Negative Regelleistung – was ist das?

Negative Regelleistung brauchst du dann, wenn zu viel Strom im Netz ist und die Frequenz über 50 Hertz steigt. Sie sorgt dafür, dass der Überschuss ausgeglichen wird – entweder durch weniger Erzeugung oder durch mehr Verbrauch.
Das Stromnetz muss immer exakt bei 50 Hertz laufen. Speisen Wind und Sonne mehr ein, als gerade verbraucht wird, steigt die Frequenz. Dann rufen die Übertragungsnetzbetreiber negative Regelleistung ab: Anbieter fahren ihre Erzeugung herunter oder erhöhen gezielt ihren Verbrauch. So wird der Überschuss aus dem Netz genommen und die Frequenz stabil gehalten.

Merke dir die Richtung: Positive Regelleistung wird abgerufen, wenn Strom fehlt (Frequenz unter 50 Hz) – dann muss mehr eingespeist oder weniger verbraucht werden. Negative Regelleistung ist das Gegenteil: Es ist zu viel Strom da, also muss Erzeugung gedrosselt oder Verbrauch hochgefahren werden. Beide sichern dieselbe Frequenz, nur aus entgegengesetzter Richtung.

Typische Anbieter sind Batteriespeicher (die laden statt entladen), Pumpspeicher, Power-to-Heat-Anlagen, flexible Industrieverbraucher und regelbare Erzeuger, die kurzfristig heruntergefahren werden können. Auch abschaltbare bzw. drosselbare EE-Anlagen kommen infrage. Kleinere Einheiten werden meist über Aggregatoren zu virtuellen Kraftwerken gebündelt, um die Marktanforderungen zu erfüllen.

Regelleistung wird von den vier deutschen Übertragungsnetzbetreibern über die gemeinsame Ausschreibungsplattform beschafft. Es gibt drei Produkte, jeweils positiv und negativ: Primärregelleistung (FCR, Aktivierung in Sekunden), Sekundärregelleistung (aFRR) und Minutenreserve (mFRR). Bevor du teilnehmen darfst, musst du deine Anlage präqualifizieren lassen. Die Mindestangebotsgröße liegt bei den Standardprodukten bei 1 MW – erreichbar auch im Pool.

Die Vergütung besteht aus zwei Teilen: dem Leistungspreis fürs Bereithalten der Reserve und dem Arbeitspreis für den tatsächlichen Abruf. Bei negativer Regelleistung kann die Logik ungewohnt wirken, weil du zusätzlichen Strom aufnimmst statt einspeist – ob und wie stark der Arbeitspreis hier ins Positive oder Negative geht, hängt vom jeweiligen Gebot und Markt ab. Für Speicherbetreiber ist das ein zusätzlicher Erlöskanal neben dem reinen Stromhandel.
Negative Regelleistung ist etwas anderes als negative Strompreise. Regelleistung ist ein Systemdienst zur Frequenzhaltung im Sekunden- bis Minutenbereich. Negative Strompreise entstehen dagegen am Day-Ahead- oder Intraday-Markt, wenn das Angebot die Nachfrage deutlich übersteigt (2026 in Deutschland bislang 409 Negativstunden, Tiefstwert -500 EUR/MWh nach unserer ENTSO-E-Auswertung). Beide hängen mit Stromüberschuss zusammen, sind aber getrennte Märkte.