Erdwärmepumpe: Wie hoch ist der Stromverbrauch wirklich?

Der Stromverbrauch deiner Erdwärmepumpe ergibt sich aus deinem Wärmebedarf geteilt durch die Jahresarbeitszahl (JAZ) – mehr steckt in der Grundrechnung nicht. Alles Weitere ist die Frage, welche JAZ deine Anlage tatsächlich erreicht und was du beim Zählen mitrechnen musst.
Stromverbrauch (kWh/Jahr) = Heizwärme- und Warmwasserbedarf (kWh/Jahr) ÷ JAZ. Die JAZ sagt dir, wie viele Kilowattstunden Wärme deine Anlage übers Jahr aus einer Kilowattstunde Strom macht – sie ist der reale Betriebswert über 12 Monate, nicht der COP vom Datenblatt. Der COP ist ein Prüfstandswert für einen einzelnen Betriebspunkt (z. B. Sole 0 °C / Vorlauf 35 °C) und liegt fast immer über dem, was deine Anlage im Alltag schafft. Rechne also nie mit dem COP, wenn du Jahreskosten abschätzen willst.

1) Wärmebedarf bestimmen: Nimm den Wert vom Wärmemengenzähler, ersatzweise deinen bisherigen Gas- oder Ölverbrauch abzüglich Kesselverluste. 2) Durch die JAZ teilen. 3) Mit deinem Arbeitspreis multiplizieren. Als Rechenbeispiel mit Platzhalterzahlen: 20.000 kWh Wärmebedarf ÷ JAZ 4,0 = 5.000 kWh Strom im Jahr. Dieselben 20.000 kWh bei JAZ 3,0 sind schon rund 6.700 kWh – gut ein Drittel mehr, bei identischem Haus. Genau deshalb lohnt es sich, an der JAZ zu arbeiten und nicht am Tarif allein.

Der größte Hebel ist die Vorlauftemperatur: Je kühler du heizen kannst, desto weniger Strom brauchst du. Flächenheizung schlägt kleine Heizkörper deutlich. Zweiter Hebel ist das Warmwasser – es verlangt ganzjährig ein höheres Temperaturniveau und drückt deshalb die Jahresarbeitszahl, auch wenn die Heizung selbst sauber läuft. Dritter Punkt: jeder Betriebsstunde des elektrischen Heizstabs ist Strom mit Arbeitszahl 1. Läuft er regelmäßig, ist meist die Auslegung, die Regelung oder die Quelle das Problem. Und: Taktet die Anlage (viele kurze Starts), kostet das zusätzlich Strom, ohne dass mehr Wärme im Haus ankommt.

Anders als eine Luft-Wasser-Wärmepumpe zieht die Erdwärmepumpe ihre Wärme aus einer Quelle mit über das Jahr weitgehend gleichmäßiger Temperatur. Deshalb bricht die Effizienz an kalten Tagen nicht ein, und der Heizstab muss seltener einspringen – genau dann, wenn du am meisten Wärme brauchst. Die Falle: Die Soleumwälzpumpe läuft bei jedem Verdichterbetrieb mit und gehört zum Stromverbrauch dazu. Bei einer zu knapp ausgelegten oder überlasteten Erdsonde sinkt die Quellentemperatur über die Heizsaison ab – die JAZ fällt dann im Februar spürbar schlechter aus als im November.

Eine JAZ ist nur vergleichbar, wenn klar ist, was im Zähler steckt. Dazu gehören: Verdichter, Steuerung, elektrischer Heizstab, Soleumwälzpumpe und – je nach Abgrenzung – die Heizungsumwälzpumpe. Wenn dir jemand eine hohe Arbeitszahl nennt, frag zuerst, ob Warmwasser und Heizstab enthalten sind. Ohne diese beiden Posten sieht fast jede Anlage gut aus. Für die Kostenrechnung zählt ohnehin nur, was am Stromzähler ankommt.
Sauber wird es mit zwei Zählern: einem Wärmemengenzähler für die abgegebene Wärme und einem Stromzähler für die Wärmepumpe. Aus beiden Jahreswerten bekommst du deine tatsächliche JAZ statt einer Prospektzahl. Viele Wärmepumpen liefern eigene Verbrauchswerte über ihre Regelung – die sind für Trends brauchbar, ersetzen aber keine Messung. Ein Shelly oder ein vergleichbarer Unterzähler ist ein gutes Transparenz-Werkzeug für den Wärmepumpen-Stromkreis, aber kein eichrechtskonformer Ersatz für den Zähler des Messstellenbetreibers. Lies über eine ganze Heizperiode ab, nicht über zwei kalte Wochen – sonst misst du das Wetter, nicht die Anlage.
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