EPEX Day-Ahead — was das ist und wie der Preis entsteht

Der EPEX-Day-Ahead ist die Strom-Auktion an der Börse EPEX SPOT, in der einmal täglich der Preis für den kompletten Folgetag im Marktgebiet DE-LU festgelegt wird. Gehandelt wird in €/MWh, das Ergebnis steht mittags fest — und genau dieser Preis ist die Referenz für dynamische Tarife, Direktvermarktung und Speicher-Arbitrage.
EPEX SPOT ist die europäische Strombörse für den kurzfristigen Handel. "Day-Ahead" heißt: Käufer und Verkäufer geben am Vortag Gebote für die Lieferzeiten des nächsten Tages ab. Für jede Zeitscheibe des Folgetages entsteht genau ein Preis, den alle bezahlen bzw. bekommen (Einheitspreis-Verfahren). Für Deutschland gilt das gemeinsame Marktgebiet DE-LU (Deutschland und Luxemburg). Klassisch waren das 24 Stundenpreise; inzwischen werden im Day-Ahead auch 15-Minuten-Produkte auktioniert — beim Rechnen also immer prüfen, ob du gerade Stundenmittel oder Viertelstunden vor dir hast.

Der Ablauf ist jeden Tag gleich: Bis 12:00 Uhr kannst du Gebote abgeben (Gate Closure). Danach werden alle Kauf- und Verkaufsgebote je Zeitscheibe sortiert — die Verkaufsgebote nach steigenden Kosten (Merit-Order), die Kaufgebote nach fallender Zahlungsbereitschaft. Wo sich beide Kurven schneiden, liegt der Preis. Das letzte noch benötigte Kraftwerk setzt also den Preis für alle. Das Ergebnis wird in der Regel kurz nach der Auktion am frühen Nachmittag veröffentlicht; bei Störungen im europäischen Marktkopplungsverfahren kann es später werden. Ab dann steht dein Fahrplan für morgen — Speicher, Ladezeiten und verschiebbare Prozesse planst du gegen diese Preiskurve.

Die Börse notiert in €/MWh, deine Rechnung in ct/kWh. Die Umrechnung ist simpel: €/MWh geteilt durch 10 ergibt ct/kWh. 80 €/MWh sind also 8 ct/kWh. Öffentlich einsehbar sind die Day-Ahead-Preise für DE-LU unter anderem auf SMARD.de der Bundesnetzagentur und auf der ENTSO-E-Transparenzplattform; wir selbst ziehen sie für unsere Dashboards aus der ENTSO-E-Datenbasis. Achte beim Vergleich auf drei Dinge: Marktgebiet (DE-LU, nicht AT oder FR), Zeitzone der Zeitstempel und die Auflösung (Stunde oder Viertelstunde).

Ein negativer Preis bedeutet: Es ist mehr Strom im System, als gerade gebraucht wird, und Erzeuger zahlen dafür, weiter einspeisen zu dürfen. Typisch sind sonnige, windige Stunden mit schwacher Last, oft mittags am Wochenende. Für Anlagenbetreiber in der Direktvermarktung ist das kein Randthema: § 51 EEG 2023 sieht eine 4-Stunden-Block-Regel auf Basis der Stundenmittelwerte vor — liegen vier zusammenhängende Stunden im EPEX-Day-Ahead im Stundenmittel unter 0 €/MWh, entfällt für die in diesem Block erzeugten Mengen die Marktprämie. Einzelne negative 15-Minuten-Slots lösen diese Regel nicht direkt aus, weil auf das Stundenmittel abgestellt wird. Wichtig: Für neuere Anlagen gelten inzwischen strengere Vorgaben — welcher Stand für deine Anlage greift, hängt an Inbetriebnahmedatum und Vergütungsform und gehört im Einzelfall geprüft.

Day-Ahead ist eine Auktion: ein Zeitpunkt, ein Preis je Zeitscheibe, feste Regeln. Intraday ist der Handel danach — fortlaufend bis kurz vor der Lieferung, damit Prognosefehler bei Wind und PV oder Kraftwerksausfälle noch ausgeglichen werden können. Für die Planung von morgen (Speicherfahrplan, Ladezeiten, Produktionsverschiebung) ist der Day-Ahead die Referenz, weil er früh genug feststeht. Auch die meisten gesetzlichen Block- und Negativpreis-Regeln knüpfen am Day-Ahead-Spot für DE-LU an, nicht am Intraday. Der Intraday ist das Korrekturinstrument am Liefertag selbst.
Der Day-Ahead-Preis ist nicht dein Endkundenpreis. Auf den Beschaffungspreis kommen Netzentgelte, Messstellenbetrieb, Umlagen, Stromsteuer, Umsatzsteuer und die Marge deines Lieferanten. Direkt spürbar wird die Börsenkurve nur, wenn dein Arbeitspreis spot-indexiert ist — also bei einem dynamischen Tarif (Lieferanten mit Endkunden sind seit 2025 verpflichtet, solche Tarife anzubieten; technisch braucht es ein intelligentes Messsystem). Und der Hebel liegt nicht am Tarif, sondern an deiner Last: Nur was du zeitlich verschieben kannst, verdient an günstigen Stunden. Im Gewerbe kommt eine Falle dazu — verschiebst du Verbrauch in eine billige Stunde und erzeugst dabei eine neue Lastspitze, kann der Leistungspreis den Gewinn aus dem Arbeitspreis wieder auffressen.
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