Kann der Netzbetreiber meine PV-Anlage drosseln?

Ja, er darf — aber nicht willkürlich, sondern nur in klar geregelten Fällen: bei einem Netzengpass, aufgrund technischer Vorgaben aus dem EEG und im Rahmen der Einspeiseleistung, die dir im Netzanschluss zugesagt wurde. Hier stehen die drei Fälle, wer dich entschädigt und woran du erkennst, welcher davon bei dir greift.
Der Netzbetreiber darf deine Einspeisung reduzieren, wenn (1) die Netz- oder Systemsicherheit es erfordert — das ist Redispatch nach EnWG, früher Einspeisemanagement; (2) das EEG technische Vorgaben macht, insbesondere die dauerhafte Begrenzung der Einspeiseleistung bei Anlagen ohne Steuerbarkeit; (3) dein Netzanschluss von vornherein auf eine bestimmte Einspeiseleistung begrenzt wurde. Außerhalb dieser Fälle darf er dich nicht abregeln — er darf aber den Netzparallelbetrieb verweigern, wenn deine Anlage die technischen Anschlussregeln (im Niederspannungsnetz die VDE-AR-N 4105) nicht erfüllt. Wichtig zur Einordnung: Der häufigste Grund, warum eine Anlage heute heruntergefahren wird, sind negative Börsenpreise — und das ist kein Eingriff des Netzbetreibers (siehe unten).

Droht ein Leitungsabschnitt zu überlasten, darf der Netzbetreiber Erzeugungsanlagen herunterfahren. Betroffen sind Anlagen, die dafür steuerbar angebunden sind — nach heutiger Systematik ab 100 kW installierter Leistung sowie kleinere Anlagen, die per Fernwirktechnik oder Steuerbox steuerbar sind. Der entscheidende Punkt für dich: Diese Eingriffe sind entschädigungspflichtig. Die Energie, die du wegen der Anweisung nicht einspeisen konntest, wird als Ausfallarbeit ermittelt und dir finanziell ausgeglichen — du sollst wirtschaftlich so stehen, als wäre nicht abgeregelt worden. Deshalb lohnt es sich, die Abrechnung der Ausfallarbeit gegen den eigenen Lastgang zu prüfen: Falsch ermittelte Ausfallarbeit ist der häufigste Streitpunkt.

Das EEG verlangt für neue Anlagen entweder Steuerbarkeit (Smart-Meter-Gateway plus Steuerungseinrichtung bzw. Fernsteuerbarkeit in der Direktvermarktung) — oder eine dauerhafte Kappung der Wirkleistungseinspeisung am Netzverknüpfungspunkt auf 60 % der installierten Leistung. Das ist keine Einzelanweisung, sondern eine Einstellung im Wechselrichter: Sie wirkt jeden Tag über Mittag, immer dann, wenn die Anlage über die Grenze käme. Für diese Kappung gibt es keine Entschädigung. Ob 60 % oder Steuerbarkeit für dich gilt, hängt an Inbetriebnahmedatum, Anlagengröße und Vermarktungsform — steht im Netzanschlussvertrag und in der Inbetriebnahmebestätigung.

Manchmal wurde die Anlage nie für die volle Leistung ans Netz gelassen. Steht in deiner Anschlusszusage eine maximale Einspeiseleistung, die unter der installierten Leistung liegt, ist die Drosselung Teil des Vertrags — typisch bei knappem Netzanschluss, gemeinsamem Hausanschluss mit anderen Erzeugern oder bei einer Erweiterung, die ohne Netzverstärkung genehmigt wurde. Prüfe das im Original: Anschlusszusage, Netzanschlussvertrag und Einspeisezusage nennen die zugesagte Leistung in kW oder kVA. Wenn dein Wechselrichter deutlich unter dem liegt, was du erwartest, ist das oft hier begründet — und nicht in einem aktuellen Eingriff des Netzbetreibers.

Fährt die Anlage bei Sonne herunter, obwohl kein Netzengpass gemeldet ist, steckt meist §51 EEG dahinter: In Zeiten negativer Börsenpreise entfällt für förderberechtigte Anlagen die Zahlung. Abgeregelt wird dann durch deinen Direktvermarkter oder durch deine eigene Steuerung — nicht durch den Netzbetreiber. Das ist ein wirtschaftlicher, kein netztechnischer Vorgang, und er wird nicht als Ausfallarbeit entschädigt. Als Ausgleich verschiebt das EEG bei betroffenen Anlagen den Förderzeitraum nach hinten (§51a): Stunden ohne Zahlung werden hinten angehängt. Diese Fälle sauber von Redispatch zu trennen ist wichtig — sonst forderst du eine Entschädigung, die es für diesen Fall nicht gibt.
Vier Dokumente reichen für die Zuordnung. Erstens Netzanschlussvertrag/Anschlusszusage: Steht dort eine begrenzte Einspeiseleistung, ist es Fall 3. Zweitens Inbetriebnahmeprotokoll und Wechselrichter-Einstellung: Ist eine feste Wirkleistungsbegrenzung von 60 % parametriert, ist es Fall 2 — sichtbar als flaches Dach in der Mittagskurve, jeden sonnigen Tag gleich hoch. Drittens die Redispatch-Abrufe deines Netzbetreibers bzw. deines Direktvermarkters: Sie sind zeitlich begrenzt und unregelmäßig — Fall 1, entschädigungspflichtig. Viertens dein 15-Minuten-Lastgang: Er zeigt, wie oft und wie lange tatsächlich gekappt wurde, und ist die einzige belastbare Grundlage, um eine Entschädigungsabrechnung nachzurechnen.
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