Mieterstrom-Software als Whitelabel – lohnt sich das?

Du willst Mieterstrom unter deinem eigenen Namen anbieten, ohne die Software selbst zu bauen? Hier erfährst du, was Whitelabel bedeutet, welche Funktionen Pflicht sind und woran du eine gute Lösung erkennst.
Whitelabel heißt: Du nutzt eine fertige Software eines Anbieters, die aber dein Logo, deine Farben und deinen Domainnamen trägt. Nach außen – für deine Mieter und Kunden – sieht es wie dein eigenes Produkt aus. Die Technik im Hintergrund (Abrechnung, Messdaten, Betrieb) stellt der Anbieter. Du sparst dir Eigenentwicklung und Wartung, gibst aber einen Teil der Marge ab. Für Stadtwerke, Wohnungsgesellschaften, PV-Installateure und Energiedienstleister ist das der schnellste Weg, Mieterstrom als eigene Dienstleistung zu vermarkten.

Prüfe jede Lösung an dieser Liste: 1) Messkonzept-Verwaltung inkl. Summenzähler und Untermessung, damit PV-Anteil und Netzbezug pro Wohnung sauber getrennt werden. 2) Automatische Mieterstromabrechnung nach den Vorgaben des EnWG (Rechnungspflichtangaben, Grund-/Arbeitspreis). 3) Tarif- und Vertragsmanagement inkl. Preisanpassungen und Kündigungsfristen. 4) Mieter-Onboarding und -Wechsel (Ein-/Auszug, Restmengenlieferung). 5) Erfassung und Zuordnung der Zählerstände, idealerweise per Smart-Meter-/iMSys-Anbindung. 6) Reporting für den Mieterstromzuschlag nach EEG und für die Meldepflichten. Fehlt einer dieser Punkte, machst du die Lücke manuell – und genau da entstehen Fehler und Kosten.

Whitelabel lohnt sich, wenn du schnell an den Markt willst, wenige bis mittlere Anlagenzahlen betreust und dich nicht um regulatorische Updates kümmern willst – der Anbieter zieht Gesetzesänderungen nach. Eine eigene Lizenz oder Eigenentwicklung ohne Branding-Zwang lohnt erst, wenn du sehr viele Zählpunkte hast und die Marge pro Vertrag den Aufwand für ein eigenes Team trägt. Faustregel: Bei einer Handvoll Objekten ist Whitelabel fast immer günstiger als jede Eigenlösung. Rechne konkret mit realen Vertragszahlen – nicht mit gewünschten.

Achte auf diese Signale: Die Software rechnet EEG-Mieterstromzuschlag und Reststrom-Belieferung in einem Durchlauf ab. Sie unterstützt das seit 2017 geltende Mieterstrom-Modell (Zuschlag für Strom, der im selben Gebäude verbraucht wird). Sie bindet moderne Messeinrichtungen und intelligente Messsysteme an, statt nur manuelle Zählerstände zu verwalten. Und sie liefert dir eine offene Datenschnittstelle (Export/API), damit du nicht in einem geschlossenen System festhängst. Frag nach einer Referenz mit vergleichbarer Anlagengröße und lass dir eine echte Musterabrechnung zeigen.

Typisch sind eine Setup-Gebühr plus laufende Kosten pro Zählpunkt oder Wohneinheit; manche Anbieter nehmen zusätzlich eine Umsatzbeteiligung. Verlässliche Zahlen bekommst du nur mit einem konkreten Angebot auf Basis deiner Objektzahl – pauschale Preislisten sind selten aussagekräftig. Prüfe, was enthalten ist: nur Software oder auch Abrechnungsservice, Messstellenbetrieb und Support? Je mehr der Anbieter übernimmt, desto weniger eigenes Personal brauchst du – desto höher aber die laufende Gebühr.
Definiere zuerst dein Messkonzept und die Zahl der Zählpunkte pro Objekt – das ist die Grundlage jedes Angebots. Hol dir dann von zwei bis drei Anbietern eine Musterabrechnung und eine Preisrechnung für genau deine Objektgröße. Wenn du unsicher bist, ob Mieterstrom bei deiner Anlage wirtschaftlich ist, lass vorab PV-Erzeugung und erwarteten Direktverbrauchsanteil prüfen – daran entscheidet sich, ob sich Software und Modell überhaupt tragen.