EPEX Spot Strompreis – was steckt dahinter?

Der EPEX-Spot-Strompreis ist der Preis, zu dem Strom an der europäischen Strombörse EPEX SPOT für die kurzfristige Lieferung gehandelt wird. Er wird stündlich (und viertelstündlich) neu festgelegt und ist die Basis für dynamische Stromtarife, Direktvermarktung und Speicher-Handel.
EPEX SPOT ist die Börse für den kurzfristigen Stromhandel in Deutschland und mehreren europäischen Ländern. "Spot" heißt: Es geht um Lieferung für heute oder morgen, nicht um langfristige Termingeschäfte. Der Preis wird in Euro pro Megawattstunde (EUR/MWh) angegeben – 100 EUR/MWh entsprechen 10 Cent pro Kilowattstunde (kWh), jeweils ohne Netzentgelte, Steuern und Abgaben.

Der meistgenannte Spotpreis stammt aus der Day-Ahead-Auktion. Bis 12:00 Uhr am Vortag geben Käufer und Verkäufer ihre Gebote für jede einzelne Stunde des Folgetags ab. Um 12:00 Uhr wird die Auktion geschlossen und für alle 24 Stunden je ein Preis ermittelt. Dieser Fahrplan gilt dann verbindlich für den nächsten Tag.

Nach der Day-Ahead-Auktion läuft der Intraday-Handel kontinuierlich weiter – bis wenige Minuten vor der tatsächlichen Lieferung. Hier werden Stunden- und Viertelstundenprodukte gehandelt. Der Intraday-Markt gleicht kurzfristige Abweichungen aus, etwa wenn Wind oder Sonne anders liefern als am Vortag prognostiziert.

Der Preis ergibt sich aus Angebot und Nachfrage nach dem Merit-Order-Prinzip: Kraftwerke werden nach ihren Kosten sortiert, günstige zuerst (Wind, Solar, dann Kohle/Gas). Das teuerste noch benötigte Kraftwerk setzt den Preis für alle. Deshalb ist Strom günstig, wenn viel Wind- und Solarstrom im Netz ist, und teuer in windstillen, dunklen Verbrauchsspitzen.

Bei sehr viel Erneuerbaren-Einspeisung und gleichzeitig niedriger Nachfrage kann der Spotpreis unter null fallen – dann wird für die Abnahme von Strom bezahlt. In Deutschland zählen wir 2026 bislang 409 solcher Negativstunden (eigene ENTSO-E-Auswertung), mit einem Tiefstwert von −500 EUR/MWh. Für Betreiber von Speichern und flexiblen Verbrauchern sind genau diese Stunden interessant.
Wenn du einen dynamischen Stromtarif hast, folgt dein Arbeitspreis dem stündlichen Day-Ahead-Preis – Verbrauch in günstige Stunden verschieben spart bares Geld. Betreibst du eine PV-Anlage in der Direktvermarktung, wird dein Strom am Spotmarkt verkauft und über die Marktprämie (Monatsmarktwert) abgerechnet. Ein Batteriespeicher kann günstig einkaufen und in teuren Stunden nutzen oder verkaufen.