Blindleistungsmessung: so misst du Q richtig

Blindleistung Q misst du entweder direkt mit einem Netz-/Leistungsanalysator oder rechnerisch aus Spannung, Strom und Phasenwinkel. Hier bekommst du die Schritte, die Formel und die typischen Fehlerquellen.
1) Spannung U am Messpunkt erfassen, 2) Strom über Stromwandler oder Stromzange messen, 3) den Phasenwinkel φ (bzw. cos φ) zwischen U und I bestimmen, 4) daraus Q berechnen: Q = U · I · sin φ. Ein Netzanalysator erledigt alle Schritte gleichzeitig und zeigt Q direkt in var (bzw. kvar) an.

Q ergibt sich aus dem Leistungsdreieck: Q = √(S² − P²) = S · sin φ = P · tan φ. Dabei ist S = U · I die Scheinleistung (in VA) und P = U · I · cos φ die Wirkleistung (in W). Q wird in var angegeben. Bei induktiver Last (Motoren, Trafos) ist Q positiv, bei kapazitiver Last (Kondensatoren) negativ.

Im symmetrischen Dreiphasennetz gilt Q = √3 · U · I · sin φ, wobei U die Außenleiterspannung ist. In der Praxis nutzt du hier ein 3-Phasen-Messgerät oder die Aron-Schaltung mit zwei Wattmetern. Achte darauf, Spannungspfad und Strompfad phasenrichtig zuzuordnen – sonst stimmt der Winkel und damit Q nicht.

Unterscheide die Blindleistung Q (Momentanwert in var, z. B. für die Kompensationsauslegung) von der Blindarbeit (in varh, über die Zeit gezählt und oft abrechnungsrelevant). Für die Auslegung einer Kompensationsanlage brauchst du den Q-Verlauf über den Tag, nicht nur einen einzelnen Messwert.

Falsches Wandler-Übersetzungsverhältnis, vertauschte Phasenzuordnung, verwechseltes Vorzeichen bei induktiv/kapazitiv und Oberschwingungen, die den Blindanteil verfälschen. Bei stark verzerrten Strömen brauchst du ein Messgerät, das Grund- und Verzerrungsblindleistung trennt (True-RMS bzw. echte Leistungsanalyse).
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