Welche Software brauchst du für eine Mieterstromanlage?

Eine Mieterstromanlage verkauft den PV-Strom vom Dach direkt an die Mieter im Haus – und genau diese Abrechnung, Messung und Meldung übernimmt die Software. Hier siehst du zuerst, welche Funktionen sie zwingend abdecken muss, bevor es um Auswahl und Details geht.
Achte auf diese fünf Bausteine, sonst bleibst du in Handarbeit stecken: (1) Zähler- und Messkonzept-Verwaltung (Summenzähler plus Untermessung je Wohnung), (2) automatische Abrechnung des gelieferten PV-Stroms plus Reststrom aus dem Netz, (3) Marktkommunikation für Lieferantenwechsel, Ein- und Auszug der Mieter, (4) Erstellung der EEG- und Meldepflichten inklusive Mieterstromzuschlag, (5) Einlesen der Verbrauchs- und Erzeugungsdaten aus Zählern und Wechselrichter. Fehlt einer davon, musst du den Teil extern zukaufen oder selbst rechnen.

Geh in dieser Reihenfolge vor: Erst klärst du dein Messkonzept mit dem Netzbetreiber – die Software muss genau dieses Konzept abbilden können. Dann prüfst du, ob sie die Marktkommunikation (Standardprozesse für Netz und Lieferant) selbst abwickelt oder ob du einen Dienstleister brauchst. Danach testest du an einem realen Beispielmonat: Kommt eine nachvollziehbare Rechnung mit PV-Anteil, Reststrom und Grundpreis heraus? Zuletzt klärst du die Schnittstellen zu deiner Mess- und Wechselrichter-Hardware. Erst wenn diese vier Punkte sitzen, entscheidest du über den Preis.

Der schwierigste Teil ist die getrennte Abrechnung von zwei Stromquellen pro Mieter: der günstige PV-Strom vom Dach und der zugekaufte Reststrom, wenn die Sonne nicht reicht. Die Software muss beide Mengen sauber je Wohnung ausweisen, die Stromkennzeichnung und Preisbestandteile korrekt aufführen und bei Umzug taggenau abrechnen. Verlange eine Muster-Jahresabrechnung, bevor du dich festlegst – daran erkennst du sofort, ob das Tool das kann.

Wenn du Strom an deine Mieter verkaufst, wirst du rechtlich zum Stromlieferanten – mit entsprechenden Melde-, Abrechnungs- und Marktkommunikations-Pflichten. Eine gute Software nimmt dir diese Pflichten weitgehend ab oder bindet einen Dienstleister an. Prüfe konkret: Werden Lieferantenwechsel-Prozesse, Meldungen an den Netzbetreiber und die jährliche Verbrauchsabrechnung automatisch erzeugt? Kläre offene Punkte zu Stromsteuer und Meldepflichten aber immer zusätzlich mit einem Fachberater ab – die Software ersetzt diese Beratung nicht.

Die Software ist nur so gut wie die Daten, die sie bekommt. Kläre, ob deine Zähler (idealerweise moderne Messeinrichtungen oder intelligente Messsysteme) und dein Wechselrichter automatisch ausgelesen werden können – etwa per Modbus oder API. Manuelle Zählerstände sind für einzelne Wohnungen machbar, bei mehreren Mietparteien aber fehleranfällig. Frag nach einer Liste unterstützter Zähler- und Wechselrichter-Marken, bevor du kaufst.
Du hast drei Wege: eine Software lizenzieren und selbst bedienen, ein SaaS-Tool im Monatsabo nutzen, oder einen Full-Service-Dienstleister beauftragen, der Abrechnung und Marktkommunikation komplett übernimmt. Für ein einzelnes Mehrfamilienhaus ist Full-Service oder ein spezialisiertes SaaS meist der geringste Aufwand, weil du die komplexe Marktkommunikation nicht selbst aufbauen musst. Reine Lizenz-Software lohnt sich eher, wenn du viele Objekte betreust.