Oberschwingungsmessung im PV-Park – so gehst du vor

Oberschwingungen sind ganzzahlige Vielfache der 50-Hz-Netzfrequenz (150 Hz, 250 Hz, 350 Hz …), die deine Wechselrichter durch ihre Leistungselektronik erzeugen. Gemessen wird am Netzverknüpfungspunkt mit einem normkonformen Power-Quality-Analysator über mehrere Tage – hier bekommst du die konkreten Schritte, Geräte und Grenzwerte.
Du misst die Verzerrung von Strom und Spannung am Netzverknüpfungspunkt (Übergabestelle zum Verteilnetzbetreiber), nicht am einzelnen Modul. Erfasst werden die einzelnen Harmonischen (Ordnung 2 bis mind. 40/50) sowie der Gesamtwert THD (Total Harmonic Distortion) – für Spannung (THD-U) und Strom (THD-I). Wichtig ist eine Messung über einen repräsentativen Zeitraum, weil die Verzerrung mit der Einspeiseleistung schwankt: bei viel Sonne anders als in der Nacht oder bei Teillast.

1) Messpunkt festlegen: Übergabezähler/Verknüpfungspunkt. 2) Bei Mittelspannung Wandler nutzen – Spannung über bestehende Spannungswandler, Strom über die vorhandenen Stromwandler oder Rogowski-Spulen. 3) Power-Quality-Analysator anklemmen (dreiphasig L1/L2/L3 + N). 4) Messdauer mindestens eine volle Woche, damit Werk-/Wochenend- und Last-Zyklen erfasst sind. 5) 10-Minuten-Aggregation aufzeichnen und später die 95-%-Perzentile auswerten – so misst man Netzqualität normgerecht.

Für die Netzqualität gilt die Messmethode nach IEC 61000-4-30, am besten mit einem Gerät der Klasse A – nur diese Klasse liefert reproduzierbare, streitfeste Werte gegenüber dem Netzbetreiber. Die Ermittlung der einzelnen Harmonischen selbst folgt IEC 61000-4-7. Achte auf ausreichende Bandbreite (Oberschwingungen bis mindestens 2 kHz, besser Supraharmonische bis 150 kHz, wenn Taktfrequenzen der Wechselrichter auffällig sind) und auf korrekte Wandlerübersetzung bei der Auswertung.

Für die Spannungsqualität im öffentlichen Netz gibt EN 50160 einen Rahmen vor – als häufig genannter Richtwert THD-U ≤ 8 % über die 95-%-Perzentile einer Woche. Deine zulässigen Strom-Emissionen als Anlage legt der Netzanschluss fest: VDE-AR-N 4110 für Mittelspannung bzw. VDE-AR-N 4105 für Niederspannung – die konkreten anteiligen Grenzwerte hängen von Kurzschlussleistung und Anlagengröße ab und stehen im Netzanschlussvertrag. Diese Werte prüfst du gegen deine Messung.

Am häufigsten treten die ungeraden Ordnungen 5. (250 Hz) und 7. (350 Hz) hervor, dazu 11. und 13. – klassisch für getaktete Wechselrichter. Auffällig ist oft, dass die Strom-Verzerrung bei Teillast (Morgen/Abend, bewölkt) relativ steigt, während sie bei Volllast sinkt. Prüfe außerdem, ob mehrere Wechselrichter in Summe (Resonanz mit Kabelkapazität und Trafo) eine Ordnung verstärken – das sieht man nur in der Gesamtmessung am Verknüpfungspunkt, nicht pro Gerät.
Miss unter realem Betrieb, nicht im Leerlauf. Dokumentiere die Einspeiseleistung parallel mit, damit du Verzerrung und Last korrelieren kannst. Nutze dieselbe 10-Minuten-Klasse-A-Systematik wie der Netzbetreiber, sonst sind die Zahlen nicht vergleichbar. Bei Grenzwert-Überschreitung sind Filter (passiv/aktiv), Anpassung der Wechselrichter-Parameter oder eine geänderte Trafo-Auslegung die üblichen Hebel – aber erst nach belegter Messung, nicht auf Verdacht.
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