Batteriespeicher vermarkten: Liefert Ihr Vermarkter wirklich?
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Kurz gesagt: Die Abrechnung Ihres Direktvermarkters zeigt, was erlöst wurde — nicht, was möglich gewesen wäre. Die Differenz heißt Ausschöpfungsgrad: realer Erlös geteilt durch erzielbaren Erlös. Diese Zahl steht in keiner Gutschrift.
Warum die Abrechnung die entscheidende Frage nicht beantwortet
Eine Vermarkter-Abrechnung ist in aller Regel rechnerisch korrekt. Sie listet Mengen, Preise und Abzüge, und die Summe stimmt. Nur beantwortet sie eine andere Frage als die, die der Betreiber hat.
Die Abrechnung sagt: Das ist herausgekommen. Der Betreiber will wissen: War das gut? Diese zweite Frage lässt sich aus dem Dokument grundsätzlich nicht beantworten, weil ihm der Vergleichsmaßstab fehlt. Ob ein Fahrplan die teuren Stunden getroffen hat, ob an einem Tag überhaupt gefahren wurde — nichts davon ergibt sich aus einer Erlössumme. Hinzu kommt: Der Vermarkter erstellt die Abrechnung über seine eigene Leistung. Selbst bei tadelloser Arbeit prüft hier niemand von außen gegen.
Der Ausschöpfungsgrad: eine Zahl, zwei Linien
- Der reale Erlös — was die Anlage tatsächlich eingefahren hat, ermittelt aus den Anlagendaten selbst, nicht aus der Abrechnung.
- Der erzielbare Erlös — was mit derselben Anlage, denselben technischen Grenzen und denselben Marktpreisen möglich gewesen wäre.
Entscheidend ist, dass die Erzielbar-Linie ehrlich bleibt. Eine Referenz mit perfekter Voraussicht und ohne technische Grenzen produziert eine beeindruckend große Lücke — und ist wertlos, weil sie einen Maßstab setzt, den niemand erreichen kann. Beim BESS.optimizer wird sie deshalb gegen eine Markt-Referenz validiert.
Woher die Daten kommen: direkt von der Anlage
Damit die Gegenrechnung unabhängig ist, darf sie nicht auf den Daten desjenigen beruhen, der geprüft wird. Der Zugriff erfolgt per Modbus TCP oder API direkt am Wechselrichter beziehungsweise an der Steuerung — als Berechtigung des Betreibers, unabhängig vom Direktvermarkter und vom Hersteller. Das funktioniert herstellerübergreifend über gemischte Portfolios hinweg. Welche Größen ausgelesen werden, zeigt die Übersicht der BESS-Messgrößen.
Was der Ausschöpfungsgrad nicht leistet
- Er benennt keine Schuld. Eine Lücke kann am Fahrplan liegen — ebenso an einer technischen Restriktion, einer Revision, einer Netzvorgabe oder an Vertragsbedingungen.
- Er braucht einen sauberen Zeitraum. Ein Monat mit mehrtägigem Stillstand ist nicht mit einem vollen Monat vergleichbar — sonst erzeugt gerade der Stillstand rechnerisch Potenzial.
- Er ersetzt den Vertrag nicht. Entgelte, Mindestlaufzeiten und Mehrerlösbeteiligungen wirken direkt auf das Ergebnis und stehen nicht in den Messdaten.
Wie groß der adressierbare Markt ist, zeigt das Register: 1.348 Speicher-Einheiten ab 1 MW stehen im Marktstammdatenregister, davon 634 in Betrieb.
Datengrundlage: Marktstammdatenregister (MaStR) der Bundesnetzagentur, Einheitentyp Speicher, gefiltert auf Bruttoleistung ≥ 1.000 kW; Stand der Auswertung 15.09.2026. Die Speicher-Kapazität in MWh ist in der Leistungstabelle des Registers nicht separat geführt und daher hier nicht ausgewiesen. Das Register ist eine Meldedatenbank: Es bildet ab, was Betreiber gemeldet haben, nicht zwingend den Bauzustand am Stichtag. Keine Rechts- oder Anlageberatung.
Häufige Fragen
Was ist der Ausschöpfungsgrad bei einem Batteriespeicher?
Der Ausschöpfungsgrad ist der reale Erlös geteilt durch den erzielbaren Erlös, ermittelt pro Anlage und pro Monat. Er beantwortet, wie viel des unter den gegebenen technischen Grenzen und Marktpreisen Möglichen tatsächlich angekommen ist. In einer Vermarkter-Abrechnung steht diese Kennzahl nicht, weil dort der Vergleichsmaßstab fehlt.
Wie erkenne ich, ob mein Direktvermarkter gut arbeitet?
Nicht an der Höhe der Gutschrift, denn die hängt überwiegend vom Marktniveau ab. Aussagekräftig ist erst der Vergleich des realen Erlöses mit dem, was mit derselben Anlage in denselben Stunden erreichbar gewesen wäre — auf Basis von Anlagendaten, die unabhängig von der Abrechnung vorliegen.
Brauche ich die Zustimmung meines Vermarkters für die Auslesung?
Nein. Der Zugriff erfolgt per Modbus TCP oder API direkt am Wechselrichter beziehungsweise an der Steuerung, als Berechtigung des Betreibers, und ist damit unabhängig vom Direktvermarkter und vom Hersteller. Regelungen im bestehenden Vermarktungsvertrag sollten Sie dennoch prüfen.
Funktioniert das auch bei gemischten Herstellern im Portfolio?
Ja, das ist der Regelfall. Die Auslesung erfolgt herstellerunabhängig über Modbus TCP oder API, sodass Anlagen unterschiedlicher Hersteller nebeneinander in einer Auswertung stehen können.
Heißt eine große Lücke automatisch, dass der Vermarkter schlecht arbeitet?
Nein. Eine Lücke kann am Fahrplan liegen, ebenso an technischen Restriktionen der Anlage, an Revisionen, an Netzvorgaben oder an Vertragsbedingungen. Die Aufschlüsselung nach Ursachen ist deshalb wichtiger als die Gesamtzahl — erst sie macht das Ergebnis verhandelbar.