Energiebedarf der Wärmepumpe berechnen — in vier Schritten

Du brauchst zwei Zahlen: den jährlichen Wärmebedarf deines Gebäudes in kWh und die Jahresarbeitszahl (JAZ) der Wärmepumpe. Strombedarf = Wärmebedarf ÷ JAZ — alles andere ist die saubere Herleitung dieser beiden Werte.
Der Stromverbrauch deiner Wärmepumpe ergibt sich aus dem Wärmebedarf geteilt durch die Jahresarbeitszahl. Beispiel: 18.000 kWh Wärmebedarf im Jahr (Heizung + Warmwasser) bei einer JAZ von 3,5 ergeben 18.000 ÷ 3,5 = rund 5.140 kWh Strom pro Jahr. Die JAZ ist der Jahresdurchschnitt aus allen momentanen COP-Werten — sie liegt immer unter dem COP im Prospekt, weil der bei einem einzigen günstigen Betriebspunkt gemessen wird. Rechne mit dem Wert aus der Anlagenauslegung deines Planers, nicht mit dem Datenblatt-Bestwert.

Schritt 1 — Wärmebedarf: Am belastbarsten ist dein bisheriger Verbrauch. Aus der Gasrechnung nimmst du die kWh des Vorjahres und ziehst die Kesselverluste ab (bei einem Brennwertgerät grob 5–10 %, bei einem alten Niedertemperaturkessel deutlich mehr). Bei Öl: Liter × rund 10 kWh Heizwert, dann ebenso den Kesselwirkungsgrad abziehen. Ohne Vorverbrauch nimmst du Heizlast × Vollbenutzungsstunden aus der Heizlastberechnung nach DIN EN 12831. Schritt 2 — JAZ: Sie hängt vor allem an der Temperaturdifferenz zwischen Wärmequelle und Vorlauf. Je niedriger deine Vorlauftemperatur, desto höher die JAZ; jedes Grad weniger Vorlauf zahlt direkt darauf ein.

Warmwasser läuft das ganze Jahr und braucht eine höhere Speichertemperatur als die Heizung — die JAZ dafür liegt deshalb spürbar unter der Heiz-JAZ. Rechne den Warmwasserteil separat: Bedarf ansetzen, durch die niedrigere Warmwasser-JAZ teilen, und erst dann mit dem Heizstrom addieren. Wer beides mit einer einzigen JAZ überschlägt, rechnet den Strombedarf systematisch zu niedrig.

An sehr kalten Tagen springt der elektrische Heizstab ein — der arbeitet mit einer Arbeitszahl von 1, also 1 kWh Strom für 1 kWh Wärme. Sein Anteil taucht in der JAZ nur auf, wenn du mit der SJAZ (Systemarbeitszahl inklusive Heizstab) rechnest. Dazu kommen Sperrzeiten: Bei einer steuerbaren Verbrauchseinrichtung nach § 14a EnWG darf der Netzbetreiber die Leistung im Bedarfsfall reduzieren, was das Gebäude über den Pufferspeicher überbrücken muss. Beides erhöht den realen Strombedarf gegenüber der reinen Papierrechnung.

Die kWh multiplizierst du mit deinem Arbeitspreis. Für Wärmepumpen gibt es separate Wärmestromtarife, und steuerbare Verbrauchseinrichtungen nach § 14a EnWG bekommen ein reduziertes Netzentgelt — welche Variante für dich gilt, steht in deinem Netzanschlussvertrag. Ob Heizungs- und Haushaltsstrom über einen gemeinsamen Zähler oder einen eigenen Zählpunkt laufen, entscheidet das Messkonzept. Kommt eigene PV dazu, senkt der Eigenverbrauch die Kosten, nicht den Bedarf — der bleibt gleich.
Die Rechnung auf dem Papier ist eine Prognose. Belastbar wird sie erst, wenn du sie nach einer Heizperiode gegen die Messwerte hältst: Wärmemengenzähler (abgegebene Wärme) geteilt durch den Stromzähler der Wärmepumpe ergibt die tatsächliche JAZ. Weicht sie deutlich nach unten ab, liegt es meist an zu hoher Vorlauftemperatur, falscher Heizkurve oder Takten durch überdimensionierte Leistung — nicht am Gerät. Ohne Wärmemengenzähler lässt sich die JAZ im Nachhinein nicht sauber belegen, nur schätzen.
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