SPS-Integration des Strompreis-Signals: Was Elektrobetriebe wissen müssen

Du willst eine Steuerung so aufbauen, dass sie bei günstigem oder negativem Börsenstrom automatisch Lasten zuschaltet. Hier bekommst du die konkreten Schritte, Schnittstellen und Stolperfallen – ohne Marketing.
1) Datenquelle wählen: Du beziehst die Day-Ahead-Preise (stündlich, für den Folgetag meist gegen 13:00 veröffentlicht) über eine API. 2) Gateway/Edge-Gerät holt die Preistabelle per HTTPS und legt sie in Variablen ab. 3) Deine SPS liest diese Werte über MQTT, Modbus TCP oder REST ein. 4) Eine Schaltlogik vergleicht den aktuellen Stundenpreis mit einer Schwelle und schaltet Relais/Aktoren. Wichtig: Die SPS selbst braucht keine Börsen-Anbindung – sie bekommt nur die fertige Preisreihe plus Uhrzeit.

Praktikabel sind drei Wege: (a) Anbieter-APIs dynamischer Tarife (z. B. aWATTar, Tibber, Corrently) liefern JSON mit Stundenpreisen inkl. deiner Abgaben – am nächsten an dem, was der Kunde real zahlt. (b) Die ENTSO-E Transparency Platform gibt reine Börsenpreise (Day-Ahead) heraus. (c) Der Netzbetreiber/Messstellenbetreiber, wenn ein intelligentes Messsystem (iMSys) mit dynamischem Tarif verbaut ist. Für die Schaltentscheidung zählt der Endkundenpreis – reiner Börsenpreis ohne Netzentgelte/Steuern führt sonst zu falschen Schwellen.

Gängige SPS (Siemens LOGO!/S7-1200/1500, WAGO, Beckhoff) sprechen typischerweise Modbus TCP, MQTT oder HTTP/REST. Empfehlung: Ein kleines Edge-Gerät (z. B. IPC oder Raspberry Pi mit Broker) zieht die API, publiziert die 24 Stundenwerte per MQTT – die SPS abonniert das Topic. So bleibt die Steuerung robust, auch wenn die API kurz nicht erreichbar ist (letzte gültige Tabelle wird gepuffert). Plane immer einen Fallback: Bei fehlendem Signal geht die Anlage in einen sicheren Standardbetrieb, nicht in undefiniertes Schalten.

Der wirtschaftliche Kern sind Stunden mit sehr niedrigen oder negativen Preisen. In Deutschland zählen wir 2026 bis dato 396 Stunden mit negativem Börsenpreis (eigene ENTSO-E-Auswertung), Tiefstwert -500 EUR/MWh. In solchen Fenstern kostet Strombezug faktisch nichts oder bringt Geld – ideal, um Wärmepumpe, Warmwasser, Ladepunkte oder einen Batteriespeicher gezielt laufen zu lassen. Setze die Schaltschwelle nicht statisch, sondern relativ (z. B. günstigste 4–6 Stunden des Tages), damit die Logik auch in preisruhigen Wochen greift.

Steuerbare Verbrauchseinrichtungen (Wärmepumpen, Wallboxen ab 4,2 kW) fallen seit 2024 unter §14a EnWG – der Netzbetreiber darf die Leistung netzdienlich dimmen; das ist unabhängig von deiner Preis-Optimierung, muss aber in der Schaltlogik Vorrang haben. Dynamische Tarife sind über §41a EnWG geregelt; Lieferanten müssen sie anbieten. Für preisbasiertes Schalten brauchst du in der Regel ein iMSys mit dynamischem Tarif. Prüfe je Projekt konkret die Vertragslage – pauschale Pflichten oder feste Termine solltest du nicht ungeprüft zusagen.
Zeitzone/Sommerzeit: Preise sind in UTC oder lokaler Zeit angegeben – ein Stundenversatz schaltet zur falschen Zeit. Preisbezug: Börsenpreis ≠ Endkundenpreis; ohne Netzentgelte/Steuern liegt deine Schwelle daneben. Taktung: Baue eine Mindestlaufzeit und Hysterese ein, sonst schaltet die Anlage bei Preisen nahe der Schwelle im Sekundentakt. Und: §14a-Dimmsignal und Sicherheitsverriegelungen immer über die Preislogik priorisieren.