Biogasanlage Stromerzeugung: Wie aus Biogas Strom wird

Eine Biogasanlage erzeugt Strom nicht direkt aus der Biomasse, sondern in zwei Stufen: Bakterien vergären Gülle, Mist oder Silage im luftdichten Fermenter zu Biogas, und ein Blockheizkraftwerk (BHKW) verstromt dieses Gas in einem Motor mit Generator. Alles, was du für die Einschätzung brauchst — Ablauf, Größenordnungen und die typischen Ertragsbremsen — steht direkt in den nächsten Abschnitten.
1) Substrat rein: Gülle, Festmist, Energiepflanzen wie Maissilage oder Bioabfälle werden über den Feststoffeintrag bzw. die Vorgrube in den Fermenter dosiert. 2) Vergärung: Im luftdicht verschlossenen, meist auf rund 38–42 °C beheizten Fermenter bauen Bakterien unter Luftabschluss (anaerob) die organische Substanz ab. Es entsteht Biogas — im Wesentlichen Methan (CH₄) und CO₂. 3) Gasaufbereitung: Das Gas wird entschwefelt, getrocknet und im Gasspeicher zwischengepuffert. 4) Verstromung: Im BHKW verbrennt das Biogas in einem Gasmotor, der Generator macht daraus Strom. Der geht über den Einspeisezähler ins Netz oder zuerst in den Eigenverbrauch. Was übrig bleibt — der Gärrest — geht als Dünger zurück aufs Feld.

Rechne mit diesen Größenordnungen: Biogas enthält typischerweise rund 50–55 % Methan, das ergibt einen Energiegehalt von etwa 5–6 kWh je Kubikmeter Gas. Ein moderner Gasmotor setzt davon rund 38–42 % in Strom um — grob also etwa 2 kWh Strom je Kubikmeter Biogas. Weitere rund 40–45 % fallen als nutzbare Wärme an, der Rest sind Abstrahl- und Abgasverluste. Für die Jahresmenge zählt die Laufzeit: Eine gut gefahrene Grundlastanlage kommt auf rund 7.000–8.000 Volllaststunden im Jahr. Eine 500-kW-Anlage liegt damit in der Größenordnung von 3,5 bis 4 Mio. kWh Strom pro Jahr. Alle Werte sind Richtgrößen — die tatsächliche Ausbeute hängt stark am Substratmix und an der Anlagentechnik.

Nicht jede Tonne bringt gleich viel Gas. Energiereiche Substrate wie Mais- oder Getreidesilage liefern deutlich mehr Biogas je Tonne Frischmasse als Rindergülle, die viel Wasser enthält. Gülle und Mist sind trotzdem wertvoll: Sie stabilisieren den Prozess biologisch, sind ganzjährig verfügbar und fallen im Betrieb ohnehin an. Entscheidend sind Trockensubstanzgehalt, Anteil organischer Trockensubstanz und die Abbaubarkeit. Praktische Konsequenz für dich: Ein schwankender Substratmix verschiebt die Gasproduktion — und damit die mögliche Stromleistung — oft stärker als jede Motoreinstellung. Wer den Ertrag beurteilen will, schaut zuerst auf die Fütterung, dann auf die Technik.

Der Gasmotor mit Generator macht die eigentliche Stromerzeugung. Zwei Dinge bestimmen hier deinen Ertrag: Verfügbarkeit und Wirkungsgrad. Jede Stunde Stillstand — Wartung, Zündkerzenwechsel, Ölwechsel, Störung — ist verlorener Strom, denn das Gas produziert der Fermenter trotzdem weiter. Reicht der Gasspeicher nicht, geht es über die Fackel verloren. Deshalb sind Wartungsintervalle, Ersatzteilverfügbarkeit und ein ausreichend dimensionierter Gasspeicher keine Nebensache, sondern direkte Ertragsfaktoren. Der elektrische Wirkungsgrad sinkt außerdem im Teillastbetrieb: Ein Motor, der dauerhaft auf 60 % Last läuft, arbeitet schlechter als einer im Auslegungspunkt.

Klassisch laufen Biogasanlagen in Grundlast: Das BHKW läuft rund um die Uhr auf gleicher Leistung. Bei der Flexibilisierung wird dagegen mehr BHKW-Leistung installiert, als das Gas dauerhaft trägt — die Anlage läuft dann gezielt zu Zeiten hoher Strompreise und steht in Schwachlastzeiten still. Voraussetzung dafür sind ausreichend Gasspeicher und ein Wärmespeicher, damit die Wärmekunden trotzdem versorgt bleiben. Wirtschaftlich lohnt sich das nur, wenn Vermarktungserlöse und Zuschläge den Mehraufwand an Technik und Wartung übersteigen. Anlagen ab 100 kW installierter Leistung vermarkten ihren Strom in Deutschland grundsätzlich in der Direktvermarktung über einen Direktvermarkter, statt eine feste Einspeisevergütung zu erhalten.
Ungefähr die gleiche Energiemenge, die als Strom herauskommt, fällt als Wärme an. Wird sie nicht genutzt, geht sie über den Notkühler verloren — und mit ihr ein großer Teil der möglichen Wirtschaftlichkeit. Typische Wärmesenken sind die Fermenterheizung selbst (die immer zuerst bedient wird), Stallungen, Trocknungsanlagen, Gewächshäuser oder ein Nahwärmenetz für benachbarte Gebäude. Wenn du eine Anlage bewertest, prüfe deshalb zuerst die Wärmeabnahme über das ganze Jahr, nicht nur im Winter. Auch der Eigenstrombedarf zählt: Rührwerke, Pumpen und Feststoffeintrag ziehen typischerweise einen einstelligen Prozentbereich der erzeugten Strommenge wieder ab.
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