Stündliche Börsenstrompreise DE/LU: Day-Ahead-Markt einfach erklärt

Der Day-Ahead-Markt legt einen Tag im Voraus für jede der 24 Stunden des Folgetages einen eigenen Strompreis fest. Hier erfährst du, wie dieser Preis zustande kommt und wie dein Betrieb ihn nutzt.
Der Day-Ahead-Markt ist der wichtigste Stromgroßhandelsmarkt in Europa. Für die Gebotszone DE/LU (Deutschland und Luxemburg bilden eine gemeinsame Preiszone) wird hier für jede einzelne Stunde des nächsten Tages ein separater Preis in EUR/MWh festgelegt. Du bekommst also nicht einen Tagespreis, sondern 24 Stundenpreise, die sich stark unterscheiden können.

Der Ablauf ist jeden Tag gleich: Bis 12:00 Uhr geben Käufer und Verkäufer ihre Gebote für die 24 Stunden des Folgetages ab. Um 12:42 Uhr veröffentlicht die Börse (EPEX SPOT) die Ergebnisse. Danach kennst du die stündlichen Preise für den kompletten nächsten Tag im Voraus und kannst deinen Verbrauch daran ausrichten.

Der Preis bildet sich über das Merit-Order-Prinzip: Alle Angebote werden nach Kosten sortiert, das teuerste noch benötigte Kraftwerk setzt den Preis für die ganze Stunde. Wenn viel Wind- und Solarstrom im Netz ist und die Nachfrage niedrig bleibt, kann der Preis bis auf null oder sogar ins Minus fallen. In der Gebotszone DE/LU zählten wir 2026 bis jetzt 396 Negativstunden, der Tiefstwert lag bei −500 EUR/MWh (eigene ENTSO-E-Auswertung).

Ein negativer Preis heißt: Wer in dieser Stunde Strom abnimmt, bekommt rechnerisch Geld für den Verbrauch am Großhandelsmarkt. Für Betriebe mit flexiblen Lasten – Speicher, Wärmepumpen, Kühlung, Ladepunkte – sind diese Stunden die attraktivsten des Tages. Umgekehrt lohnt es sich, teure Mittags- und Abendspitzen zu meiden oder zu verschieben.

Um vom Day-Ahead-Preis zu profitieren, brauchst du einen Stromvertrag mit stündlicher (dynamischer) Abrechnung und einen Lastgang, den du steuern kannst. Verschiebe planbare Verbräuche in die günstigen Stunden, lade Speicher bei niedrigen oder negativen Preisen und entlade sie in Hochpreis-Fenstern. Wichtig: Auf den reinen Börsenpreis kommen noch Netzentgelte, Abgaben und Steuern – gespart wird auf dem beeinflussbaren Energieanteil.
Du brauchst drei Dinge: erstens einen dynamischen Tarif, der die stündlichen DE/LU-Preise weitergibt; zweitens ein Messsystem, das den Verbrauch stundengenau erfasst; drittens eine Steuerung, die Lasten automatisch in günstige Stunden legt. Ohne Flexibilität nützt dir der beste Preis nichts – der Hebel liegt darin, wann du Strom beziehst.
→ Ausführlich zu day ahead: Day-Ahead-Strompreis 2026: wie die Börse deinen Strom bepreist
→ Ausführlich zu day ahead strompreis: Was ist der Day-Ahead-Markt?