Blindleistung einfach erklärt

Du willst wissen, was Blindleistung eigentlich ist – ohne Formel-Wust? Hier bekommst du die Antwort in zwei Sätzen und danach die Details, die du wirklich brauchst.
Blindleistung ist die elektrische Leistung, die zwischen Erzeuger und Verbraucher hin- und herpendelt, ohne echte Arbeit zu leisten. Sie wird in var (Voltampere reaktiv) gemessen und ist der Teil des Stroms, der zum Beispiel das Magnetfeld in einem Motor oder Transformator aufbaut – nötig für den Betrieb, aber nicht in Wärme, Licht oder Bewegung umgewandelt.

Stell dir ein Glas Bier vor: Das trinkbare Bier ist die Wirkleistung (P, in Watt) – sie verrichtet die eigentliche Arbeit. Der Schaum obendrauf ist die Blindleistung (Q, in var) – er ist da, nutzt dir aber nichts. Das volle Glas zusammen ist die Scheinleistung (S, in VA), also das, was das Netz insgesamt transportieren muss. Deshalb gilt: Wer viel Schaum hat, belastet die Leitung stärker, ohne mehr davon zu haben.

Immer dann, wenn ein Gerät ein Magnet- oder elektrisches Feld auf- und abbaut. Das sind vor allem induktive Verbraucher wie Elektromotoren, Pumpen, Transformatoren, Leuchtstofflampen mit Vorschaltgerät und Schweißgeräte. Sie ziehen zusätzlich zum arbeitenden Strom einen Blindstrom, der ständig zwischen Gerät und Netz hin- und herschwingt. Rein ohmsche Geräte wie Heizstab oder Wasserkocher erzeugen dagegen kaum Blindleistung.

Wie viel vom Gesamtstrom echte Arbeit ist, verrät der Leistungsfaktor cos φ. Ein cos φ von 1,0 heißt: reine Wirkleistung, kein Schaum. Bei cos φ = 0,7 fließt schon fast so viel Blind- wie Wirkleistung – die Leitung wird also spürbar zusätzlich belastet. Über das Leistungsdreieck hängen die drei zusammen: S² = P² + Q², außerdem gilt P = S · cos φ und Q = S · sin φ.

Ohne Blindleistung könnten Motoren und Transformatoren ihr Magnetfeld gar nicht aufbauen – sie würden nicht laufen. Blindleistung ist also kein Fehler, sondern ein notwendiger Begleiter vieler Anlagen. Das Ziel ist nicht, sie ganz zu vermeiden, sondern sie möglichst dort bereitzustellen, wo sie gebraucht wird, statt sie durchs ganze Netz zu schleppen.
Zu viel Blindleistung kostet dich Geld, weil größere Leitungen nötig sind und dein Netzbetreiber sie ab einer Grenze berechnet. Mit einer Kompensationsanlage – meist Kondensatoren, bei kapazitiver Last auch Drosseln – erzeugst du die Blindleistung direkt vor Ort. Der Blindstrom pendelt dann nur noch kurz zwischen Verbraucher und Kondensator, das Netz wird entlastet und dein cos φ verbessert sich Richtung 1,0.