Luft-Wasser-Wärmepumpe: Wie hoch ist der Stromverbrauch?

Dein Stromverbrauch ergibt sich aus einer einzigen Division: Wärmebedarf geteilt durch Jahresarbeitszahl. Alles andere — Dämmung, Heizkörper, Vorlauftemperatur, Warmwasser — wirkt nur über diese beiden Größen.
Stromverbrauch (kWh/Jahr) = Jahres-Wärmebedarf (kWh/Jahr) ÷ JAZ. Die Jahresarbeitszahl (JAZ) sagt, wie viele Kilowattstunden Wärme deine Anlage aus einer Kilowattstunde Strom macht — über ein ganzes Jahr gemittelt, inklusive der kalten Tage. Beispiel: 18.000 kWh Wärmebedarf ÷ JAZ 3,5 = rund 5.100 kWh Strom. Deinen Wärmebedarf schätzt du aus dem alten Brennstoffverbrauch: Gas-kWh × ca. 0,85 bis 0,9 (Kesselwirkungsgrad) oder Heizöl-Liter × ca. 10 kWh × 0,85. Genauer wird es nur mit einem Wärmemengenzähler oder einer Heizlastberechnung nach DIN EN 12831.

Verwechsle nicht COP und JAZ. Der COP im Datenblatt ist ein Laborwert bei einem festen Betriebspunkt (z. B. A7/W35: 7 °C Außenluft, 35 °C Vorlauf) und liegt oft bei 4 bis 5. Die JAZ ist der Jahresschnitt im echten Haus und liegt darunter. Als Orientierung für Luft/Wasser: Fußbodenheizung mit niedriger Vorlauftemperatur landet üblicherweise im Bereich 3,5 bis 4,5; klassische Heizkörper mit 50 bis 55 °C Vorlauf eher bei 2,8 bis 3,5. Faustregel aus der Physik dahinter: jedes Grad weniger Vorlauftemperatur bringt grob 2 bis 3 % weniger Stromverbrauch. Rechne bei einer Kaufentscheidung nie mit dem Prospekt-COP — nimm die JAZ, sonst rechnest du deinen Verbrauch systematisch zu klein.

Angenommen dein Haus braucht 15.000 kWh Heizwärme plus 2.500 kWh für Warmwasser, macht 17.500 kWh. Bei einer JAZ von 3,5 sind das rund 5.000 kWh Strom im Jahr. Bei einer JAZ von 2,8 — schlecht eingestellt, hohe Vorlauftemperatur — sind es schon rund 6.250 kWh, also gut 25 % mehr für exakt dieselbe Wärme. Die Zahlen sind ein Rechenbeispiel, keine Prognose für dein Haus: Setz deine eigenen Werte ein, die Formel bleibt gleich. Auffällig ist der Hebel: Die Anlagentechnik entscheidet über den Verbrauch stärker als die Frage, welches Fabrikat draufsteht.

Warmwasser braucht 45 bis 55 °C und liegt damit dauerhaft über der Heiz-Vorlauftemperatur — die Arbeitszahl fällt in dieser Betriebsart deutlich ab. Zieh die Speichertemperatur nur so hoch wie nötig und lege die Aufheizung in die Mittagsstunden, wenn die Außenluft am wärmsten ist (und PV-Strom da ist). Der zweite Treiber ist der elektrische Heizstab: Er heizt mit Arbeitszahl 1, also viermal so teuer wie die Wärmepumpe. Springt er regelmäßig an statt nur an wenigen Extremtagen oder für die Legionellenschaltung, ist entweder die Anlage zu klein ausgelegt oder die Heizkurve zu steil. Ein separater Zähler oder das Anlagenprotokoll zeigt dir die Heizstab-Stunden.

Vier Punkte erklären fast jede zu hohe Rechnung. Erstens: zu hohe Heizkurve — der Vorlauf ist wärmer als nötig, das kostet direkt Arbeitszahl. Zweitens: Takten — die Wärmepumpe ist überdimensioniert, startet und stoppt ständig, jeder Start kostet Strom ohne Nutzen; unter etwa 3 bis 4 Starts pro Stunde solltest du bleiben. Drittens: gedrosselte Hydraulik — zugedrehte Thermostatventile oder ein nicht abgeglichenes Netz zwingen die Anlage in höhere Vorlauftemperaturen. Viertens: Abtaubetrieb bei feuchter Kälte um den Gefrierpunkt, der Wärme zurück in den Verdampfer schickt. Punkt eins bis drei kostet nur Einstellarbeit, keine neue Hardware.
Schätzen reicht für die Auslegung, nicht für die Optimierung. Für die JAZ brauchst du zwei Zahlen über dasselbe Zeitfenster: die abgegebene Wärme aus einem Wärmemengenzähler im Heizkreis und den aufgenommenen Strom aus einem eigenen Zähler vor der Wärmepumpe (Heizstab eingeschlossen). JAZ = Wärme ÷ Strom. Viele Anlagen zeigen beides intern an — diese internen Werte sind rechnerisch abgeleitet und nicht eichrechtskonform, als Trend aber brauchbar. Ein eigener Zählpunkt lohnt sich zusätzlich wegen §14a EnWG: Steuerbare Wärmepumpen über 4,2 kW mit Inbetriebnahme ab 1.1.2024 fallen unter die Regelung und bekommen im Gegenzug ein reduziertes Netzentgelt.
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