Mieterstrom-Messkonzept: So ist die Messung aufgebaut

Das Messkonzept legt fest, welche Zähler an welcher Stelle sitzen und wie Erzeugung, Mieterverbrauch und Netzstrom sauber getrennt gemessen werden. In den meisten Mieterstromprojekten nutzt du dafür das Summenzählermodell – hier bekommst du den Aufbau Schritt für Schritt.
Das Messkonzept ist der verbindliche Plan, wie in deinem Gebäude gemessen wird: Es zeigt jeden Zähler, seine Position und seine Zählrichtung. Ziel ist, dass drei Strommengen eindeutig auseinandergehalten werden – die PV-Erzeugung auf dem Dach, der Strom, den deine Mieter direkt vor Ort verbrauchen, und der Strom, der aus dem Netz bezogen oder ins Netz eingespeist wird. Der Netzbetreiber muss dieses Konzept prüfen und freigeben, bevor die Anlage abgerechnet werden darf.

Für Mieterstrom setzt du in der Regel auf das virtuelle Summenzählermodell. Dabei sitzt am Netzanschlusspunkt ein Summenzähler (Zweirichtungszähler), der nur die Differenz zum Netz misst: Was intern verbraucht wird, taucht dort gar nicht auf. Der Reststrombezug und die Überschusseinspeisung werden rechnerisch aus Summenzähler, Erzeugungszähler und den einzelnen Mieterzählern ermittelt. Das erspart dir eine teure Umverdrahtung der bestehenden Hausanschlussverkabelung.

Drei Zählertypen bilden das Grundgerüst: 1) Der Erzeugungszähler direkt hinter der PV-Anlage misst die gesamte Solarproduktion. 2) Je Wohn- oder Gewerbeeinheit ein eigener Unterzähler für den individuellen Mieterverbrauch – nur so kannst du korrekt abrechnen. 3) Der Summenzähler am Übergabepunkt zum Netz als Zweirichtungszähler. Optional kommt ein Zähler für den Allgemeinstrom (Treppenhaus, Aufzug) dazu. Wichtig: Mieter, die nicht am Mieterstrom teilnehmen, müssen messtechnisch sauber abgegrenzt werden.

Beim physikalischen Summenzählermodell fließt der gesamte Strom real durch einen zentralen Zählpunkt – das erfordert oft bauliche Eingriffe. Beim virtuellen Modell bleiben die bestehenden Zählerplätze der Mieter, wo sie sind, und die relevanten Größen werden aus den gemessenen Werten berechnet. Das virtuelle Modell ist bei Bestandsgebäuden fast immer die günstigere und schnellere Lösung. Welche Variante dein Netzbetreiber akzeptiert, klärst du am besten frühzeitig ab.

Ob eine moderne Messeinrichtung (mME) reicht oder ein intelligentes Messsystem (iMSys mit Smart-Meter-Gateway) eingebaut werden muss, hängt vom Jahresverbrauch bzw. der Erzeugungsleistung der jeweiligen Messstelle ab. Der gesetzliche Rollout richtet sich nach dem Messstellenbetriebsgesetz und wird schrittweise ausgeweitet. Plane iMSys-Verpflichtungen von Anfang an mit ein, weil sie die Zählerkosten und die Kommunikationstechnik im Konzept beeinflussen. Den zuständigen Messstellenbetreiber bindest du in die Planung ein.
Am häufigsten scheitert es an einem Messkonzept, das der Netzbetreiber nicht abnimmt – etwa weil Zählrichtungen oder nicht teilnehmende Mieter nicht sauber abgebildet sind. Auch fehlende Erzeugungszähler oder falsch verortete Summenzähler führen zu Nachforderungen. Reiche das Konzept vor dem Zählereinbau zur Prüfung ein und stimme dich mit Netz- und Messstellenbetreiber ab. So vermeidest du teure Nachrüstungen und Verzögerungen bei der Inbetriebnahme.