Eigenstromverbrauch großer Windkraftanlagen: Wofür und wie viel?

Auch eine Windkraftanlage verbraucht selbst Strom – für Steuerung, Nachführung, Heizung und Sicherheitstechnik. Hier erfährst du, wofür dieser Eigenbedarf anfällt, wann er aus der eigenen Erzeugung und wann aus dem Netz gedeckt wird und wie du ihn auf deiner Abrechnung findest.
Der Eigenstromverbrauch (Eigenbedarf) deckt alle Hilfsantriebe und Nebenaggregate der Anlage: Azimut-/Windnachführung (Yaw), Pitch-Verstellung der Blätter, Steuerungs- und Regeltechnik, Hydraulik, Kühlung von Generator/Umrichter, Öl- und Getriebeheizung, Beleuchtung, die vorgeschriebene Hindernisbefeuerung sowie Entfeuchtung im Turm. Dazu kommt bei kalten Standorten die Rotorblatt-Enteisung (Blattheizung), die ein erheblicher Einzelposten sein kann. Im laufenden Betrieb wird dieser Bedarf aus der eigenen Erzeugung gedeckt – er schmälert also nur die eingespeiste Menge.

Steht der Rotor still oder dreht zu langsam, erzeugt die Anlage keinen Strom – Steuerung, Befeuerung, Heizung und Entfeuchtung laufen aber weiter. Dieser Bedarf wird dann als Netzbezug aus dem öffentlichen Netz gedeckt und muss bezahlt werden. Gerade windschwache, kalte Winterphasen sind kritisch, weil dann Bezug und Heizbedarf zusammenfallen. Prüfe daher getrennt: Wie viel Eigenbedarf wird intern gedeckt, und wie viel taucht als tatsächlicher Netzbezug auf der Rechnung auf?

Über das Jahr liegt der Eigenverbrauch großer Anlagen üblicherweise im niedrigen einstelligen Prozentbereich der Jahresproduktion – der genaue Wert hängt stark von Anlagentyp, Standort (Kälte/Vereisung) und Betriebsstunden ab. Eine belastbare Zahl bekommst du nur aus deinen eigenen Messwerten, nicht aus Faustformeln. Lass dir daher den Eigenbedarf aus dem Lastgang deiner Anlage nachweisen, statt mit pauschalen Prozentwerten zu rechnen.

Entscheidend ist das Messkonzept. Wird der Netzbezug für den Eigenbedarf über einen separaten Zähler oder als Saldo hinter der Einspeisung erfasst? Fehler entstehen häufig, wenn Bezug und Einspeisung nicht sauber getrennt gemessen werden oder ein Messwandler-Faktor falsch hinterlegt ist – dann wird der Eigenbedarf zu hoch abgerechnet oder Einspeisemengen verschwinden. Ein zweiter typischer Kostenblock ist Blindarbeit: Umrichter-Windanlagen können Blindleistung aufnehmen oder liefern; ein ungünstiger cosφ führt zu separaten Blindarbeitskosten auf der Netznutzungs- oder Stromrechnung.

Deine Netzbezugsmenge, Einspeisung und Blindarbeit stecken viertelstundenscharf in den Lastgangdaten (MSCONS) deines Messstellenbetreibers. Mit diesen Rohdaten lässt sich die Abrechnung Position für Position gegenrechnen: Stimmt die abgerechnete Bezugsmenge mit dem gemessenen Eigenbedarf überein? Passt der Messwandler-/Wandlerfaktor? Fällt Blindarbeit in Zeiten an, in denen sie vermeidbar wäre? So findest du Abweichungen, die in der reinen Papierrechnung unsichtbar bleiben.
Fordere dein Messkonzept und die MSCONS-Lastgänge an und lass Netzbezug, Einspeisung und Blindarbeit getrennt auswerten. Prüfe, ob der Eigenbedarf saldiert oder separat gemessen wird, kontrolliere den Wandlerfaktor und beobachte den cosφ. Bei kalten Standorten lohnt ein Blick auf die Blattheizung als größten Einzelverbraucher. So bezahlst du nur den Strom, den deine Anlage wirklich aus dem Netz gezogen hat.