Mieterstrom: Welche Zähler brauchst du wirklich?

Für ein Mieterstrom-Projekt brauchst du mehr als nur die Zähler deiner Mieter. Hier siehst du direkt, welche Zähler an welcher Stelle sitzen und warum.
Ein Mieterstrom-Modell braucht drei Mess-Ebenen: (1) einen Zweirichtungszähler am Netzanschlusspunkt (Netzverknüpfungspunkt), der misst, wie viel Strom das Gebäude aus dem Netz zieht und wie viel zurückfließt. (2) einen Erzeugungszähler an der PV-Anlage, der die gesamte Solarerzeugung erfasst. (3) je einen Verbrauchszähler pro Mietpartei bzw. Zählpunkt. Nur mit diesen drei Ebenen lässt sich sauber trennen, wer Solarstrom aus dem Haus und wer Netzstrom bezogen hat.

In der Praxis gibt es zwei Wege. Beim virtuellen Summenzählermodell behält jeder Mieter seinen eigenen Zähler, und die Aufteilung zwischen Solarstrom und Netzstrom wird rechnerisch (bilanziell) über die Zählerwerte gebildet – das spart Umbau und ist heute der übliche Standard. Beim klassischen Kaskaden-/Einzelzählermodell wird die Zählerstruktur physisch umgebaut, sodass jede Wohnung hinter einem gemeinsamen Summenzähler hängt. Für die meisten Bestandsgebäude ist das virtuelle Summenzählermodell der schlankere Weg.

Für das virtuelle Summenzählermodell müssen die Zähler viertelstundengenau und zeitgleich messen – das leisten nur moderne Messeinrichtungen (mME) bzw. intelligente Messsysteme (iMSys, „Smart Meter"). Alte Ferraris-Drehscheibenzähler reichen dafür nicht. Rechne also damit, dass die betroffenen Zählplätze auf digitale Zähler umgerüstet werden. Das ist kein Nachteil: Erst die Viertelstundenwerte machen die faire Zuordnung von Solar- und Netzanteil überhaupt möglich.

Die Zähler installiert und betreibt der Messstellenbetreiber (MSB), nicht du als Vermieter oder Betreiber selbst. Standardmäßig ist das der grundzuständige MSB (meist der Netzbetreiber); du kannst aber einen wettbewerblichen Messstellenbetreiber (wMSB) wählen, was bei Mieterstrom oft sinnvoll ist, weil er das komplette Messkonzept aus einer Hand aufsetzt. Den Erzeugungszähler an der PV-Anlage brauchst du zusätzlich für die Abrechnung von Direktverbrauch und Netzeinspeisung.

Jeder Zähler hat eine eindeutige Marktlokation bzw. Zählpunktbezeichnung. Für die Abrechnung musst du wissen, welcher Zählpunkt zu welcher Wohnung, zur Erzeugung und zum Netzanschluss gehört. Lege dir von Anfang an eine Übersicht an: Netzanschluss-Zweirichtungszähler, PV-Erzeugungszähler, Liste aller Mieter-Verbrauchszähler. Fehlt hier die saubere Zuordnung, stimmt später die Aufteilung zwischen Solarstrom und Reststrom nicht – und das ist der Kern jeder Mieterstrom-Abrechnung.
Zwischen dem, was die PV-Anlage laut Erzeugungszähler produziert, und dem, was am Netzanschluss ankommt, liegt immer eine kleine Differenz – Leitungs- und Wandlungsverluste sowie Eigenverbrauch der Anlagentechnik. Das ist normal und kein Zählerfehler. Wichtig ist nur, dass du das richtige Konzept nutzt: Der Erzeugungszähler misst die Bruttoerzeugung, der Netzzähler die tatsächliche Einspeisung. Wer beide verwechselt, rechnet sich den Solaranteil falsch.