Blindleistung bei PV: Was deine Anlage liefern muss

Moderne PV-Anlagen speisen nicht nur Wirkleistung (kW) ein, sondern müssen auf Vorgabe des Netzbetreibers auch Blindleistung (kvar) bereitstellen. Wie viel genau, hängt von Anlagengröße, Netzebene und dem vereinbarten Verfahren ab – hier bekommst du die konkrete Antwort.
Dein Wechselrichter muss die Wirkleistung nur so weit einspeisen, wie die Sonne liefert – zusätzlich aber Blindleistung nach Vorgabe des Netzbetreibers bereitstellen. Ausgedrückt wird das über den Verschiebungsfaktor cos φ: Er legt fest, in welchem Verhältnis zur eingespeisten Wirkleistung Blindleistung fließt. Bei cos φ 1,0 lieferst du keine Blindleistung, bei kleineren Werten (z. B. 0,95 oder 0,90) einen entsprechenden Anteil untererregt oder übererregt. Den genauen Sollwert bekommst du im Netzanschlussvertrag bzw. der Anschlusszusage deines Netzbetreibers.

Vorgabe und Verfahren kommen vom zuständigen Verteilnetzbetreiber (VNB). Die technischen Anschlussregeln sind für das Niederspannungsnetz die VDE-AR-N 4105, für das Mittelspannungsnetz die VDE-AR-N 4110. Der Netzbetreiber teilt dir mit, welchen cos-φ-Bereich deine Anlage einhalten muss und über welches Verfahren die Blindleistung geregelt wird. Ohne diese Vorgabe kein konformer Anschluss – deshalb steht sie fest im Anschlussprozess.

Typischerweise wählt der VNB eines von mehreren Verfahren: fester cos φ (konstanter Wert), cos φ(P) – der Sollwert ändert sich abhängig von der eingespeisten Wirkleistung, Q(U) – die Blindleistung reagiert auf die Netzspannung, oder ein fester Blindleistungswert Q. Q(U) ist verbreitet, weil die Anlage bei zu hoher Spannung gegensteuert und so das Netz stützt. Welches Verfahren gilt, steht in deiner Anschlusszusage; dein Wechselrichter muss es unterstützen und ist entsprechend zu parametrieren.

Grob gilt: Je kleiner der cos φ, desto mehr Blindleistung im Verhältnis zur Wirkleistung. Bei cos φ 0,90 fließt schon ein erheblicher Blindleistungsanteil. Wichtig für die Auslegung: Die Blindleistung wird zusätzlich zur Wirkleistung über den Wechselrichter gefahren – die Scheinleistung S ergibt sich aus S² = P² + Q². Dein Wechselrichter muss also genug Scheinleistungs-Reserve haben, um bei voller Einspeisung die geforderte Blindleistung noch bereitstellen zu können, ohne die Wirkleistung zu drosseln.

Neuere Anschlussregeln und Netzbetreiber fordern zunehmend, dass Anlagen Blindleistung auch dann liefern, wenn wenig oder keine Wirkleistung eingespeist wird – etwa nachts (oft „Q at Night" genannt). Ob das für deine Anlage gilt, hängt vom VNB und der aktuellen Fassung der Anschlussregel ab. Prüfe deshalb konkret deine Anschlusszusage; pauschale Aussagen dazu gelten nicht für jede Anlage gleich.
Erstens: Steht in deiner Anschlusszusage der geforderte cos-φ-Bereich und das Regelverfahren? Zweitens: Ist dein Wechselrichter darauf parametriert und liefert er die Blindleistung im geforderten Betriebsbereich? Drittens: Reicht die Scheinleistungs-Reserve, damit die Blindleistungs-Vorgabe die Erträge nicht unnötig schmälert? Wenn du bei einem Punkt unsicher bist, kläre ihn mit deinem Errichter oder direkt beim Netzbetreiber – die Vorgabe ist verbindlich.
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