftlich — Direct-to-Chip Liquid Cooling wird zum Standard. Ein typischer PUE-Wert (Power Usage Effectiveness) von 1,1 bis 1,3 bedeutet: Für jedes Watt Rechenleistung kommen 10 bis 30 Prozent Overhead für Kältetechnik, Pumpen und Trafo-Verluste hinzu. Bei 1 GW sind das 100 bis 300 MW reine Infrastruktur-Zusatzlast — ein eigenständiges Kraftwerk nur für die Kühlung.

Was das für europäische Industriebetriebe bedeutet

Meta Prometheus demonstriert, wohin der Markt drängt: Energiehunger im Gigawatt-Maßstab, kombiniert mit dem Druck, diesen Hunger CO₂-arm zu bedienen. Kernkraft als Lösung — das ist ein Signal für die gesamte Branche. In Deutschland, wo Kernkraft seit April 2023 abgeschaltet ist, fehlt dieser Baustein. Für hiesige Rechenzentren bedeutet das höhere Kosten für steuerbare Grundlast und größere Abhängigkeit von volatiler Wind- und Solarenergie.

Für Betreiber von BHKW, PV-Anlagen oder gewerblichen Verbrauchern im Mittelspannungsbereich liefert Prometheus eine direkte Lektion: Die Logik der Lastoptimierung ist dieselbe — nur die Skalierung unterscheidet sich um Faktor 1.000. HVAC-Vortemperierung in Niedrigpreisphasen, BESS-Ladung bei negativen Day-Ahead-Preisen, Einspeisung bei Preisspitzen — das, was Meta im Gigawatt-Maßstab mit dedizierten Ingenieurteams umsetzt, lässt sich für mittelständische Anlagen mit dem richtigen Energiemanagement-System automatisieren.

BESS-Batteriespeicher als Netzstabilisator und Energieoptimierung für Industriebetriebe
Konzept-Illustration (KI, FLUX·2): Batteriespeicher-Systeme ermöglichen Lastverschiebung und Preisoptimierung — von Gigawatt-Superclustern bis zur deutschen PV-Anlage.

Quellen

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