Redispatch-Prozess: So läuft der Eingriff Schritt für Schritt ab

Redispatch ist der Eingriff des Netzbetreibers in die Einspeisung von Kraftwerken, um einen drohenden Netzengpass zu verhindern. Der Prozess folgt einer festen Kette: Engpass erkennen, Anlagen abregeln bzw. hochfahren und den betroffenen Betreiber finanziell entschädigen.
Der Netzbetreiber senkt vor einem überlasteten Leitungsabschnitt die Einspeisung (Runter-Regelung) und erhöht sie dahinter (Hoch-Regelung), damit die Leitung nicht überlastet wird – die gelieferte Strommenge im Netz bleibt gleich, nur der Ort der Erzeugung verschiebt sich.

1) Prognose: Der Netzbetreiber berechnet auf Basis von Erzeugungs- und Lastprognosen, wo und wann ein Engpass droht. 2) Anforderung: Er fordert bestimmte Anlagen auf, ihre Leistung zu reduzieren oder zu erhöhen. 3) Umsetzung: Die Anlage regelt (bei Redispatch 2.0 oft automatisiert per Fahrplan oder Direktzugriff). 4) Bilanzieller Ausgleich: Die entgangene bzw. zusätzliche Energiemenge wird bilanziell verrechnet. 5) Entschädigung: Der abgeregelte Betreiber erhält einen finanziellen Ausgleich.

Beteiligt sind der anfordernde Netzbetreiber (Verteil- oder Übertragungsnetzbetreiber), der Anlagenbetreiber und – wenn die Vermarktung ausgelagert ist – der Direktvermarkter. Seit Redispatch 2.0 sind auch kleinere Anlagen (grundsätzlich ab 100 kW sowie steuerbare Anlagen) einbezogen, nicht mehr nur Großkraftwerke.

Der Prozess kennt zwei Varianten der Umsetzung: Im Aufforderungsfall setzt der Anlagenbetreiber die Vorgabe selbst um (per Fahrplan/Prognose), im Duldungsfall greift der Netzbetreiber direkt auf die Anlage zu und regelt sie fern. Welche Variante gilt, wird zwischen Betreiber und Netzbetreiber vereinbart.

Der Betreiber soll finanziell so gestellt werden, als hätte es den Eingriff nicht gegeben. Die Erstattung kann über einen Mischpreis erfolgen – dokumentiert ist etwa eine Aufteilung aus Intraday- und Ausgleichsenergie-Bezug. Achtung: Reicht der Direktvermarkter nur diesen Mischpreis statt des vereinbarten Marktwerts durch, können beim Anlagenbetreiber Einbußen von über 40 % entstehen. Der Erstattungsmodus gehört deshalb geprüft.
Redispatch-Eingriffe zeigen sich als kurzfristige Leistungsreduzierungen, die nicht durch Wetter oder Technik erklärbar sind. Prüfe deine Lastgang-Daten auf gezielte Abregelungen und gleiche sie mit den Netzbetreiber-Meldungen ab – nur so lässt sich kontrollieren, ob die Entschädigung vollständig und korrekt beim dir angekommen ist.
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