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Was ist Scheinleistung (kVA) und wie berechnet man sie?

Stromfee Redaktion · 5. Juli 2026
Was ist Scheinleistung (kVA) und wie berechnet man sie?
Technik & Blindleistung — Stromfee (KI-Bild)

Die Scheinleistung S ist die Leistung, die dein Netzanschluss tatsächlich transportieren muss – gemessen in Voltampere (VA) bzw. Kilovoltampere (kVA). Du rechnest sie aus Spannung und Strom: einphasig S = U · I, dreiphasig S = √3 · U · I – oder aus Wirkleistung und Leistungsfaktor: S = P / cos φ.

Scheinleistung in einem Satz – plus die drei Formeln, die du brauchst

Scheinleistung S ist das Produkt aus Spannung und Strom, ohne Rücksicht darauf, wie viel davon echte Arbeit leistet. Einheit: VA, 1 kVA = 1000 VA. Die drei Wege zur Zahl: (1) aus Messwerten einphasig S = U · I, dreiphasig S = √3 · U · I; (2) aus Wirkleistung und Leistungsfaktor S = P / cos φ; (3) aus dem Leistungsdreieck S = √(P² + Q²). Umgekehrt gilt P = S · cos φ und Q = √(S² − P²) = S · sin φ. Deshalb steht auf Trafos, Generatoren und USV-Anlagen kVA und nicht kW: Diese Geräte werden vom Strom begrenzt, nicht davon, wie nutzbringend er ist.

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So rechnest du es Schritt für Schritt

Beispiel einphasig: 230 V, 20 A gemessen → S = 230 V · 20 A = 4600 VA = 4,6 kVA. Beispiel dreiphasig: 400 V, 25 A je Phase → S = √3 · 400 V · 25 A ≈ 17,3 kVA. Beispiel aus der Rechnung: Wirkleistung 8 kW bei cos φ = 0,8 → S = 8 kW / 0,8 = 10 kVA, daraus Q = √(10² − 8²) = 6 kvar. Wichtig beim dreiphasigen Fall: Der Faktor √3 gilt für die Außenleiterspannung (400 V) und symmetrische Last. Bei ungleicher Belastung der drei Phasen rechnest du besser jede Phase einzeln (S = U_LN · I je Strang) und summierst – genau das machen Messgeräte, wenn sie eine „arithmetische Summen-Scheinleistung“ ausgeben.

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kVA, kW, kvar: das Leistungsdreieck ohne Formelchaos

Denk an ein rechtwinkliges Dreieck: Die Wirkleistung P (in kW) ist die Ankathete – sie wird zu Wärme, Drehmoment, Licht. Die Blindleistung Q (in kvar) ist die Gegenkathete – sie pendelt zwischen Netz und Verbraucher hin und her und baut nur Magnetfelder in Motoren, Trafos und Drosseln auf. Die Scheinleistung S (in kVA) ist die Hypotenuse: S² = P² + Q². Der Leistungsfaktor cos φ = P / S sagt dir, welcher Anteil der transportierten Leistung tatsächlich arbeitet. Je kleiner cos φ, desto mehr Strom fließt für dieselbe Wirkleistung – und desto größer müssen Kabel, Sicherungen und Trafo dimensioniert sein.

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Wo Scheinleistung auf deiner Stromrechnung auftaucht

Direkt abgerechnet wird bei Standard-Verträgen die Wirkarbeit in kWh, bei leistungsgemessenen Kunden zusätzlich ein Leistungspreis auf die Monats-Höchstlast in kW. Die Scheinleistung wirkt indirekt – über ihre zweite Komponente, die Blindarbeit: Viele Netznutzungs- bzw. Lieferverträge enthalten eine Blindarbeitsklausel, die ab einem vertraglich festgelegten Leistungsfaktor (häufig cos φ 0,9) die bezogene Blindarbeit in kvarh separat berechnet. Steht auf deiner Rechnung eine Position „Blindarbeit“ oder „kvarh“, ist das der Preis für ein zu großes Q – also für ein S, das deutlich über deinem P liegt. Zweiter Rechnungs-Hebel: Der Netzanschluss- bzw. Trafo-Bemessungswert in kVA begrenzt, wie viel Wirkleistung du überhaupt beziehen kannst; ein schlechter cos φ frisst Anschlusskapazität, für die du zahlst.

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Digital gegenprüfen: Lastgang und MSCONS statt Bauchgefühl

Bei leistungsgemessenen Anlagen bekommst du den Lastgang in Viertelstundenwerten – als MSCONS-Datei (EDIFACT) oder CSV aus dem Messstellenbetreiber-Portal. Darin steckt alles, was du zur Kontrolle brauchst: Wirkarbeit Bezug (OBIS 1.8.0), Einspeisung (2.8.0) und – falls beauftragt – Blindarbeit induktiv (3.8.0) und kapazitiv (4.8.0). Rechne je Viertelstunde cos φ = P / √(P² + Q²) aus den Arbeitswerten nach und vergleiche das mit der abgerechneten kvarh-Menge auf der Rechnung. So findest du drei typische Fehler: kvarh wird berechnet, obwohl der Vertragsgrenzwert nie unterschritten wurde; die Kompensationsanlage steht seit Monaten still (Q steigt sprunghaft an einem bestimmten Datum); oder die Blindarbeitszählung läuft im falschen Quadranten, weil eine PV-Anlage kapazitiv fährt.

Die vier Fehlerquellen, an denen kVA-Rechnungen kippen

Erstens Wandlerfaktor: Bei Wandlermessung werden die Zählwerte mit dem Übersetzungsverhältnis multipliziert. Ist im Abrechnungssystem ein anderer Faktor hinterlegt als am Wandler aufgedruckt, sind P, Q und S gleichmäßig falsch – prüfbar über den Vergleich Zählerdisplay vs. Rechnungsmenge. Zweitens Typenschild-Falle: Die kW-Angabe auf einem Motor ist die abgegebene Wellenleistung, nicht die aufgenommene elektrische Leistung; für S musst du erst durch den Wirkungsgrad teilen. Drittens Teillast: cos φ verschlechtert sich, wenn ein Motor weit unter Nennlast läuft – der Typenschild-cos-φ gilt dann nicht. Viertens Unsymmetrie: Bei ungleich belasteten Phasen liefert die √3-Formel nur eine Näherung; nutze sie dann als Plausibilitäts-Obergrenze, nicht als Abrechnungswert.

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